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Wie reagieren Tibets Gletscher auf den Klimawandel?

05.05.2009
RWTH-Professor Schneider leitete Expedition der Deutschen Forschungsgemeinschaft

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Die Wasserressourcen weiter Teile Süd- und Südostasiens hängen entscheidend vom sommerlichen Monsun sowie der Schnee- und Eisschmelze am Himalaya und auf dem tibetischen Plateau ab.


Wie sich der Wasserhaushalt der großen Flüsse in der Region im Zuge des weltweiten Klimawandels verändern könnte, ist für viele Millionen Menschen in Tibet, China, Nepal, Indien sowie den angrenzenden Ländern von großer Bedeutung.

Am Schwerpunktprogramm "Tibetan Plateau: Formation, Climate, Ecosystems" der Deutschen Forschungsgemeinschaft beteiligten sich deshalb unter der Expeditionsleitung von Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Christoph Schneider vom Geographischen Institut der RWTH Aachen seine Doktorandin Eva Huintjes, Prof. Dr. Manfred Buchroithner vom Institut für Kartographie der TU Dresden, Dipl.-Ing. Fabien Maussion vom Institut für Ökologie der TU Berlin sowie die beiden chinesischen Wissenschaftler Dr. Yang Wei und Wang Weicai vom Institute of Tibetan Plateau Research der Chinese Academy of Science. Zusammen installierten sie zwei automatische Energiebilanzstationen auf dem Zhadang-Gletscher in der nördlich gelegenen Gebirgskette der Stadt Lhasa.

Für den Transport des Expeditionsgepäcks von den Yakweiden am Nam Co See auf 4.700 Meter zum Gletscherrand wurden zwölf Pferde und fünf tibetische Begleiter benötigt. Für den weiteren Transport der jeweils ungefähr 80 Kilogramm schweren Messeinrichtungen auf Höhen von 5.640 und 5.730 Meter über dem Meer mussten die Wissenschaftler zusammen mit zwei tibetischen Helfern allerdings mit eigener Muskelkraft sorgen. Da der Sauerstoffgehalt in diesen Höhen nur noch ungefähr die Hälfte dessen auf dem Meeresniveau beträgt, ist dies trotz mehrtägiger etappenweiser Höhenakklimatisation ein kräftezehrendes Unterfangen. "Das war so ziemlich die anstrengendste Geländearbeit, die ich je durchgeführt habe", so Schneider nach der Rückkehr vom Gletscher nach Lhasa.

Mit der erfolgreichen Installierung der Anlagen kann der Zhadang-Gletscher jetzt als der am aufwändigsten ausgestattete "Laborgletscher" Zentralasiens bezeichnet werden, da durch die wissenschaftlichen Partner am Institute of Tibetan Plateau Research der Chinese Academy of Science weitere glaziologische, hydrologische und meteorologische Messeinrichtungen in dem gesamten Wassereinzugsgebiet betrieben werden. "Die enorme Dichte an Messdaten, die wir vom Zhadang-Gletscher und seinem Einzugsgebiet erhalten, ist für Zentralasien und vor allem für die extreme Höhenlage weltweit einmalig", betont Schneider.

Die automatischen Messeinrichtungen werden zukünftig jedes halbe Jahr von deutsch-chinesischen Teams gewartet, die über mindestens zwei sommerliche Schmelzphasen klimatologische sowie schnee- und eishydrologische Daten erfassen. Diese Daten erlauben es, detaillierte und vor allem räumlich hochauflösende Modelle für die Schnee- und Eisschmelze in der Region zu entwickeln und zu kalibrieren. Hierzu werden vom Institut für Kartographie der TU Dresden auf der Basis von Satellitenbildern detaillierte digitale Geländemodelle und Daten zur Gletschergröße bereitgestellt, die ebenfalls mit Geländedaten der aktuellen Geländemesskampagne kalibriert werden. Mit den kalibrierten Schmelzmodellen werden die deutschen Wissenschaftler der RWTH Aachen und der TU Berlin dann die Gletscheränderungen vergangener Jahrzehnte in hoher räumlicher Auflösung modellieren und dieses Ergebnis anhand der älteren Satellitenbildern vergleichen können. Anschließend werden auf der Basis von globalen Klimamodellen die zukünftigen Änderungen des Eishaushaltes der Gletscher dieser bislang wenig erforschten Gebirgskette im Herzen Tibets abgeschätzt und damit ein wichtiger Beitrag für die weitere nachhaltige Entwicklung in dieser Region geleistet.

Weitere Informationen erteilt Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Christoph Schneider vom Geographischen Institut der RWTH Aachen unter 0241/80-96048 oder christoph.schneider@geo.rwth-aachen.de.

i. A. Celina Begolli

Thomas von Salzen | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.rwth-aachen.de

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