Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Einblick in Meeresablagerungen des Schwarzen Juras

25.06.2014

Forscher der Universität Göttingen erschließen Gesteinsschichten am Ludwig-Donau-Main-Kanal

Wissenschaftler der Universitäten Göttingen, Erlangen und Tübingen sowie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Hof haben erstmals die Gesteinsschichten im Gebiet des historischen Ludwig-Donau-Main-Kanals südlich von Altdorf bei Nürnberg mit modernen Methoden dokumentiert.


Geologische Formationen des Schwarzen Juras am Ludwig-Donau-Main-Kanal bei Dörlbach, Mittelfranken. Foto: Universität Göttingen


Cleviceras elegans, eine häufige Ammonitenart aus der Posidonienschiefer-Formation am Ludwig-Donau-Main-Kanal. Foto: Universität Göttingen

Die detaillierte Analyse ermöglicht einen Einblick in die Zeit des so genannten Schwarzen Juras vor etwa 178 bis 200 Millionen Jahren. Den Forschern gelang es, zahlreiche historische Fossilfunde wie beispielsweise den Schädel eines großen Fischsauriers präzise den jeweiligen Fundhorizonten zuzuordnen. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften erschienen.

Der Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals in Bayern von 1836 bis 1845 war ein markantes Ereignis für die damals noch jungen Wissenschaften Geologie und Paläontologie. Durch den Kanaleinschnitt bei Dörlbach, rund 20 Kilometer südöstlich von Nürnberg, bot sich erstmals ein Einblick in die bis zu 200 Millionen Jahre alten Meeresablagerungen und die reichhaltige fossile Fauna der damaligen Zeit.

Berühmt wurde die Gegend 1840 mit dem Fund eines 1,60 Meter langen Schädels der Fischsaurier-Gattung Temnodontosaurus, der heute im Ansbacher Marktgrafenmuseum aufbewahrt wird. Zahlreiche grundlegende Werke der Paläontologie aus dem 19. Jahrhundert, insbesondere von Friedrich August Quenstedt, verweisen auf Funde aus dem Dörlbacher Einschnitt. Eine detaillierte Beschreibung der Gesteinsschichten und Fundhorizonte wurde damals allerdings versäumt.

Die erneuten Untersuchungen wurden von 2010 bis 2012 durch Bauarbeiten an einem Radwanderweg nach Erdrutschen ermöglicht. Rund 170 Jahre nach dem Bau des Kanals konnten die Forscher die gesamte Folge der Gesteinsschichten dokumentieren und Proben entnehmen.

Darüber hinaus liefern die Schichten am Ludwigskanal Argumente für eine Neu-Interpretation des Strömungssystems im nordwesteuropäischen Jura-Meer: Demnach sorgten klimatische Veränderungen für Richtungswechsel bei den Bodenwasserströmungen. Die dadurch verursachten submarinen Erosionsreliefs sind im Bereich des Ludwigskanals besonders deutlich sichtbar.

Originalveröffentlichung: Gernot Arp et al. New exposure of the Ludwigskanal section near Dörlbach – a key section for the Lower Jurassic in the Franconian Alb, Southern Germany. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Band 165, Heft 2, S. 163-177, Juni 2014. Doi: 10.1127/1860-1804/2014/0054

Kontaktadresse:
Privatdozent Dr. Gernot Arp
Georg-August-Universität Göttingen
Geowissenschaftliches Zentrum – Abteilung Geobiologie
Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-7986
E-Mail: garp@gwdg.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4826 weitere Fotos
http://www.geobiologie.uni-goettingen.de/de/people/garp/index.shtml Abteilung Geobiologie

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise