Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue globale Rekonstruktion eiszeitlicher Meerestemperaturen

19.01.2009
Internationale Forschergruppe präsentiert neuen Datensatz, der dazu beiträgt, das zukünftige Klima besser vorherzusagen

In der aktuellen Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Geoscience vom 18. Januar veröffentlichen die Wissenschaftler der internationalen MARGO-Projektgruppe (Multiproxy Approach for the Reconstruction of the Glacial Ocean surface) die Synthese ihrer Forschungen: einen neuen Ansatz, wie sich die Meeresoberflächentemperaturen während der letzten Eiszeit rekonstruieren lassen.

Mit solchen Rekonstruktionen lässt sich die Genauigkeit von Klimamodellen überprüfen, die auch zur Simulation des zukünftigen Klimas verwendet werden. Die MARGO-Rekonstruktion und die Ergebnisse der Klimamodelle zeigen in der globalen Absenkung der eiszeitlichen Meeresoberflächentemperaturen eine gute Übereinstimmung. Dies ist ein Zeichen dafür, dass Klimatologen die Empfindlichkeit des globalen Wärmehaushalts gegenüber Änderungen der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre mittlerweile gut beschreiben können.

Von den sieben Hauptautoren der neuen Studie forschen vier an deutschen Universitäten: Professor Michal Kucera vom Institut für Geowissenschaften an der Universität Tübingen, Dr. André Paul vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen sowie Professor Ralph Schneider und PD Dr. Mara Weinelt vom Institut für Paläoozeanographie und Marine Paläoklimaforschung an der Universität Kiel.

Die erste globale Rekonstruktion eiszeitlicher Meeresoberflächentemperaturen wurde in den 1970er und 1980er Jahren im Rahmen des CLIMAP-Projektes (Climate: Long range Investigation, Mapping, and Prediction) unternommen, damals von der US-Regierung mit einer Million Dollar Forschungsgeldern unterstützt. Einen ersten Vorstoß diese 30 Jahre alte Klimakarte zu aktualisieren, unternahm das deutsche GLAMAP-Projekt Ende der 1990er Jahre, allerdings nur für den Atlantischen Ozean. Die MARGO-Projektmitglieder, ein internationaler Zusammenschluss der nächsten Generation von Experten auf dem Gebiet der Klimarekonstruktion, haben nun die längst fällige globale Überarbeitung vorgelegt. "Wenn man CLIMAP mit der Erfindung des Autos vergleichen kann, dann hat es MARGO nun mit einem zeitgemäßen und leistungsfähigen Motor ausgestattet", beschreibt Professor Michal Ku?era die Leistung des MARGO-Wissenschaftlerstabs.

Die auf insgesamt 696 einzelne Temperaturrekonstruktionen gestützte Karte der Hocheiszeit vor rund 21.000 Jahren zeigt eine Reihe robuster Befunde: So wurde z.B. die stärkste Abkühlung im nördlichen Nordostatlantik, die sich bis hinein ins westliche Mittelmeer fortsetzte, ermittelt. Die beste Übereinstimmung zeigen die tropischen Rekonstruktionen, die im Unterschied zu früheren Daten auf ausgeprägte Unterschiede zwischen Atlantik, Indik und Pazifik schließen lassen sowie auf eine jeweils stärkere Abkühlung auf der Ostseite hindeuten. Insgesamt beträgt die Bandbreite der Klimaempfindlichkeit auf Grundlage der neuen MARGO-Synthese zwischen 1°C und 3,6°C.

Die MARGO-Klimarekonstruktion wird bereits von Klimamodellierern genutzt, um sie mit ihren Modellsimulationen eingehend zu vergleichen. Der nächste Schritt müsse nun die Klärung der teilweise sehr auffälligen regionalen Unterschiede zwischen der Klimarekonstruktion und den Modellsimulationen sein, so die beteiligten Wissenschaftler. Hierin biete sich die große Chance, die komplexen Computermodelle zu testen und zu verbessern, die auch zur Vorhersage des Klimawandels des 21. Jahrhunderts eingesetzt würden.

Fast sieben Jahre hat es bis zum Erfolg des Projektes gedauert. In akribischer Kleinarbeit ist der umfangreiche Datensatz einer rigorosen Qualitätskontrolle unterzogen worden. Dr. André Paul resümiert: "MARGO ist ein internationales Projekt mit einem besonderen Geist, in dem alle Beteiligten von der wissenschaftlichen Notwendigkeit, eine neue Klimakarte für die letzte Hocheiszeit zu schaffen, so überzeugt waren, dass sie es mit viel Begeisterung und zähem Erfolgswillen über viele Jahre ohne direkte finanzielle Förderung verfolgt haben - etwas, was mit den heute vorhandenen Förderinstrumenten und unter dem Zwang schneller Veröffentlichungen immer kleinerer Teilresultate sonst kaum mehr vorstellbar ist."

Link zur Online-Veröffentlichung:
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo411.html
Internationale Forschergruppe implementiert neues Tool
Kontakt:
PD Dr. Mara Weinelt
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel. (0431) 880-4618
E-Mail: mweinelt@gshdl.uni-kiel.de
Dr. André Paul
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
Universität Bremen
Tel: (0421) 218-65450
E-Mail: apaul@marum.de
Prof. Dr. Michal Kucera
Institut für Geowissenschaften
Universität Tübingen
Tel: (07071) 29-74674
E-Mail: michal.kucera@uni-tuebingen.de

Susanne Schuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de
http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo411.html
http://www.marum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht AWI-Forscher messen Rekordkonzentration von Mikroplastik im arktischen Meereis
25.04.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics