Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Am Puls der Feuchtgebiete

21.06.2012
Viele Feuchtgebiete auf der Erde lassen sich geographisch nur schwer beschreiben und langfristig beobachten. Der Grund: Sie führen mal mehr, mal weniger Wasser. Wissenschaftler der Uni Würzburg stellen jetzt eine neue Methode vor, mit der sich die Dynamik von Feuchtgebieten erstmals messen lässt.
Feuchtgebiete wie das Okavango-Delta im südlichen Afrika besitzen wichtige ökologische und wirtschaftliche Funktionen. Sie bieten vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, haben aber auch Vorteile für den Menschen. Denn oft sind sie das einzige größere Wasserreservoir in ansonsten trockenen Landschaften. Außerdem ziehen sie Touristen an und tragen auch damit zum Lebensunterhalt der Einwohner bei.

Wandel der Feuchtgebiete erfassen

Wie wirkt sich der Klimawandel auf solche Feuchtgebiete in Afrika aus? Dieser Kontinent soll durch die globalen Veränderungen heißer und trockener werden, so die Prognosen. Das könnte die Feuchtgebiete in ihrer Funktion als Wasserspeicher noch wichtiger machen. Es könnte sie aber auch komplett trockenlegen.

„Man müsste den ‚Puls‘ der Feuchtgebiete kontinuierlich messen können, um den Wandel zu beobachten und eventuell Gegenmaßnahmen zu treffen“, sagt Dr. Tobias Landmann von der Universität Würzburg. Eine solche Pulsmessung hat der Geograph mit seinen Kollegen Christian Hüttich, Matthias Schramm und Stefan Dech nun erstmals möglich gemacht. Das Fachblatt „Remote Sensing Letters“ stellt die Methode der Wissenschaftler in seiner aktuellen Ausgabe vor.

Am Puls des Linyanti-Feuchtgebiets

Als Studienobjekt wählten die Forscher das Linyanti-Feuchtgebiet. Es ist etwa 40 auf 60 Kilometer groß und liegt im Osten von Namibia an der Grenze zu Botswana, mitten in der trockenen Savanne. Gespeist wird es vom Fluss Kwando. Der mündet im Linyanti-Gebiet in eine große Geländewanne, so dass dort eine beachtliche Fluss- und Seenlandschaft entsteht.

Wie kann man den „Puls“ des Linyanti-Gebiets kontinuierlich messen? Landmann und seinen Kollegen ist das mit Bilddaten des NASA-Satelliten MODIS gelungen. Der hat in den Jahren 2001 bis 2010 von dem afrikanischen Feuchtgebiet fast täglich gut aufgelöste Bilder geliefert. Aus ihnen lassen sich das Ausmaß der Überflutung und die Vitalität der Vegetation ersehen – genau das sind die Faktoren, für die sich die Forscher interessieren. Denn sie wollen wissen: Wie feucht und wie grün war Linyanti in dieser Zeit, welche Schwankungen gab es im Jahresverlauf, welche im Vergleich zwischen den einzelnen Jahren?

Intensität und Richtung der Veränderungen berechnet

Aus den Satellitendaten haben die Würzburger Wissenschaftler mit der so genannten Vektorenmethode die Intensität und die Richtung der Veränderungen berechnet. In manchen Jahren wurde das Linyanti-Gebiet demzufolge trockener, in anderen wieder feuchter. Insgesamt gesehen ist das Gebiet von 2001 bis 2010 jedoch deutlich feuchter geworden.

„Das erlaubt aber keine fundierte Aussage über den Klimawandel, weil der Zeitraum von nur zehn Jahren dafür viel zu klein ist“, so Landmann. Hierfür seien wesentlich längere Zeitreihen nötig. Solche langfristigen Messungen lassen sich nun erstmals für die Feuchtgebiete der Erde in Angriff nehmen: dank der üppig vorhandenen Satellitendaten und dank der neuen Methode aus Würzburg.

“MODIS based change vector analysis for assessing wetland dynamics in Southern Africa”, T. Landmann, M. Schramm, C. Huettich, and S. Dech, Remote Sensing Letters, online publiziert am 20. Juni 2012, DOI: 10.1080/2150704X.2012.699201

Kontakt

Dr. Tobias Landmann, Lehrstuhl für Fernerkundung, Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg, T (0931) 31-81869, tobias.landmann@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Grazer Forscher stellen Methode zur dreidimensionalen Charakterisierung vulkanischer Wolken vor
14.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Rest-Spannung trotz Megabeben
13.12.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten

„Carmenes“ findet ersten Planeten

18.12.2017 | Physik Astronomie

Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

18.12.2017 | Physik Astronomie