Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Partielle Sonnenfinsternis in Mitteleuropa und ein Sonnensturm

19.03.2015

Am Vormittag des 20.03.2015 wird die Sonne für Beobachter in Mitteleuropa teilweise vom Mond verdeckt sein.

Eine vollständige Sonnenfinsternis werden – weiter nördlich - an diesem Tag die Bewohner der Färöer-Inseln und Svalbard (Spitzbergen) erleben.


Sonnenfinsternis von 1999

Foto: L. Grunwaldt, GFZ

Im Nordosten Deutschlands erreicht die Bedeckung der Sonne aber auch etwa 75%. Im Raum Berlin/Potsdam beginnt das beobachtungswerte Ereignis um 9:38 Uhr, das Maximum wird um 10:47 Uhr erreicht.

Um 11:58 Uhr wird die Sonnenfinsternis beendet sein. Die nächste partielle Sonnenfinsternis über Mitteleuropa wird erst im Sommer 2021 stattfinden.

Ein Forscherteam um Prof. Claudia Stolle vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, das sich mit dem Weltraumwetter befasst, wird das astronomische Ereignis gemeinsam mit Kollegen um Prof. Jorge Chau vom Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik Kühlungsborn mit Hilfe von Magnetometern in Niemegk, Island und Svalbard, einer Ionosonde in Juliusruh und dem Medium-Frequency Radar (MF-Radar) verfolgen.

In der oberen Atmosphäre wird wegen der Verringerung der Sonneneinstrahlung ein Rückgang der Ionisation und der elektrischen Ströme erwartet. Die Effekte werden jedoch so gering sein, dass sie nur bei ruhigen geomagnetischen Bedingungen erkennbar sein können. Die aktuelle globale geomagnetische Aktivität dokumentiert das GFZ anhand des Kp-Indexes www.gfz-potsdam.de/kp-index 

Störfaktor Sonnensturm

Ein starker Sonnensturm kann die Beobachtungen allerdings beeinflussen. Plasma von der Sonnenoberfläche trifft seit dem 17.03.2015 das unseren Planeten schützende Erdmagnetfeld.

Dieser geomagnetischen Sturm wurde nicht nur an den geomagnetischen Observatorien des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ, sondern weltweit gemessen. Messungen des amerikanischen Satelliten ACE (Advanced Composition Exlporer) zeigen eine außergewöhnlich hohe Geschwindigkeit des Sonnenplasmas.

Die Stärke geomagnetischer Stürme wird mit dem erwähnten, von 0 bis 9 reichenden Kp-Index gemessen, der vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ berechnet und international zur Verfügung gestellt wird. Dabei hat der geomagnetische Sturm vom 17.03. über 12 Stunden hinweg bei Kp-Werten zwischen 7 und 8 gelegen, quasi Orkanstärke.

Der äquatoriale Dst-Sturmindex, der die geomagnetische Aktivität in niedrigen Breiten angibt, erreichte gestern einen Wert von -221nT, was die Spitze des Sturmeffektes auf der Erde darstellte. Im Vergleich: der letzte Superstorm am 30.10.2003 erreichte einen Spitzen-Dst-Wert von -383nT.

In den nächsten Tagen kann der Sturm wieder abklingen. Noch aktive Massenauswürfe der Sonne können jedoch auch wieder die Erde treffen. In diesem Fall wird es schwierig sein, Effekte der bevorstehenden Sonnenfinsternis am 20.03.2015 im erdnahen Weltraum zu messen, da Effekte des Sturmes die Wirkung der Sonnenfinsternis auf die obere Atmosphäre überlagern können.

Bitte beobachten Sie das Ereignis nur mit einer geeigneten Schutzbrille (Sonnenfinsternisbrille o.ä.)! Eine herkömmliche Sonnenbrille oder geschwärzte Gläser reichen nicht aus.

Abb. in druckfähiger Auflösung:

Polarlichter über dem Søndrestrøm Incoherent Scatter Radar, Kangerlussuaq, Grönland, während des geomagnetischen Sturms, 17.03.2015 (Foto: Jürgen Matzka, GFZ)
https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Bildarchiv/Sonnenfinsternis/Polarlicht_Groenland1.jpg 
https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Bildarchiv/Sonnenfinsternis/Polarlicht_Groenland2.jpg

Sonnenfinsternis von 1999 in druckfähiger Auflösung (Foto: L. Grunwaldt, GFZ):
https://media.gfz-potsdam.de/gfz/wv/05_Medien_Kommunikation/Bildarchiv/Sonnenfinsternis/Sofi_1999_02.jpg

Franz Ossing | GFZ Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Grundlagen für die Verbesserung von Klima-und Vegetationsmodellen
08.08.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Kohlenstoff-Transporte ins Erdinnere: Bayreuther Forscher entdecken hochstabile Carbonat-Strukturen
01.08.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie