Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organismen im Meer reagieren schneller auf den Klimawandel als die an Land

05.08.2013
Zwar erwärmen sich die Meere weltweit langsamer als die Kontinente, doch Tiere und Pflanzen in den Ozeanen reagieren deutlich schneller auf die neuen Bedingungen als Lebewesen an Land.

Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine internationale Forschergruppe, an der Prof. Dr. Wolfgang Kießling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt ist. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der Online-Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht (doi10.1038/nclimate1958).

Rund 71 Prozent der Erdoberfläche ist von Wasser bedeckt, allerdings sind weite Teile der Ozeane noch immer unbekanntes Terrain. Bisher wusste man nur sehr wenig darüber, wie etwa Tiere und Pflanzen in den Weltmeeren auf höhere, durch den Klimawandel hervorgerufene Wassertemperaturen reagieren. Man könnte vermuten, dass Meeresorganismen vergleichsweise wenig durch den Klimawandel beeinträchtigt werden, da die Klimaveränderung die Temperaturen an Land dreimal schneller ansteigen lässt als im Wasser.

Doch die Wissenschaftler um Prof. Kießling, Lehrstuhl für Paläoumwelt, fanden genau das Gegenteil heraus. Die Reaktionen von Meereslebewesen auf steigende Temperaturen sind weitaus gravierender als an Land. Außerdem belegten die Forscher einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den Veränderungen in den Ozeanen. In den Regionen, die in den vergangenen Jahren die höchsten Temperaturzunahmen verzeichneten, waren auch die dramatischsten Veränderungen zu beob­achten.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Analyse 1735 Studien aus aller Welt aus, die sich damit beschäftigten, welche Veränderungen der Klimawandel bei Pflanzen und Tieren in den Meeren auslöst. Die erste Erkenntnis: Die Wasserorganismen weichen aufgrund der höheren Temperaturen in Äquatornähe in Richtung der Pole aus – Gegenden, die noch vor einigen Jahren zu kalt waren.

Und nicht nur das: Ihre Lebensräume verschieben sich mehr als zehnmal schneller als jene der Landlebewesen. Alle zehn Jahre wandern die Lebensräume in den Meeren im Schnitt um 72 Kilometer polwärts, an Land durchschnittlich um sechs Kilometer. Die in dieser Hinsicht „flinkesten“ Organismen sind Phyto- und Zooplankton – dazu gehören unter anderem Kieselalgen oder Ruderfußkrebse – sowie Fischlarven.

Eine zweite Erkenntnis: Eine größere Veränderung lässt sich auch im Bereich der Phänologie beobachten. So heißen in der Tier- und Pflanzenwelt alle Ereignisse, die direkt von den Jahreszeiten beeinflusst werden. Wann kommen Stare aus dem Süden zurück? Wann treiben Schneeglöckchen aus? Wann suchen sich Igel ihr Winterquartier? Hier stellten die Forscher fest, dass sich typische Frühjahrsereignisse im Meer – wie das Auftreten von Planktonblüten und die Brutzeit von Meeresvögeln – alle zehn Jahre im Durchschnitt mehr als vier Tage nach vorne verschieben. An Land sind es etwa zweieinhalb Tage. Die größte Veränderung zeigte sich bei Zooplankton und Knochenfischen, deren Frühling alle zehn Jahre sogar elf Tage früher beginnt.

Welche Folge diese Veränderungen haben, muss in den kommenden Jahren noch untersucht werden. „Nur weil zum Beispiel bestimmte Fischarten ihren Lebensraum weiter in Richtung Nord- oder Südpol verlagern, heißt dies noch lange nicht, dass es in den ursprünglichen Gebieten keine Fische mehr gibt“, erklärt Paläobiologe Kießling. „Allerdings wird es in Äquatornähe schwierig, die abwandernden Arten durch Einwanderer zu ersetzen.“

Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Tel.: 09131/85-22690
wolfgang.kiessling@fau.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie