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In der aktuellen Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Geoscience vom 18. Januar veröffentlichen die Wissenschaftler der internationalen MARGO-Projektgruppe (Multiproxy Approach for the Reconstruction of the Glacial Ocean surface) die Synthese ihrer Forschungen: einen neuen Ansatz, wie sich die Meeresoberflächentemperaturen während der letzten Eiszeit rekonstruieren lassen.
Mit solchen Rekonstruktionen lässt sich die Genauigkeit von Klimamodellen überprüfen, die auch zur Simulation des zukünftigen Klimas verwendet werden. Die MARGO-Rekonstruktion und die Ergebnisse der Klimamodelle zeigen in der globalen Absenkung der eiszeitlichen Meeresoberflächentemperaturen eine gute Übereinstimmung. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Klimatologen die Empfindlichkeit des globalen Wärmehaushalts gegenüber Änderungen der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre mittlerweile gut beschreiben können.
Von den sieben Hauptautoren der neuen Studie forschen vier an deutschen Universitäten: Professor Michal Kucera vom Institut für Geowissenschaften an der Universität Tübingen, Dr. André Paul vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen sowie Professor Ralph Schneider und PD Dr. Mara Weinelt vom Institut für Paläoozeanographie und Marine Paläoklimaforschung an der Universität Kiel.
Die erste globale Rekonstruktion eiszeitlicher Meeresoberflächentemperaturen wurde in den 1970er und 1980er Jahren im Rahmen des CLIMAP-Projektes (Climate: Long range Investigation, Mapping, and Prediction) unternommen, damals von der US-Regierung mit einer Million Dollar Forschungsgeldern unterstützt. Einen ersten Vorstoß diese 30 Jahre alte Klimakarte zu aktualisieren, unternahm das deutsche GLAMAP-Projekt Ende der 1990er Jahre, allerdings nur für den Atlantischen Ozean. Die MARGO-Projektmitglieder, ein internationaler Zusammenschluss der nächsten Generation von Experten auf dem Gebiet der Klimarekonstruktion, haben nun die längst fällige globale Überarbeitung vorgelegt. "Wenn man CLIMAP mit der Erfindung des Autos vergleichen kann, dann hat es MARGO nun mit einem zeitgemäßen und leistungsfähigen Motor ausgestattet", beschreibt Professor Michal Ku?era die Leistung des MARGO-Wissenschaftlerstabs.
Die auf insgesamt 696 einzelne Temperaturrekonstruktionen gestützte Karte der Hocheiszeit vor rund 21.000 Jahren zeigt eine Reihe robuster Befunde: So wurde z.B. die stärkste Abkühlung im nördlichen Nordostatlantik, die sich bis hinein ins westliche Mittelmeer fortsetzte, ermittelt. Die beste Übereinstimmung zeigen die tropischen Rekonstruktionen, die im Unterschied zu früheren Daten auf ausgeprägte Unterschiede zwischen Atlantik, Indik und Pazifik schließen lassen sowie auf eine jeweils stärkere Abkühlung auf der Ostseite hindeuten. Insgesamt beträgt die Bandbreite der Klimaempfindlichkeit auf Grundlage der neuen MARGO-Synthese zwischen 1°C und 3,6°C.
Die MARGO-Klimarekonstruktion wird bereits von Klimamodellierern genutzt, um sie mit ihren Modellsimulationen eingehend zu vergleichen. Der nächste Schritt müsse nun die Klärung der teilweise sehr auffälligen regionalen Unterschiede zwischen der Klimarekonstruktion und den Modellsimulationen sein, so die beteiligten Wissenschaftler. Hierin biete sich die große Chance, die komplexen Computermodelle zu testen und zu verbessern, die auch zur Vorhersage des Klimawandels des 21. Jahrhunderts eingesetzt würden.
Fast sieben Jahre hat es bis zum Erfolg des Projektes gedauert. In akribischer Kleinarbeit ist der umfangreiche Datensatz einer rigorosen Qualitätskontrolle unterzogen worden. Dr. André Paul resümiert: "MARGO ist ein internationales Projekt mit einem besonderen Geist, in dem alle Beteiligten von der wissenschaftlichen Notwendigkeit, eine neue Klimakarte für die letzte Hocheiszeit zu schaffen, so überzeugt waren, dass sie es mit viel Begeisterung und zähem Erfolgswillen über viele Jahre ohne direkte finanzielle Förderung verfolgt haben - etwas, was mit den heute vorhandenen Förderinstrumenten und unter dem Zwang schneller Veröffentlichungen immer kleinerer Teilresultate sonst kaum mehr vorstellbar ist."
Link zur Online-Veröffentlichung:
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo411.html
Internationale Forschergruppe implementiert neues Tool
Kontakt:
PD Dr. Mara Weinelt
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel. (0431) 880-4618
E-Mail: mweinelt@gshdl.uni-kiel.de
Dr. André Paul
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
Universität Bremen
Tel: (0421) 218-65450
E-Mail: apaul@marum.de
Prof. Dr. Michal Kucera
Institut für Geowissenschaften
Universität Tübingen
Tel: (07071) 29-74674
E-Mail: michal.kucera@uni-tuebingen.de
Susanne Schuck | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-tuebingen.de
www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo411.html
www.marum.de
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