Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Reise in den Ozean der Zukunft - Langzeitexperiment zur Ozeanversauerung erfolgreich beendet

22.07.2013
Wie reagiert die marine Lebensgemeinschaft auf die Ozeanversauerung? Können sich Ökosysteme im Meer an veränderte Umweltbedingungen anpassen?

In einem bislang einmaligen Langzeitexperiment untersuchten 69 Wissenschaftler unter der Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, wie sich die Planktongemeinschaft und Fischlarven im saureren Wasser entwickeln.


Bergen der Mesokosmen mit FS ALKOR
Maike Nicolai, GEOMAR


Entnahme von Wasserproben
Maike Nicolai, GEOMAR

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Studie bringt das deutsche Forschungsschiff ALKOR jetzt die zehn KOSMOS Mesokosmen und umfangreiches Probenmaterial zurück nach Kiel. Die Arbeiten fanden im Rahmen des deutschen Forschungsprojekts zur Ozeanversauerung BIOACID (Biological Impacts of Ocean ACIDification) statt.

Wenn ALKOR am 23. Juli in Kiel festmacht, endet ein beispielloser Forschungs-Marathon. Genau sechs Monate, nachdem das deutsche Forschungsschiff mit der Ausrüstung für das Langzeitexperiment im Gullmarfjord in Westschweden einlief, und genau einen Monat nach der letzten Probennahme treffen die zehn KOSMOS Mesokosmen und umfangreiches Material für weitere Laboranalysen am GEOMAR ein. Die 69 Teilnehmer der Studie erwarten den Datenschatz bereits mit Spannung. „Wir haben die Entwicklung in den Mesokosmen nicht nur über einen längeren Zeitraum beobachtet als je zuvor, sondern auch eine nie dagewesene inhaltliche Breite an Daten erzeugt,“ fasst Prof. Ulf Riebesell zusammen. Der Professor für Biologische Ozeanografie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert das Projekt BIOACID und die KOSMOS Mesokosmen-Experimente. „Der Einsatz hat sich wirklich gelohnt, und ich bin extrem neugierig auf die Auswertung.“

Rückblende: Mitte Januar hatte sich das Team des GEOMAR mit ALKOR auf den Weg nach Schweden gemacht und bei Temperaturen um minus 10 Grad die Mesokosmen im Gullmarfjord verankert. Das Wasser in fünf der zehn Riesen-Reagenzgläser wurde mit Kohlendioxid angereichert, bis es einen Säuregrad erreichte, den Experten für das Jahr 2100 prognostizieren. Bei jedem Wetter sammelten die Wissenschaftler jeden zweiten Tag Proben. Sie nahmen physikalische, chemische und biologische Messungen vor und setzen Spezialkameras ein. So entstand ein umfassendes Bild des Lebens in den Mesokosmen. Während der ersten Wochen mussten sie die Schwimmkörper zudem regelmäßig von treibenden Eisschollen und gefrierendem Spritzwasser befreien.

„Der frühe Start war wirklich eine Herausforderung. Aber wir wollten von der ersten Produktivität im Spätwinter bis in den Sommer hinein verfolgen, wie sich das Plankton-Ökosystem auf natürliche Weise verändert, wie sich die unterschiedlichen Artengemeinschaften ablösen und sich Effekte durch Ozeanversauerung von Generation zu Generation übertragen“, erklärt Riebesell. Überraschenderweise folgten die Lebensgemeinschaften in den zehn Mesokosmen einem ähnlichen Muster. „Auch Monate, nachdem wir das Wasser vom Fjord isoliert haben, sehen wir parallele Entwicklungskurven. Das bedeutet, dass ein Experiment über einen so langen Zeitraum technisch funktioniert und wir belastbare Daten erhalten haben – ein echter Erfolg.“

Ein weiteres Novum des Experiments: Fischereibiologen setzen den Mesokosmen Heringseier zu, um den Einfluss der Ozeanversauerung auf die Ei- und Larvenentwicklung der Heringe zu studieren. Am Ende der Studie konnten sie rund 500 Larven aus den Mesokosmen abfischen und weiter untersuchen.

Bereits während der ersten Analysen am Sven Lovén Zentrum für Marine Wissenschaften in Kristineberg, Basis des internationalen Forscherteams, wurde deutlich: Während einige Planktongruppen von der Ozeanversauerung profitieren, allen voran das winzige Picophytoplankton, haben andere das Nachsehen. Insbesondere kalkbildende Organismen, darunter auch die Larven von Seeigeln, entwickeln sich langsamer und weisen höhere Sterberaten auf. Durch den Verlust einiger Arten und das Aufblühen anderer ändert sich die Zusammensetzung an der Basis der Nahrungskette, mit möglichen Folgen für das gesamte Nahrungsnetz bis hin zu den Fischen. „Die ersten Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass sich die komplexen Wechselwirkungen im Ökosystem nicht aus Laboruntersuchungen mit einzelnen Arten ableiten lassen“, so Riebesells erste Bilanz. Für eine bessere Abschätzung der Langzeiteffekte von Ozeanwandel auf die marinen Ökosysteme, Nahrungsnetze und Stoffkreisläufe verspricht der hier erstmals erfolgreich praktizierte Ansatz daher wichtige neue Erkenntnisse.

Beteiligte Institute:
- GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
- Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven (AWI)
- Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
- Göteborg Universität, Schweden
- Heinrich Heine Universität Düsseldorf
- Leibniz Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
- Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
- National Oceanographic Centre, Southampton, England
- Novia University of Applied Sciences, Finnland
- Royal Netherlands Institute for Sea Research, Niederlande
- Universität Umeå, Schweden
- University of Edinburgh, Schottland
Hinweis für Redaktionen:
Das Forschungsschiff ALKOR kehrt voraussichtlich am Dienstag, 23. Juli 2013, gegen 8 Uhr mit den Mesokosmen nach Kiel zurück. Den genauen Termin für die Ankunft am GEOMAR-Standort Ostufer (Seefischmarkt) erfragen Sie bitte am Vortag bei der Pressestelle.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulf Riebesell (GEOMAR, FB2-BI), Tel.: 0431 600-4444, uriebesell@geomar.de

Maike Nicolai (GEOMAR Kommunikation & Medien) Tel.: 0431 600-2807, mnicolai@geomar.de

Weitere Informationen:

http://www.bioacid.de
- Biological Impacts of Ocean ACIDification (BIOACID)
http://www.geomar.de/n1396
Weiteres Bildmaterial. Umfangreiches Video-Footage auf Anfrage.

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Einblicke in das 2004 Sumatra-Erdbeben
14.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Folgen des Klimawandels: Oder warum wird das Wasser unter Borkum überwacht?
14.11.2017 | Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte