Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Revolutionäre Einblicke ins Innere von Salzstöcken

02.08.2010
RWTH-Wissenschaftler ermöglichen Erforschung
von Salzschichten ohne aufwändige Bohrungsarbeiten

Salz ist zäh und flüssig. „Es ist ein merkwürdiger Gesteinskörper“, sagt Univ.-Prof. Dr. Janos Urai vom Lehr- und Forschungsgebiet Geologie – Endogene Dynamik. Der Wissenschaftler zieht den Vergleich mit Bienenhonig heran: Betrachte man diesen für einen kurzen Augenblick, so scheine er sich nicht zu bewegen. Schaue man aber einige Augenblicke später noch einmal, so könne man erkennen, dass die zähflüssige Masse beispielsweise am Glas heruntertropft.

Beim Salz verhält es sich ähnlich: Innerhalb von Salzstöcken gibt es – allerdings auf Jahrtausende betrachtet – eine ständige fließende Bewegung. Dies ist einer der Gründe, warum Salzstöcke für die Lagerung von Erdöl, Erdgas und Abfällen genutzt werden: Salz ist ganz gering durchlässig und im Laufe der Jahre verschließt es, bedingt durch die fließende Fähigkeit des Gesteins, entstandene Risse.

Bevor die ersten Salzbergwerke vor mehr als hundert Jahren gebaut wurden, wusste man nicht, wie die Innenstruktur von Salzstöcken aussieht. Erst durch den Salzbergbau sowie die Erdöl- und Erdgasindustrie und die damit verbundenen Bohrungsarbeiten konnte man erkennen, wie die verschiedenen Schichten im Salzstock aufgebaut sind: Aufgrund der Fließvorgänge sind sie wellenförmig und stark gefaltet beschaffen - dennoch werden sie in vielen geologischen Karten strukturlos dargestellt.

Mithilfe der Methode der Seismischen Reflektion - bei der in der Erde Vibrationen erzeugt und deren Reflektionen gemessen und analysiert werden - haben Wissenschaftler in der Vergangenheit Ober- und Unterschichten der Salzstöcke erkunden können. Urai und seine Mitarbeiter haben nun eine Methode gefunden, mit deren Hilfe Daten, die durch Seismische Reflektion gewonnen wurden, auch für Erkenntnisse über den Zustand der inneren Struktur in Salzstöcken genutzt werden können. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten werden nun in der renommierten Geowissenschaftlichen Zeitschrift „Journal of Structural Geology“ veröffentlicht.

Zwischen Großbritannien und Polen gibt es zahlreiche Salzstöcke. Ganz wenige davon seien bisher jemals auf ihren inneren Zustand hin untersucht worden, so Urai. „Man hat sich lediglich auf die Ober- und Unterschicht konzentriert. Es war zu kompliziert, die inneren Strukturen zu ermitteln“, erklärt der Geologe und prognostiziert: „Die Erkenntnisse, die wir nun gewinnen können, werden große Konsequenzen haben, denn dadurch können wir die Salzstöcke schon vor der ersten Bohrung erkunden.“

Durch die von der Erdöl- und Erdgasindustrie erhobene Seismische Reflektion liegen viele Daten schon vor: Die Unternehmen Shell und ExxonMobil haben der RWTH-Forschergruppe im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgesellschaft finanzierten Sonderforschungsbereichs sämtliche Seismischen Daten zur Verfügung gestellt.

Die Rohstoffindustrie wird von der neuen Methode profitieren: Es können jetzt Aussagen über günstige Bohrwege zu den Rohstoffen getroffen werden, die nicht durch problematisches Gestein innerhalb der Salzschichten behindert werden. „Auch im Oman, wo wir ebenfalls in der neuen Universität GUtech Salzgestein erforschen, wird diese Methode großes Potenzial haben“, vermutet Urai, der Dekan an der arabischen Universität ist. Außerdem sei die Methode für die Planung von Kavernen und Endlagern in Salzstöcken von großer Bedeutung.

„Wir haben vor, zukünftig die inneren Strukturen zahlreicher Salzstöcke in den Niederlanden und Deutschland zu analysieren. Die Daten liegen uns vor, wir haben gelernt, sie entsprechend zu lesen“. Urai sieht durch seine Forschungsergebnisse eine Stärkung der Angewandten Geowissenschaften an der RWTH Aachen.

Für nähere Informationen und Bildmaterial steht Professor Janos Urai noch bis Mittwoch, 4. August, zur Verfügung. E-Mail: j.urai@ged.rwth-aachen.de, Telefon: 0241/80 95 723.

Gabriele Renner

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht Ursuppe in Dosen
21.06.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie