Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rolle der Meeresströmungen bei der Aufnahme von Kohlendioxid im Nordatlantik

16.03.2011
Der Ozean löst etwa 30% des Kohlendioxids (CO2) auf, der durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre abgegeben wird.

Damit zählt er neben der terrestrischen Biosphäre zu den beiden wichtigsten Kohlendioxidsenken. Das Verständnis ihrer natürlichen Mechanismen ist Gegenstand zahlreicher Forschungsarbeiten. Der Ozean speichert das Kohlendioxid auf zwei Wegen: auf biologische Weise und mit Hilfe der Meeresströmungen.

Die biologische Pumpe: Das im Wasser aufgelöste Kohlendioxid wird vom Phytoplankton zur Photosynthese genutzt. Das Phytoplankton wird vom Zooplankton abgegrast, das wiederum von größeren Organismen gefressen wird, usw. Der auf diese Weise entstandene organische „Abfall“ sinkt in größere Tiefen und nur ein minimaler Teil sinkt in das Sediment ab.

Die physikalische Pumpe: Durch die Ozeanzirkulation sinkt das im Oberflächenwasser enthaltene CO2 (in gelöster organischer und anorganischer Form) mit ihm in die Tiefe, und wird so dem Austausch mit der Atmosphäre entzogen. Diese Wassermassen der ozeanischen Tiefenströmungen bewegen sich nur sehr langsam und eine wärmere und leichtere Deckschicht verhindert häufig das Aufsteigen von Tiefenwasser, wodurch sie viele Jahre von der Atmosphäre getrennt bleiben.

Forscher des CNRS [1] in Zusammenarbeit mit dem IRD [2], dem staatlichen Museum für Naturgeschichte [3], der UPMC [4] und der UBO [5] haben die Rolle dieser beiden Pumpen in einer Region des Nordatlantiks quantitativ erfasst. Entgegen ihren Erwartungen erwies sich die physikalische Pumpe durchschnittlich als etwa 100 Mal wichtiger als die biologische. Durch die Umwälzung der kalten und mit Kohlenstoff angereicherten Wassermassen spielt die Ozeanzirkulation im Nordatlantik eine entscheidende Rolle bei der Kohlenstoffspeicherung in den Tiefen des Ozeans.

Diese Ergebnisse wurden im "Journal of Geophysical Research" veröffentlicht. Diese bedeutende Rolle der physikalischen Pumpe im Nordatlantik wirft viele Fragen auf: Wie lange bleibt der durch sie transportierte Kohlenstoff in der Tiefe gespeichert, bevor er durch den umgekehrten Mechanismus wieder an die Oberfläche steigt? Ist dieses Verhältnis zwischen der physikalischen und der biologischen Pumpe auch in anderen ozeanischen Regionen der Erde zu beobachten? Und vor allem, wie verändert sich dieser Mechanismus im Zuge des Klimawandels, der sowohl Auswirkungen auf die physikalische als auch auf die biologische Pumpe hat?

[1] CNRS - französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung - http://www.cnrs.fr

[2] IRD - Forschungsinstitut für Entwicklung - http://www.ird.fr

[3] Staatliches Museum für Naturgeschichte - http://www.mnhn.fr

[4] UPMC - Universität Pierre und Marie Curie in Paris - http://www.upmc.fr

[5] UBO - Universität der Westbretagne - http://www.univ-brest.fr

Kontakte:

- Marina Lévy, LOCEAN/IPSL - Tel: +49 (0)144 27 27 07 - E-Mail: marina@locean-ipsl.upmc.fr

- Laurent Mémery, LEMAR/IUEM - Tel: +49 (0)2 98 49 88 97 - E-Mail: laurent.memery@univ-brest.fr

Quelle: Pressemitteilung des CNRS – 03.03.2011 – http://www.insu.cnrs.fr/a3717,atlantique-nord-courantsoceaniques- jouent-role-plus-important-que-prevu-absorption-carbone.html

Redakteurin: Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr

Myrina Meunier | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Berichte zu: CNRS CO2 IRD Kohlendioxid Kohlenstoff Meeresströmung Nordatlantik Ozean Ozeanzirkulation Phytoplankton Pumpe UBO UPMC Wassermasse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten