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Neue tektonische Mikroplatte unter Tibet entdeckt

31.10.2011
Feineres Bild der Kollision von Indien und Eurasien

In Zentraltibet existiert eine eigene, relativ homogene tibetanische Platte mit etwa 100 Kilometern Mächtigkeit.


© GFZ
Lage der drei tektonischen Platten in der Region Tibet und Verteilung der seismischen Stationen.

Diese Platte wird von Süden nach Nordosten über die Eurasische Platte geschoben und drückt diese dabei bis zu 250 Kilometer tief in den Erdmantel hinein. Dieses neue Bild der plattentektonischen Kollision von Indien und Eurasien stellte ein Team von Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ in Kooperation mit chinesischen, amerikanischen und englischen Wissenschaftlern in der aktuellen Ausgabe von „Nature Geosciences“ (Advance Online Publication on Nature Geoscience) vor.

Die indische tektonische Platte bewegt sich gegenwärtig mit einer Geschwindigkeit von etwa fünf Zentimetern pro Jahr nach Nordosten. „Bei ihrer Kollision mit Eurasien schiebt sie wie ein Bulldozer den Himalaya und das Hochland von Tibet auf, bohrt sich dabei 500 Kilometer weit unter Tibet und ist bis zu einer Tiefe von etwa 250 Kilometern deutlich nachweisbar. Das hatten bereits unsere früheren Untersuchungen gezeigt“, erklärt Professor Rainer Kind vom GFZ (Helmholtz-Gemeinschaft). „Bisher gab es aber noch nicht genügend Messdaten, um zu sehen, wie sich die tektonischen Platten am nördlichen Rand von Tibet bei der Kollision verhalten.“

Das Geoforscherteam hat deshalb in Fortsetzung früherer gemeinsamer Experimente ein zusätzliches großes seismologisches Projekt in Nordtibet durchgeführt. Bei dieser „Receiver Function“ genannten Methode werden die Grenzschichten verschiedener Materialien im Erdinneren mit Hilfe seismischer Wellen weit entfernter Erdbeben kartiert, die den Untergrund von Tibet gewissermaßen von unten durchleuchten. Daraus können die Deformationen der tektonischen Platten bestimmt werden. Die mit dieser Methode erhaltenen Abbildungen des Erdinneren bis zu mehreren hundert Kilometern Tiefe sind weitaus höher auflösend als alle bisherigen Abbildungen.

Im Resultat zeigte sich die jetzt entdeckte Tibetanische Platte als deutlich abgegrenzter, eigener Bereich in diesem Teil der Lithosphäre zwischen Indien und Eurasien, südlich des Tarim-Beckens.

Wenjin Zhao, Prakash Kumar, James Mechie, Rainer Kind, Rolf Meissner, Zhenhan Wu, Danian Shi, Heping Su, Guangqi Xue, Marianne Karplus, Frederik Tilmann: „Tibetan plate overriding the Asian plate in central and northern Tibet”, Nature Geosciences, DOI: 10.1038/NGEO1309

Franz Ossing | GFZ Potsdam

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