Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgenlicht liefert Einblicke in die Ursachen von Vulkanausbrüchen

16.10.2012
Experimente am Paul Scherrer Institut bieten Einblicke in Vorgänge in vulkanischen Materialien, die darüber entscheiden wie heftig ein Vulkan ausbricht.

In dem Experiment wurde mit einem Lasersystem ein kleines Stück vulkanisches Material so aufgeheizt, dass darin Bedingungen entstanden, wie sie am Beginn eines Vulkanausbruchs herrschen. Die Forschenden nutzten dann Röntgenlicht, um in Echtzeit zu verfolgen, was in dem Gestein passiert, während es schmilzt.

Wesentlich für die Art einer Vulkaneruption ist die Geschwindigkeit, mit der sich Blasen im Vulkanmaterial bilden. Die Arbeit zeigt nun, dass die ersten Sekunden des Blasenwachstums über die Art der Eruption entscheiden.

Die Heftigkeit von Vulkanausbrüchen reicht von häufigen kleinen Eruptionen mit geringen Auswirkungen auf die Menschen und die Umwelt bis zu heftigen Eruptionen, die das Potenzial haben, ganze Zivilisationen zu zerstören. Auch wenn es verschiedene Faktoren gibt, die einen Vulkanausbruch auslösen, so spielt die Freisetzung von Wasser und Gasen aus dem geschmolzenen Gestein eine wichtige Rolle. Wenn das geschmolzene Gestein aus den Tiefen der Erde aufsteigt, erzeugt Wasser (und andere flüchtige Substanzen) Blasen im Gestein. Diese Blasen schwächen das Gestein und erzeugen gleichzeitig einen Pfad, auf dem die Gase entweichen können. Wenn sich die Blasen schneller ausdehnen als die Gase entweichen können, kommt es zu einem Vulkanausbruch. Dehnt sich das Gas langsamer aus, findet es einen günstigeren Pfad, über den es aus den Blasen entweichen kann, so dass sich die Gefahr eines Vulkanausbruchs verringert.
Blick ins Innere des flüssigen Vulkangesteins

Die Entstehung und Evolution von Blasen in geschmolzenem Basaltgestein (wie es um die Vulkane Stromboli und Ätna in Italien) standen im Mittelpunkt eines Projekts, das ein international zusammengesetztes Forschungsteam unter der Leitung von Don Baker von der McGill University (Kanada) durchgeführt hat. Die Experimente haben die Forschenden am Tomografie-Messplatz TOMCAT an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz des Paul Scherrer Instituts durchgeführt. „Mit einem neuartigen lasergestützten Heizsystem und der Ausrüstung für die Darstellung schneller Prozesse am Messplatz TOMCAT haben wir die Veränderungen der Mikrostruktur des Materials in drei Dimensionen und in Echtzeit verfolgen können. Damit haben wir den Beginn der Blasenbildung im Innern eines kleinen Stücks Basaltschmelze Sekunde für Sekunde verfolgen können.“ erklärt Julie Fife, Wissenschaftlerin am TOMCAT-Messplatz. Die Forschenden konnten damit bestimmen, welchen Bedingungen für die Blasenbildung zu einem Ausbruch führen.
„Das komplexe Wechselspiel zwischen der Festigkeit des geschmolzenem Gesteins und seiner zunehmenden Gasdurchlässigkeit am Anfang der Blasenbildung deutet darauf hin, dass die Kombination dieser beiden Grössen darüber entscheidet, ob ein Vulkan heftig ausbricht oder ob die enthaltenen Gase still entweichen und höchstens kleinere Ausbrüche erzeugen“, erklärt Don Baker die Ergebnisse.

Die ersten Sekunden entscheiden über den Vulkanausbruch

Das wohl wichtigste Resultat dieser Untersuchungen deutet darauf hin, dass eine der heftigsten Eruptionsarten, die so genannte Plinianische Eruption, in den ersten zehn Sekunden der Blasenformung ausgelöst wird. Die rasche Zunahme der Zahl der Blasen führt dazu, dass das Gestein geschwächt wird und führt schliesslich zu einem Zusammenbruch der untersuchten Probe. Wenn das Magma nicht unmittelbar ausbricht, können ausreichende Pfade entstehen, über die das Gas entweichen kann, so dass sich das Risiko eines Ausbruchs reduziert. Diese Untersuchungen sind ein kleiner, aber wesentlicher Schritt zu dem Ziel, zukünftig weltweit die Typen von Vulkanausbrüchen voraussagen zu können.
Text: Julie L. Fife und Don Baker


Über das PSI
Das Paul Scherrer Institut entwickelt, baut und betreibt grosse und komplexe Forschungsanlagen und stellt sie der nationalen und internationalen Forschungsgemeinde zur Verfügung. Eigene Forschungsschwerpunkte sind Materie und Material, Mensch und Gesundheit, sowie Energie und Umwelt. Mit 1500 Mitarbeitenden und einem Jahresbudget von rund 300 Mio. CHF ist es das grösste Forschungsinstitut der Schweiz.

Kontakt:
Don R. Baker, Earth and Planetary Sciences
McGill University, Montreal QC, H3A2A7, Kanada
Telefon: +1 514 398 7485; E-Mail: don.baker@mcgill.ca

Julie L. Fife, Synchrotron Lichtquelle Schweiz
Paul Scherrer Institut, 5232 Villigen PSI, Schweiz,
Phone: +41 (0)56 310 58 40; E-Mail: julie.fife@psi.ch
Originalveröffentlichung:
A 4D x-ray tomographic microscopy study of bubble growth in basaltic foam
Don R. Baker, Francesco Brun, Cedrick O'Shaughnessy, Lucia Mancini, Julie L. Fife, Mark Rivers

Nature Communication, 16 October 2012, DOI: http://dx.doi.org/10.1038/ncomms2134

Dagmar Baroke | idw
Weitere Informationen:
http://www.psi.ch/sls/tomcat/tomcat

Weitere Berichte zu: Blasen Blasenbildung Eruption Lichtquelle PSI Röntgenlicht Synchrotron Vulkan Vulkanausbruch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften