Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Puzzlespiel am Meeresboden - Meeresforscher untersuchen komplexe Strukturen im Südwest-Pazifik

26.10.2009
Meeresforscher vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel brechen am Anfang dieser Woche mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE zu einer sechswöchigen Expedition ins Woodlark Becken östlich von Papua Neuguinea auf.

Ziel der Reise sind detaillierte Untersuchungen des Meeresbodens in einer geologisch sehr komplexen und aktiven Region der Erde. Dabei kommen Großgeräte, wie das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) "ABYSS" und ein videogeführter Großgreifer, zum Einsatz.

Das Auseinanderbrechen von Kontinenten und die damit verbundene Entstehung von Ozeanbecken hat das Gesicht unseres Planeten seit Milliarden von Jahren ständig verändert. Zu jeder Zeit entsteht neue Erdkruste während alte "recycelt" wird.

Dieser Prozess geht nur langsam vonstatten, ist aber aufgrund der begleitenden Randerscheinungen wie Vulkanismus, Erdbeben und dadurch ausgelöste Tsunamis auch für den Menschen wahrnehmbar und gefährlich. Ferner entstehen bei der submarinen Bildung neuer Erdkruste durch die Interaktion der Gesteine mit Meerwasser (edel-) metallreiche Erzlagerstätten.

Ein Blick auf die Karte des Meeresbodens des Gebietes östlich von Papua Neuguinea zeigt die komplexe Struktur - Tiefseegräben in enger Nachbarschaft zu untermeerischen Gebirgen. In dieser Region prallen auf engstem Raum mehrere Erdplatten aufeinander, während benachbart neuer Meeresboden entsteht. Das Resultat sind viele Erdbeben, vulkanische Aktivität an Land wie unter Wasser sowie damit verbundene Naturgefahren wie zum Beispiel Tsunamis. Vom deutschen Forschungsschiff SONNE aus, werden Kieler Meereswissenschaftler in den kommenden sechs Wochen insbesondere diese komplexen Strukturen im Woodlark Becken östlich von Papua Neuguinea detailliert untersuchen. Mit dabei sind auch das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) "ABYSS" und ein neuer videogeführter Großgreifer.

"Das Woodlark Becken ist ideal, weil wir hier verschiedene geologische Prozesse auf engstem Raum beobachten können", erzählt Fahrtleiter Prof. Dr. Colin Devey vom IFM-GEOMAR. "Aufgrund der geringen Sedimentbedeckung können wir hier das aktive Rifting eines Kontinents und die beginnende Ozeanbodenbildung beobachten und beproben", so Devey weiter. Die Untersuchungen werden in Wassertiefen von bis zu 3000 Metern sowohl entlang als auch quer zur Spreizungsachse des dort liegenden Rückens durchgeführt. Dabei kommt modernste Unterwassertechnologie zum Einsatz. Das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) "ABYSS" des IFM-GEOMAR wird zur hochauflösenden Kartierung des Meeresbodens und der Wassersäule eingesetzt. "Die uns vorliegenden Karten des Meeresbodens sind für eine gezielte Probennahme viel zu grob", so Dr. Klas Lackschewitz, Leiter des Kieler AUV Teams. "Die von uns gesuchten Strukturen, wie zum Beispiel Hydrothermalsysteme sind da nicht drauf", so Lackschewitz weiter.

"Versuchen Sie mal ein völliger Dunkelheit ein am Boden liegendes Centstück auf ihrem Wohnzimmerteppich zu finden, von dem Sie nicht wissen wo es liegt", ergänzt Prof. Devey. Das AUV ist in der Lage Strukturen in einer Größenordnung von weniger als einem Meter auflösen, so Devey. Damit könne man dann viel präziser weiter arbeiten. Mit einem neuen videogesteuerten Großgreifer, der bei dieser Expedition erstmals zum Einsatz kommt, sollen dann gezielt Gesteinsproben gewonnen werden. "Mit diesem Greifer kann Material mit einem Gewicht von maximal 1.8 Tonnen aus bis zu 6000 Meter Tiefe geborgen werden", erläutert Dr. Gerd Schriever von der Firma Oktopus, die den Greifer konstruiert hat. "Wir sind sehr gespannt, was wir dabei zu Tage fördern werden", sagte uns Prof. Devey vor seiner Abreise.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Colin Devey, Tel: 0431-600 2257,
cdevey@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock, Öffentlichkeitsarbeit,
Tel: 0431-600 2802, avillwock@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=woodlark
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=auv

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Zeppelin, Drohnen und Forschungsschiffe untersuchen Wattenmeer und Elbe
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie