Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Neue fossile Zeugen für Schwankungen der arktischen Meereisbedeckung während der letzten 30.000 Jahre

26.10.2009
Geowissenschaftlern ist es gelungen, mit Hilfe einer neuen Untersuchungsmethode die Eisbedingungen der letzten 30.000 Jahre in der Framstraße, einer Meerenge zwischen Ostgrönland und Spitzbergen, zu rekonstruieren.

Anzeige

Anhand von fossilen molekularen Algenresten in Sedimentkernen erarbeiteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Plymouth, England, ein einheitliches Bild über die Ausdehnung des Meereises in diesem für die weltweiten Klimaverhältnisse wichtigen Gebiet.


Die Veröffentlichung "Variability of sea-ice conditions in the Fram Strait over the past 30,000 years" erscheint am Sonntag, den 25. Oktober in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift nature geoscience.

Die Untersuchung eines Sedimentkerns aus der nördlichen Framstraße, der einzigen Tiefenwasserverbindung zwischen dem zentralen Arktischen Ozean und dem Atlantik, liefert Beweise für extreme Schwankungen in der Meereisbedeckung während der letzten 30.000 Jahre. "Unsere Rekonstruktion der unterschiedlichen Eisbedingungen zeigt, wie drastisch die Arktis auf selbst kurzzeitige Klimaschwankungen reagiert", erklärt Juliane Müller, Geowissenschaftlerin am Alfred-Wegener-Institut.

Mit Hilfe von fossilen organischen Molekülresten, so genannten Biomarkern, die in den Schichten eines Sedimentkerns enthalten sind, konnten die Forscher nachweisen, zu welcher Zeit die Framstraße eisbedeckt oder eisfrei war. Der in unterschiedlichen Konzentrationen im Sediment nachgewiesene Biomarker IP25, ein komplexes Molekül, das von im Meereis lebenden Algen produziert wird, diente hierbei als Indiz für eine Eisbedeckung. Ein zweiter Biomarker, das so genannte Brassicasterol, der von im offenen Wasser leben Algen gebildet wird, diente als Gegenstück bei den Analysen. Das Vorkommen von Brassicasterol in den Sedimenten weist auf eisfreie Perioden hin. Die Kombination dieser beiden Parameter ermöglichte es den Forschern, die verschiedenen Eisbedingungen zu rekonstruieren.

Für einen Zeitraum extrem kalten Klimas, dem letzten glazialen Maximum vor etwa 20.000 Jahren, deutet beispielsweise das Fehlen beider Biomarker auf eine permanente Eisbedeckung in der nördlichen Framstraße hin. Der andauernde Licht- und Nährstoffmangel unter dem dicken Eispanzer minimierte auch das Wachstum der Eisalgen. Eine sehr kurze aber deutliche Erwärmung des Klimas vor etwa 15.000 Jahren, dem frühen Bølling, ließ das arktische Meereis soweit abschmelzen, dass die Framstraße auch während der Wintermonate eisfrei blieb. In den Sedimentschichten dieses Zeitraums fehlt der Eismarker IP25, während der Gehalt an Brassicasterol hingegen stark erhöht ist. Das gleichzeitige Vorkommen beider Biomarker in Sedimenten der letzten 5.000 Jahre, dem späten Holozän, zeigt, dass die Meerenge nur während der Winter- und Frühlingsmonate eisbedeckt war. Dieser saisonale Wechsel zwischen eisbedeckter und eisfreier Wasseroberfläche ermöglichte somit das Wachstum beider Algentypen.

Der deutliche Rückgang des Meereises in der zentralen Arktis mit einem drastischen Minimum im Jahr 2007 hat viele Wissenschaftler in Alarmbereitschaft versetzt. "Untersuchungen zu den natürlichen Änderungen der Meereisausdehnung zu Zeiten, wo der Mensch noch keinen Einfluss auf das Klima hatte, sind zu einem Schwerpunkt zahlreicher internationaler Forschungsprojekte in der Arktis geworden", erklärt Prof. Rüdiger Stein, ebenfalls Geowissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut. Das arktische Meereis spielt eine wichtige Rolle im Wärmehaushalt der Weltmeere. So beeinflusst das Eis unter anderem den Mechanismus der globalen Meeresströmungen, ein durch Temperatur- und Salzkonzentrationsunterschiede angetriebener Kreislauf, der in Form des Golfstroms maßgeblich für das milde Klima in Europa verantwortlich ist. Eine Antriebsquelle dieser "Wärmepumpe" befindet sich in der Framstraße.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der sechzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

nachricht NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp