Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein neuer Saurier aus den Bündner Alpen

26.11.2013
Bei Fossiliengrabungen der Universität Zürich im Ducangebiet bei Davos entdeckte der ehrenamtliche Mitarbeiter Christian Obrist ein kleines Saurierskelett.

Das ursprünglich etwa einen Meter lange Reptil lebte vor 241 Millionen Jahren auf grösseren Inseln oder am Strand des Urmeeres Tethys. Der neue Saurier ist die weltweit dritte Art der Gattung Macrocnemus, die schon seit 1930 aus etwa gleichaltrigen Schichten der mittleren Trias im Südtessin und seit 2007 aus Südchina bekannt ist.


Der zerbissene Skelettrest von Macrocnemus obristi in einer 241 Millionen Jahre alten Kalkbank des Ducangebiets

Bild: UZH


Der kleine Landsaurier Macrocnemus obristi in den Fängen eines 2 bis 3 Meter langen Meeressauriers Nothosaurus.

Bild: UZH

Der Skelettrest wurde im Sommer 2009 im Rahmen der jährlichen Fossiliengrabungen unter der Leitung des UZH-Paläontologen Heinz Furrer vom engagierten Sammler Christian Obrist entdeckt. Zu Hause setzte er das in vielen Bruchstücken geborgene Fossil sorgfältig zusammen und legte es in mehr als 300 Arbeitsstunden mit Pressluftmeissel und feinen Präparationsnadeln frei. Eine erste Bestimmung zeigte die Zugehörigkeit zu «Macrocnemus», einer Gattung der Protorosaurier, die bisher nur von der Tessiner Fundstelle am Monte San Giorgio und aus Südchina bekannt war.

Eine weitere Untersuchung durch den Saurierspezialisten Nicholas Fraser vom Schottischen Nationalmuseum in Edinburgh enthüllte dann deutliche Unterschiede zum 1930 erstmals beschriebenen «Macrocnemus bassanii» aus etwa gleichaltrigen Schichten der mittleren Trias am Monte San Giorgio und zur 2007 publizierten zweiten Art «Macrocnemus fuyuanensis» aus Südchina. Die Forschenden beschreiben den neuen Saurier zu Ehren des Finders als «Macrocnemus obristi».

Diese, mit etwa einem Meter Beinlänge, langbeinigen Reptilien wurden alle in 240 bis 242 Millionen Jahre alten Meeresablagerungen gefunden. Sie lebten als Landbewohner aber vermutlich auf grösseren Inseln im Randbereich des damaligen Urmeeres Tethys. Bei Stürmen oder Überschwemmungen wurden einzelne Tiere ins Meer gespült. Da beim neuen Fund aus dem Ducangebiet nur der hintere Rumpf mit Hinterbeinen und langem Schwanz erhalten geblieben ist, wurde der kleine Saurier vermutlich von einem grösseren Fleischfresser zerbissen.

Literatur:
Nicholas Fraser and Heinz Furrer: A new species of Macrocnemus from the Middle Triassic of the eastern Swiss Alps. Swiss Journal of Geosciences. November 22, 2013. Doi: 10.1007/s00015-013-0137-5

Hintergrund

Der neue Saurier ist bis 8. Dezember 2013 in einer Sondervitrine des Paläontologischen Museums der Universität Zürich ausgestellt. Ab 20. Dezember 2013 wird er in der neuen permanenten Ausstellung des Bündner Naturmuseums in Chur gezeigt.

Die Fossiliengrabungen der Universität Zürich werden seit 1997 mit Bewilligung und Unterstützung des Bündner Naturmuseums Chur, des Kantons Graubünden und der Gemeinde Davos durchgeführt.

Kontakt:
Dr. Heinz Furrer
Paläontologisches Institut und Museum
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 23 23
E-Mail: heinz.furrer@pim.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich
Weitere Informationen:
http://www.mediadesk.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland
26.06.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie