Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pollen zeigen Klima vor 16 Mio. Jahren

16.10.2009
Pflanzen sind Hinweis auf Jahreszeiten im einst subtropischen Europa

Selbst als Mitteleuropa vor 16,5 Mio. Jahren subtropisch war gab es einen Ablauf von Jahreszeiten. Das kann durch die Untersuchung fossiler Pollenkörner gezeigt werden, berichtet Andrea Kern von der Geologisch-Palaeontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien bei der Jahrestagung der österreichischen Paläontologischen Gesellschaft. "Pollen bieten für die Paläontologie viele Anwendungsmöglichkeiten, da sie verlässlich über die Pflanzenwelt zu früheren Zeiten informieren", so die Forscherin im pressetext-Interview.

Während der Zellinhalt eines Pollenkorns kurzlebig ist, gehört seine Außenwand zu den stabilsten Materialien der Natur. "Besonders in feinen Sedimenten wie dunkle Tonböden, in die wenig Sauerstoff dringen kann, sind Pollen praktisch unzerstörbar. Sogar von den ersten Landpflanzen vor 420 Mio. Jahren gibt es erhaltene Sporen", so Kern. Um Pollen zu finden, lassen Paläontologen Bodenproben zunächst in Säure baden, wodurch sich mineralische Stoffe auflösen und organische Reste zurückbleiben. Dann erst kann die Bestimmung und Zählung im Mikroskop folgen.

Das Wissen um die Pflanzenwelt in vergangenen Epochen erlaubt Rückschlüsse, wie die Natur und Klima damals aussahen. "Die Pflanzen, von denen die vorgefundenen Pollenkörner stammen, vergleicht man mit heute noch lebenden nächsten pflanzlichen Verwandten. In bestimmten Rückzugsgebieten wie im Südosten der USA, in China oder am Kaukasus gibt es Pflanzen, die vor mehreren Millionen von Jahren auch in Europa heimisch waren, inzwischen hier aber ausgestorben sind", so Kern. Durch die Lebensform dieser heutigen Verwandten könne man auf damaligen Niederschlag, Temperatur und sogar auf die Existenz eines Jahreszeiten-Rhythmus schließen.

Wechsel von süß zu salzig

Der Wechsel der Pollen-Zusammensetzung in verschiedenen Bodenschichten macht frühere Klimaänderungen sichtbar. Bei Proben aus dem Korneuburger Becken nahe Wien konnte Kern in einer vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützten Untersuchung zeigen, welche Veränderungen innerhalb von 21.000 Jahren - was paläontologisch eine sehr kurze Zeit ist - stattfanden. "In diesem Gebiet dominierte zunächst das aus Flüssen stammende Süßwasser und bildete Sumpflandschaften mit Sumpfzypressen. Wenig später war die Gegend von einem plötzlich angestiegenen Meer bedeckt, in dem Seesterne und Meeresschnecken lebten", berichtet die Wiener Paläontologin.

Die Ergebnisse liefern auch einen Beitrag für die Feinabstimmung von Klimamodellen, mit denen Prognosen für die zukünftige Klimaentwicklung berechnet werden. Während andere Klimaindikatoren wie Korallen und ozeanische Mikroorganismen nur langzeitige Schwankungen wiedergeben, zeigen Pollen auch schnelle Veränderungen an. "Verlässliche Aussagen über Folgen von Temperaturschwankungen können solche Daten allerdings erst liefern, wenn sie zeitlich genau bestimmt werden", so Kern. Beim Pollen geschehe dies durch fossile Kleinsäuger, Muschelkrebse oder Schnecken aus der gleichen Sedimentschicht, die nur kurzfristig verbreitet waren, sowie durch Methoden der Geochemie.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.paleoweb.net/pal-ges
http://www.nhm-wien.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik