Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parasiteneier aus der Keltenzeit in Basel gefunden

29.12.2014

In Proben aus der früheren keltischen Siedlung «Basel-Gasfabrik» sind Archäologen der Universität Basel bei Laboranalysen auf Eier von Darmparasiten gestossen – und schliessen damit auf eine mangelhafte Hygiene der damaligen Bevölkerung. Mittels spezieller Methoden der Geoarchäologie fanden sie drei verschiedene Parasitenarten, wie sie in der Fachzeitschrift «Journal of Archaeological Science» berichten.

Forschende der Integrativen Prähistorischen und Naturwissenschaftlichen Archäologie (IPNA) der Universität Basel untersuchten im Rahmen eines internationalen Projekts Proben aus der keltischen Siedlung «Basel-Gasfabrik» auf dem heutigen Areal von Novartis.


Ei eines Spulwurms (Ascaris sp.) mit der typischen gewellten Membran.

Foto: IPNA


Exkrement vom Mensch oder Schwein mit Spulwurm (Ascaris sp.)- und Peitschenwurm (Trichuris sp.)-Befall.

Foto: IPNA

Die Siedlung war um rund 100 v. Chr. bewohnt und gilt als eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten der Kelten in Mitteleuropa. Gefunden wurden unter anderem die widerstandsfähigen Eier von Spulwürmern (Ascaris sp.), Peitschenwürmern (Trichuris sp.) und Leberegeln (Fasciola sp.). Die Eier dieser Darmparasiten kamen in eingefülltem Material der über 2000 Jahren alten Vorrats- und Kellergruben aus der Eisenzeit zutage.

Der Nachweis der Parasiteneier erfolgte nicht, wie sonst üblich, indem die Bodenproben mit Wasser geschlämmt wurden. Vielmehr wurde ein neuartiges Verfahren mithilfe von sogenannten mikromorphologischen Dünnschliffen aus der Geoarchäologie angewendet, die die Parasiteneier direkt an ihren ursprünglichen Fundorten in den Gruben erfasst. In den Schliffen aus den in Kunstharz getränkten Bodenproben konnten die Forschenden damit die Zahl und das Vorkommen am direkten Herkunftsort der Eier im Sediment feststellen.Dies erlaubte neue Einblicke in die Krankheiten, die in der eisenzeitlichen Siedlung von Parasiten ausgelöst werden.

Schlechte Hygieneverhältnisse

Die Eier der eisenzeitlichen Parasiten stammen zum einen aus noch erhaltenen Exkrementen von Mensch und Tier (sogenannten Koprolithen) und zeigen, dass manche Individuen von mehreren Parasiten gleichzeitig befallen waren. Zum anderen waren die Parasiteneier auch im damaligen Oberboden verteilt – ein Hinweis auf die Art der Entsorgung dieser speziellen «Abfälle», die möglicherweise auch als Dünger in die Nutzgärten der Siedlung gelangten.

Da der Leberegel als Zwischenwirt Süsswasserschnecken benötigt, ist denkbar, dass diese Parasitenart durch Schlachtvieh eingeschleppt wurde, das aus dem Umland zur Fleischversorgung der Bevölkerung in die Siedlung gebracht wurde.

In den mikroskopischen Präparaten konnten die Archäologen zudem zeigen, dass die Eier der Eingeweideparasiten durch Wasser ausgewaschen und im Boden verteilt wurden. Dies gilt als ein Indiz für die mangelhaften hygienischen Verhältnisse der damaligen keltischen Siedlung, in der Menschen und Tiere Seite an Seite dicht nebeneinander lebten. Gleichzeitig könnte die Verteilung auf mögliche Übertragungswege innerhalb und zwischen den Arten deuten.

Die Resultate der Studie wurden in der Fachzeitschrift «Journal of Archaeological Science» veröffentlicht. Das Forschungsprojekt der IPNA der Universität Basel und der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt wurde auch vom Schweizerischen Nationalfonds und der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft (FAG) Basel gefördert.

Originalbeitrag
Sandra L. Pichler, Christine Pümpin, David Brönnimann, Philippe Rentzel
Life in the Proto-Urban Style: The identification of parasite eggs in micromorphological thin sections from the Swiss Basel-Gasfabrik late Iron Age settlement
Journal of Archaeological Science (2014) | doi:10.1016/j.jas.2013.12.002

Weitere Auskünfte
PD Dr. Philippe Rentzel, Universität Basel, Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA), Leiter Arbeitsgruppe Geoarchäologie, Tel. +41 61 201 02 08, E-Mail: philippe.rentzel@unibas.ch

Weitere Informationen:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0305440313004329 - Originalpublikation

Christoph Dieffenbacher | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik