Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesenvogel mit knöchernen Pseudo-Zähnen setzt neue Maßstäbe für Flügelspannweite von Vögeln

16.09.2010
Mit einer Flügelspannweite von mehr als fünf Metern segelte der Urvogel vor fünf bis zehn Millionen Jahren über die Küstenregion Chiles.

Die fossilen Überreste des Tieres, dessen erstaunlich niedriges Lebendgewicht zwischen 16 und 29 Kilogramm lag, wurden in der Atacama Wüste, unweit des nordchilenischen Dorfes Bahìa Inglesa entdeckt. Es ist der bisher besterhaltene Fund eines Pseudozahnvogels. Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Gerald Mayr und sein chilenischer Kollege Dr. David Rubilar haben das Fossil jetzt als neue Art beschrieben und Pelagornis chilensis genannt. Eine Rekonstruktion „schwebt“ nun im Vogelsaal des Frankfurter Senckenberg Naturmuseums.

„Obwohl diese Tiere wie Kreaturen aus Jurassic Park wirken, waren es bereits echte Vögel“, sagt Gerald Mayr mit einem Blick auf die langen, gut erhaltenen Kiefer aus denen skurril wirkende, zahnähnliche Knochenfortsätze ragen. Was da eher an die Zähne eines Reptils erinnert, sind Pseudozähne, die sich anatomisch jedoch deutlich von echten Zähnen unterscheiden. Sie sind das charakteristische Merkmal für diese Gruppe ausgestorbener Vögel, die Wissenschaftler den so genannten Pseudozahnvögeln zuordnen. Pelagornis chilensis konnte damit im Flug Tintenfische und andere glitschige Nahrung von der Oberfläche des Pazifik fischen.

Funde von Pseudozahnvögeln belegen, dass diese Vogelgruppe schon vor 50 Millionen Jahren existiert hat und auf allen Kontinenten vorkam. „Es ist durchaus möglich, dass frühe Urmenschen in Nordafrika noch den letzten Verwandten dieser seltsamen Vögel begegnet sind“, sagt Gerald Mayr.

Der mit 70 Prozent nahezu vollständige Fund der neuen Art ist weitgehend dreidimensional erhalten und damit der bislang am besten gesicherte Beleg für die neuen Erkenntnisse über die Größe und Anatomie dieser Riesenvögel. Die Flügelknochen zeigen eine Flügelspannweite von mindestens 5,20 Meter. Damit setzt Pelagornis chilensis neue Maßstäbe.

„Wenn Vögel mit einer Flügelspannweite von mehr als fünf Metern und bizarren Pseudozähnen heute noch leben würden, wäre Vogelbeobachtung in Chile sicherlich noch um einiges aufregender“, vermutet Gerald Mayr, während er auf die Nachbildung des beeindruckenden Urzeittiers schaut, die jetzt im Senckenbergmuseum zu sehen ist.

Bedeutender für den Paläontologen vom Senckenberg Forschungsinstitut ist jedoch die Kenntnis der Maximalgröße, die ein fliegender Vogel überhaupt erreichen kann. Daraus lassen sich sowohl wichtige Rückschlüsse zur Evolution der Vögel wie auch über die Physik des Vogelflugs ziehen.

Größere Maße, die für einige andere fossile Vögel zuvor angegeben wurden, basieren auf Schätzungen weitaus schlechter erhaltener Belege, die nur als stark zerbrochene Fragmente geborgen werden konnten. „Die meist nur bruchstückhafte Erhaltung der fragilen Knochen sind der Grund dafür, dass bisher veröffentlichte Untersuchungsergebnisse zur Flügelspannweite dieser Vögel überwiegend auf Schätzungen beruhen“, erläutert Gerald Mayr. Der Neufund hat die Autoren veranlasst, in der aktuellen Publikation auch die bisherige wissenschaftliche Zuordnung dieser Vögel zu revidieren. Sie schlagen vor, alle Pelagornithiden-Arten aus dem Neogen in der Gruppe Pelagornis zusammen zu fassen.

Co-Autor David Rubilar vom chilenischen Museo Nacional de Historia Natural betonte: „Pelagornis chilensis vertieft in hohem Maß unser Wissen vom Erscheinungsbild einer der faszinierendsten Tiergruppen, die einst den Himmel durchquert haben. (dve)

Die Publikation erscheint in der aktuellen Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of Vertebrate Paleontology.

Ansprechpartner:
Dr. Gerald Mayr
Senckenberg Forschungsinstitut
Sektion Ornithologie
Senckenberganlage 25, D-60325
Frankfurt am Main, Germany
Gerald.Mayr@senckenberg.de
Tel: +49 69 75421348
Dr. David Rubilar
Museo Nacional de Historia Natural
Área Paleontología
Casilla 787, Santiago, Chile
drubilarrogers@gmail.com
Tel: 56 2 680 4651

Doris von Eiff | idw
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de
http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=229

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie