Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rasantes Ende der grünen Sahara

19.01.2015

In den vergangenen 9000 Jahren hat sich die Sahara von einer grünen Savanne zu einer der trockensten Wüsten der Erde entwickelt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) haben jetzt herausgefunden, dass die Vegetation während dieses Übergangs viel schneller aus der Sahara verschwand als bisher angenommen.


Die Sahara gehört heute zu den trockensten Regionen der Erde. Vor rund 9000 Jahren war sie eine grüne Savanne. Spannende Details zum Übergang konnten jetzt anhand von Proben rekonstruiert werden, die vor der Mündung des Nils im Mittelmeer gewonnen wurden (gelber Punkt). Image reproduced from the GEBCO world map 2014, www.gebco.net


Etwa 8.000 Jahre alte, lebensgroße Felsgravur zweier Giraffen aus Dabous, Niger, die zeigen, dass die Sahara zu dieser Zeit eine grüne, fruchtbare Savanne war. Foto: Albert Backer via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die radikalen Umweltveränderungen gaben möglicherweise den Anstoß, dass die Menschen in Nordafrika sesshaft wurden. Die Studie ist jetzt im internationalen Open-Access Journal PLOS ONE erschienen.

Um zukünftige Entwicklungen des Klimas und der Umwelt prognostizieren zu können, muss die Wissenschaft entsprechende Prozesse in der Vergangenheit kennen. Das trifft auch auf das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt zu. Hierzu sind die Sahara und das Niltal besonders interessante Regionen.

Dort haben sich in den vergangenen 10.000 Jahren, im sogenannten Holozän, einschneidende Klimaveränderungen abgespielt. Zu Beginn dieser Epoche waren die Niederschlagsmengen deutlich höher als heute. Die Sahara präsentierte sich als grüne Savanne, die von großen Wildtierherden bevölkert war. Heute gehört sie zu den trockensten Regionen der Erde.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) haben jetzt herausgefunden, dass sich die Vegetation bei diesem Übergang von einer grünen zu einer trockenen Sahara viel schneller zurückgezogen hat als bisher angenommen.

„Es hat wohl nur wenige Jahrhunderte oder sogar nur Jahrzehnte gedauert, bis aus einer fruchtbaren Savannenlandschaft eine Wüste geworden war“, sagt Dr. Cecile Blanchet, Hauptautorin der Studie, die jetzt im internationalen Open Access Journal PLOS ONE erschienen ist.

Die grundlegende Ursache für den Klimawandel in Nordafrika zu Beginn des Holozäns war, dass sich der Afrikanische Monsun und der damit verbundene Regengürtel beständig nach Süden verlagerten. „Doch auch wenn dieser Prozess relativ gleichmäßig ablief, wissen wir von großen regionalen und zeitlichen Schwankungen der Auswirkungen in Nordafrika. Die Details des Übergangs verstehen wir bis heute nicht gut“, sagt Prof. Dr. Martin Frank, Paläo-Ozeanograph am GEOMAR und Co-Autor der Studie.

Um die Abläufe besser aufschlüsseln zu können, haben Dr. Blanchet und Professor Frank zusammen mit Professor Stefan Schouten vom NIOZ einen sechs Meter langen Sedimentkern analysiert, der mithilfe des Kieler Forschungsschiffs POSEIDON vor dem Nildelta im Mittelmeer in 700 Metern Wassertiefe gewonnen wurde.

Mit einer Kombination verschiedener geochemischer Methoden konnten sie in dem Kern unter anderem Spuren der ehemaligen Vegetation und erodierter Böden finden, die vom Nil im Laufe der Jahrtausende ins Mittelmeer geschwemmt worden waren. So konnten sie hochauflösend den Pflanzenwuchs, die Niederschläge, die abfließenden Wassermengen sowie die Erosion im Einzugsbereich des Nils während der vergangenen 9.500 Jahre rekonstruieren.

Die Auswertung dieser Analysen zeigen einen drastischen Rückgang der Vegetation vor rund 8000 Jahren, während die Wassermengen des Nils und damit die Niederschläge in dessen Einzugsgebiet wie erwartet nur einen langsamen, kontinuierlichen Rückgang zeigen. „Hier hatte offensichtlich ein langfristiger klimatischer Prozess sehr kurzfristige, deutliche Auswirkungen, nachdem eine bestimmter Schwellenwert überschritten war“, sagt Dr. Blanchet.

Die Ergebnisse sind deshalb spannend für die Wissenschaftler, weil sich im weiteren Einzugsgebiet des Nils im gleichen Zeitraum auch wichtige Schritte der menschIichen Entwicklung vollzogen haben. „Deshalb ist es wichtig, den präzisen Ablauf des Übergangs von einer relativ feuchten zu einer extrem trockenen Umgebung zu kennen, um das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt einordnen zu können“, betont Co-Autor Professor Schouten.

Die schnelle Veränderung der Vegetation hat die Menschen möglicherweise gezwungen, ihre Lebensweise als Jäger und Sammler aufzugeben, weil die natürliche Nahrungsgrundlage nicht mehr breit genug war. „Stattdessen war es vermutlich ein Vorteil, Vieh zu domestizieren beziehungsweise Ackerbau zu betreiben“, sagt Dr. Blanchet. Letztendlich hat die schnelle Wüstenbildung wohl dazu beigetragen, dass die Menschen ins fruchtbare Niltal auswichen, wo schließlich die Hochkultur des ägyptischen Pharaonenreichs entstand.

„Natürlich müssen diese Beziehungen zwischen menschlicher Entwicklung und Klimaveränderungen noch weiter untersucht werden. Aber mit unseren Ergebnissen haben wir auf jeden Fall starke Indizien dafür, dass selbst ein langsam ablaufender Klimawandel schnelle und dramatische Umweltveränderungen auslösen kann. Das ist nicht nur mit Blick auf die Geschichte der Menschheit interessant, sondern auch für die Zukunft eine wichtige Erkenntnis“, so Dr. Blanchet.

Originalarbeit:
Blanchet, C. L., M. Frank, S. Schouten (2014): Asynchronous Changes in Vegetation, Runoff and Erosion in the Nile River Watershed during the Holocene. PLOS ONE, http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0115958

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de/n2253 Pressemitteilung auf den Seiten des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel mit Bildmaterial zum Download

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics