Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pazifisches Plankton im Atlantik gesichtet

27.06.2011
Klimawandel und Polschmelze gefährden Nahrungskette im Meer

Die Schmelze der Pole lässt Wassermassen ungehindert vom Pazifik in den Atlantik dringen. Damit hat auch eine neue Wanderschaft im Tier- und Pflanzenreich eingesetzt, zeigen europäische Forscher.

"Die Arktis erwärmt sich weit rascher als der restliche Planet. Die im Sommer eisfreie Nordwest-Passage zwischen Kanada und Grönland löst neue Migrationen aus und bedroht das ökologische Gleichgewicht", erklärt Carlo Heip, Direktor des Royal Netherlands Institute for Sea Research, gegenüber pressetext.

Zwerge und Riesen unterwegs

Die größten Veränderungen gibt es bei einem der kleinsten Organismen, dem Plankton. Eine bestimmte Art namens "Neodenticula seminae" breitet sich heute nach 800.000 Jahren Exil im Pazifik wieder im Nordatlantik aus. "Da sich diese pazifische Mikroalge nicht selbst bewegt, sondern nur transportiert wird, deutet ihr Vorkommen im Nordatlantik auf einen Austausch großer Wassermassen über die Arktis", so Heip über eines der Ergebnisse des Projekts CLAMER http://www.clamer.eu .

17 Forschungsinstitute untersuchten dazu 13 Jahre lang den Wandel im Atlantik, Mittelmeer, in der Ostsee und im Schwarzen Meer.

Ähnliches gilt für kleine pazifische Krebse, die sich im Atlantik ausbreiten und mit Hering, Makrele und Kabeljau um dieselbe Nahrung konkurrieren. Sind die kleinen Neuankömmlinge auch selbst Nahrungslieferanten, warnen die Forscher vor der Zerstörung des Gleichgewichts und bezeichnen den Wandel als "Erdbeben im Ökosystem". Weniger gefährlich, doch nicht minder abenteuerlich sind Phänomene am anderen Extrem der Größenskala. Im Vorjahr wurde vor Spanien ein pazifischer Grauwal gesichtet, dessen Ausflüge sogar bis Israel reichten. Im Atlantik ist diese Art vor 300 Jahren infolge der Überfischung ausgestorben.

Zukunft noch ungewiss

Der Klimawandel lässt nicht nur pazifische Arten in europäische Meere, sondern auch tropische Tiere und Pflanzen nordwärts wandern, zeigen die CLAMER-Ergebnisse. Bestimmte Quallen aus wärmeren Regionen wie die Pelagia noctiluca im Nordatlantik nehmen zu und bilden massive Blüten, aufgrund derer Strände immer öfters geschlossen werden müssen und Fischbestände bedroht sind. Ähnliches gilt für die Portugiesische Galeere, eine subtropische, hochgiftige Polypenart. Auch Fische ziehen mit der Erwärmung nordwärts, was bei im Norden geschlossenen Meeren wie im Mittelmeer allerdings nicht möglich ist.

"Die Forschung kann bisher nur den Wandel zeigen, während der Blick in die Zukunft schwierig ist", betont Heip. Zu komplex spielen die Einflussfaktoren zusammen, wie das Beispiel Ostsee verdeutlicht. Wärmere Temperaturen dürften hier zu größerer Artenvielfalt führen, der abnehmende Salzgehalt macht jedoch zugleich den Fischrückgang wahrscheinlich. Durch den Meeresanstieg werden Küstengebiete überflutet und neue Lebensräume für Fische entstehen. Gleichzeitig verschlechtern sich durch die Abnahme an Sauerstoff die Bedingungen für am Meeresgrund lebende Arten wie etwa Plattfisch oder Kabeljau.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.nioz.nl
http://www.clamer.eu

Weitere Berichte zu: Atlantik Kabeljau Klimawandel Mittelmeer Nordatlantik Ostsee Plankton Wassermasse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg
26.05.2017 | Universität Siegen

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften