Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rekord-Fluten im Balkan hängen mit Störung riesiger Luftströme zusammen

18.04.2016

Die verheerenden Fluten im Balkan vor zwei Jahren hängen wahrscheinlich mit der zeitweisen Verlangsamung riesiger Luftströme in der Atmosphäre zusammen, wie Wissenschaftler jetzt herausfanden. Diese Luftströme umkreisen den Erdball in Form gigantischer Wellen, die zwischen Äquator und Nordpol auf und ab schwingen und sich dabei normalerweise ostwärts bewegen. Vor zwei Jahren aber stockte ihre Vorwärtsbewegung für mehrere Tage – zugleich setzte sich ein Wettersystem über Bosnien, Herzegovina, Serbien und Kroatien fest, aus dem sich Rekordmengen von Regen ergossen.

Die Studie der Wissenschaftler bringt neue Belege, dass die so genannte Resonanz planetarer Wellen ein Schlüsselmechanismus für Wetterextreme im Sommer ist. Zudem zeigen die Forscher, dass extreme Regenfälle im Balkan stark zugenommen haben. Dies übertrifft sogar noch die weltweit beobachtete Zunahme.

„Wir waren überrascht, als wir sahen, wie lang das für die Fluten ursächliche Wettersystem über der Region verharrte – der Vb Zyklon ‚Yvette‘ war dort wie gefangen“, sagt Lisa Stadtherr vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Leit-Autorin der in Science Advances erscheinenden Studie. „Tag für Tag hat der Regen die Erde durchnässt, bis sie völlig vollgesogen war und keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen konnte – die Fluten haben Berichten zufolge zu mehreren Dutzend Todesfällen und 3,5 Milliarden Euro an Schäden geführt.“

Während die durchschnittlichen Tagesniederschläge im Balkan seit 1950 nur wenig zugenommen haben, wuchs die Intensität der stärksten Regenfälle um ein Drittel, so ermittelten die Forscher. Im Mai 2014 waren die Niederschläge örtlich heftiger als jemals zuvor in dem untersuchten Zeitraum. Die Häufigkeit solch seltener und potenziell verheerender Extreme hat sich im Balkan in den vergangenen 60 Jahren verdoppelt.

+++„Bei der Elbeflut 1997 hatten wir in Deutschland eine ähnliche Situation“+++

„Das ist beunruhigend, um so mehr weil wir eine Zunahme extremer Regenfälle an vielen Orten der Erde beobachten“, sagt Ko-Autor und PIK-Projektleiter Dim Coumou. „Die Veränderungen über dem Balkan sind erheblich größer als das, was aufgrund der einfachen Erwärmung der Luft zu erwarten wäre.“ In der Region wurde es seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts rund ein Grad wärmer; wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen und lässt pro Grad Erwärmung die maximal mögliche Regenmenge um 7 Prozent zunehmen. „Die beobachteten Veränderungen der Regenfälle im Balkan sind aber etwa fünfmal so stark – es müssen also andere Faktoren ins Spiel gekommen sein.“

Die Wissenschaftler entdeckten, dass das Wettersystem über dem Balkan wie gefangen fest hing genau zu der Zeit, als auch die so genannten planetaren Wellen der als Jetstream bekannten großen Luftströmung auf der Stelle stehen blieben. „Dies beweist keine Ursächlichkeit, aber das Zusammentreffen ist zumindest verdächtig – besonders, weil wir eine ganz ähnliche Situation auch 1997 mit dem Zyklon ‚Zoe‘ hatten, was zu der zerstörerischen Elbe-Überschwemmung führte“, sagt Coumou. „Wir liefern Belege, dass der Beinah-Stillstand der Wellen in Verbindung steht mit einem subtilen Phänomen, das wir Resonanz nennen.“

+++Ein Mechanismus für Extremwetter im Sommer+++

Der Mechanismus ist erst vor wenigen Jahren vom PIK-Forscher Vladimir Petoukhov aufgezeigt worden, der damit einen neuen Forschungsstrang eröffnet hat; er ist Ko-Autor der aktuellen Studie. Die Wissenschaftler haben ein Video produziert, um der Öffentlichkeit den Resonanzmechanismus verständlich zu machen, der ein entscheidender Faktor für extreme Wetterereignisse im Sommer sein könnte (siehe Weblinks unten).

„Unsere Ergebnisse liefern weitere Belege dafür, dass die planetaren Wellen Wetterextreme auslösen können“, sagt Ko-Autor Stefan Rahmstorf, Leiter des PIK-Forschungsbereichs Erdsystemanalyse. „Wenn diese Wellen sich durch Resonanz aufschaukeln, kann dies ernste Folgen für die Menschen haben. Ich mache mir Sorgen, dass der laufende Klimawandel günstigere Bedingungen für diese Art von Resonanzereignissen schafft.“

Artikel: Coumou, D., Stadtherr, L., Petoukhov, V., Petri, S., Rahmstorf, S. (2016): Record Balkan floods of 2014 linked to planetary wave resonance. Science Advances [doi:10.1126/sciadv.1501428]

Weblink zum Artikel sobald er veröffentlicht ist: http://advances.sciencemag.org/

Weblink zum VIDEO zu planetaren Wellen (in englischer Sprache, nur über diesen Link zugänglich, bislang nicht öffentlich sichtbar): https://youtu.be/MzW5Isbv2A0

Weblinks zu früheren Studien zum Thema:
- Mehr Wetterextreme durch Aufschaukeln riesiger Wellen in der Atmosphäre
https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2014/mehr-wettere...
- Kalt, heiß oder trocken: Anhaltende Wetterextreme durch abnehmende Sturmaktivität
https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/kalt-heiss-oder-trocken-...
- Verringerte Sturmaktivität im Sommer verstärkt Hitzewellen
https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/verringerte-sturmaktivit...
- Klimawandel: Immer mehr Rekord-Regenfälle
https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/klimawandel-immer-mehr-r...

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima

www.pik-potsdam.de 

Jonas Viering | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics