Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozonabbau über der Arktis: Steigende UV-Werte möglich

19.02.2016

Ein Team von Klimaforschern mit Jülicher Beteiligung fand jetzt Anzeichen dafür, dass in diesem Winter über der Arktis ein starker Ozonabbau begonnen hat. Ursache sind die ungewöhnlich niedrigen Temperaturen in der polaren Stratosphäre.

Mit weiteren Messungen in der Kampagne POLSTRACC („The Polar Stratosphere in a Changing Climate“) wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den nächsten Wochen den Ozonabbau über der nördlichen Polarregion weiter untersuchen.


Auftanken für den nächsten Flug: Ende Februar startet das Forschungsflugzeug HALO vom schwedischen Kiruna aus zu weiteren Messflügen.

Copyright: Laila Tkotz, KIT

Jülicher Stratosphärenforscher liefern dazu täglich aktualisierte Berechnungen. Ein starker Ozonabbau könnte zur Folge haben, dass bis März die UV-Werte steigen. Ob sich daraus ein erhöhtes Sonnenbrand-Risiko ergibt, kann man einer täglich aktualisierten Webseite entnehmen.

Messungen und Berechnungen zeigen schon den beginnenden Ozonabbau. "Doch wie stark er tatsächlich wird, hängt davon ab, wie sich der Polarwirbel in den nächsten Wochen entwickelt", erklärt Dr. Jens-Uwe Grooß vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre.

Der Polarwirbel ist ein großes Tiefdruckgebiet, das sich jeweils im Winter über beiden Polen ausbildet und durch starke Westwinde begrenzt wird. Er schließt die Luft über den Polargebieten ein und verhindert damit, dass sie sich mit ozonreichen Luftmassen aus mittleren Breiten mischen. "Sollte der Polarwirbel weiter stabil und kalt bleiben, könnte über der Arktis deutlich mehr Ozon abgebaut werden als im Kälte-Winter von 2011", so Grooß.

An der Oberfläche sogenannter polarer Stratosphärenwolken, in einer Höhe zwischen 14 und 26 Kilometern, finden bei großer Kälte chemische Reaktionen statt, die den Abbau von Ozon erheblich beschleunigen. Über der Antarktis bildet sich aufgrund der sehr kalten Bedingungen in der Stratosphäre in jedem Frühjahr ein Ozonloch. Über der deutlich wärmeren Arktis wurde starker Ozonabbau bisher nur in einigen wenigen Wintern beobachtet.

In diesem Winter jedoch sind die Temperaturen in der arktischen Stratosphäre außergewöhnlich niedrig. Bei Messflügen mit dem Forschungsflugzeug HALO fanden die Wissenschaftler polare Stratosphärenwolken bis hinunter in eine Höhe von 14 Kilometern. Außerdem registrierten sie chemische Prozesse, die auf einen starken Abbau von Ozon hindeuten.

Die Jülicher Stratosphärenforscher berechnen täglich auf Basis von Simulationen, wie es um den arktischen Ozonverlust steht, und veröffentlichen die Ergebnisse auf der Wissenschaftsplattform "Erde und Umwelt" der Helmholtz-Gemeinschaft (Earth System Knowledge Platform, ESKP). Dort findet sich neben dem aktuell berechneten Ozonverlust auch ein Vergleich mit den entsprechenden Berechnungen früherer Winter.

Durch den erhöhten Ozonabbau verstärkt sich die UV-Strahlung am Boden. Um den zu erwartenden Anstieg einschätzen zu können, wird auf der ESKP-Seite der Jülicher Forscher auch gezeigt, um wie viel sich die UV-Strahlung über Monate und in verschiedenen geographischen Breiten erhöht. Gegenwärtig ist die UV-Einstrahlung in unseren Breiten gering. Bleibt der Polarwirbel bis Ende März stabil, setzt sich der Ozonabbau fort. Sollte sich dann zusätzlich der Polarwirbel noch südwärts Richtung Europa verschieben, könnte es über Deutschland zu für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen UV-Werten kommen.

Die Wissenschaftler gehen dennoch nur von einem mäßigen Sonnenbrand-Risiko aus. "Wie hoch genau die UV-Belastung sein wird, können wir noch nicht sagen, daher werden wir den Polarwirbel und den Ozonabbau in den kommenden Wochen weiter beobachten", erklärt Grooß. "Normalerweise bricht der Polarwirbel spätestens Ende März zusammen und vermischt sich mit ozonreicherer Luft aus mittleren Breiten. Dies würde dann die Periode der erhöhten UV-Strahlung beenden."


Weitere Informationen:

Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre (IEK-7)

Berechnungen zum Ozonverlust auf den ESKP-Seiten der Jülicher Stratosphärenforschung

Standpunkt: Ozonloch wird weiter schwanken

Pressemitteilung des Karlsruher Instituts für Technologie KIT zur POLSTRACC-Kampagne: "Starker Ozonabbau über der Arktis möglich"

Ansprechpartner:

Dr. Jens-Uwe Grooß, Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre (IEK-7)
Tel.: 02461 61-9184
E-Mail: j.-u.grooss@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Erhard Zeiss, Pressereferent
Tel.: +49 2461 61-1841
E-Mail: e.zeiss@fz-juelich.de

Erhard Zeiss | Forschungszentrum Jülich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht PM des MCC: CO2-Entzug aus Atmosphäre für 1,5-Grad-Ziel unvermeidbar
23.05.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Geregelter Nano-Aufbau

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics