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Nicht nur Gutes kommt von oben: Frühwarnsysteme für Hangrutschungen und Felsstürze

14.04.2010
Ein Erdrutsch hat Anfang der Woche in Südtirol einen Zug aus den Gleisen geworfen. Mindestens neun Menschen starben, zahlreiche Passagiere wurden schwer verletzt. Auch in Deutschland ist die Gefahr von Hangrutschungen und Felsstürzen von den Mittelgebirgen bis zu den Alpen stets gegeben.

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Kann man solche Katastrophen vermeiden, indem man sie rechtzeitig erkennt und davor warnt? Seit Jahren forschen Wissenschaftler an der Universität Bonn an Frühwarnsystemen mit dem Ziel, Menschenleben zu retten und Katastrophen zu verhindern.


Erdrutschungen sind auf der Welt ein häufiges und nicht selten katastrophales Ereignis: So wurden bei Rio de Janeiro erst in der vergangenen Woche ganze Dörfer von Erdmassen begraben, die ins Rutschen gekommen waren. Und gerade zwei Monate ist es her, dass Erdrutsche in Machu Picchu (Peru) Tausende von Touristen von der Außenwelt abschlossen. In Bayern forderte ein Felssturz an Neujahr Menschenleben.

Unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Glade, der seit kurzem in Wien tätig ist, und Professor Dr. Jürgen Pohl hat ein interdisziplinäres Team einen Prototyp für ein integratives Frühwarnsystem entwickelt. Gefördert wird das an der Universität Bonn angesiedelte Projekt "Integrative Landslide Early Warning Systems") (ILEWS) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Ein Untersuchungsgebiet ist die Schwäbische Alb, wo die Landschaft am sogenannten "Albtrauf" stark von Hangrutschungen geprägt ist, ein weiteres liegt in Südtirol im Randbereich des Etschtales. Ziel ist es, das Risiko von Katastrophen durch Erdrutsche, wie sie sich rund um den Erdball ständig wiederholen, zu mindern.

Warnampel für die Schwäbische Alb entwickelt

Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft haben die Bonner Forscher einen Prototyp für eine "Warnampel" entwickelt, der bereits in der Schwäbischen Alb für erste Messungen installiert ist. Förderung erhielten sie dabei im Sonderprogramm Geotechnologien des BMBF. Die Ampel basiert auf einem integrativen Ansatz, der ingenieurtechnische Messungen ebenso einbezieht wie die sozioökonomischen Rahmenbedingungen. "Es geht uns vor allem auch darum, die Warnungen für die Nutzer so aufzubereiten, dass sie damit etwas anfangen können", erklärt Professor Dr. Jürgen Pohl.

Im Boden eingebrachte Sensoren messen verschiedene Frühindikatoren wie Bewegungsraten des Hanges und Bodenfeuchte, die - nach der endgültigen Implementierung des Systems - über das moderne Internetverbindungen an die verantwortlichen Experten in den zuständigen Behörden weitergeleitet werden sollen. und über das Internet für angemeldete Nutzer zugänglich sind. Werden Grenzwerte überschritten, schaltet die Warnampel von Grün nach Gelb. Unter bestimmten Umständen wechselt die Ampel nach Rot - entweder nach Prüfung durch Experten oder auch automatisch. Im Anschluss daran sind verschiedene Maßnahmen möglich. "Dann werden zum Beispiel Schranken aktiviert, die akut gefährdete Straßen sperren", sagt Professor Pohl.

Dr. Andreas Archut | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-bonn.de/

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