Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschungsergebnisse zu Schwankungen des Golfstromes

23.09.2008
Uni-Messmaschine zum FCKW-12- und Sulfuhexafluoridgehalt in Tiefenwassern erstmalig ozeanweit im Einsatz / "Zwei-Schiffe"-Expedition erfolgreich beendet

Mit einem großen Sack voll neuer Messdaten kehrten vergangene Woche die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Ozeanographie des Bremer Instituts für Umweltphysik heim. Am 23. Juli 2008 war die Bremer Arbeitsgruppe unter Leitung von Professorin Monika Rhein mit dem Forschungsschiff MARIA S. MERIAN in Bremen ausgelaufen, um die Klimarolle des Nordatlantiks zu untersuchen.

Diese Reise endete am 18. August 2008 in St. John's, Neufundland, Kanada, und wurde unter Leitung von Dr. Dagmar Kieke am 24. August 2008 mit dem französischen Forschungschiff THALASSA fortgesetzt. Insgesamt legte die Bremer Arbeitsgruppe fast 14500 km zurück und führte dabei Messungen auf 155 Stationen in fast allen Regionen des subpolaren Nordatlantiks durch.

Das Team um Monika Rhein untersucht seit vielen Jahren die Änderungen in der Bildung von Nordatlantischem Tiefenwasser. Dieses ist für die ozeanische Umwälzbewegung von großer Bedeutung. Im Zuge dieser Zirkulation wird mit dem Golfstrom warmes salzreiches Wasser aus den Tropen in den Nordatlantik hineintransportiert. Dort gibt es seine Wärme an die Atmosphäre ab und sinkt als kaltes Wasser in die Tiefe ab, wo es zurück nach Süden strömt. Seit zehn Jahren wird eine Abnahme in der Tiefenwasserbildung beobachtet, deren Ursachen und Zusammenhänge mit Änderungen in der Stärke des Golfstromes von der AG Ozeanographie untersucht werden.

"Die Zwei-Schiffe-Expedition war ein großer Erfolg", so die Bremer Umweltphysikerin Monika Rhein. "Zum ersten Mal konnten wir die Schwankungen des Golfstromes über dem Mittelatlantischen Rücken mit verankerten Boden-Echoloten über zwei Jahre direkt vermessen." Die Geräte ermöglichen eine Rekonstruktion des Transports aus Messungen der akustischen Laufzeit eines Signals. Dieses Signal wird von den ausgesetzten Geräten regelmäßig vom Meeresboden zur Oberfläche gesendet, dort reflektiert und zurück zum Meeresboden geschickt, wo die Bodensensoren die Ankunftszeit registrieren. Aus der Abhängigkeit von Schallgeschwindigkeit hinsichtlich Temperatur und Salzgehalt lässt sich somit die Schwankung des Transports ermitteln. Die Auswertung der gewonnenen Daten wird nun zeigen, inwiefern die Schwankungen des Golfstromes und der Tiefenwasserbildung in den letzten Jahren zusammenhingen.

Darüber hinaus kam zum ersten Mal die neue Bremer SF6-Maschine ozeanweit zum Einsatz. Dieses Gerät misst den Gehalt künstlicher Spurenstoffe wie FCKW-12 und Sulfuhexafluorid (SF6) in Wasserproben. Es wurde von der Arbeitsgruppe Ozeanographie des Bremer Instituts für Umweltphysik eigens für diese Zwecke entwickelt. Beide Gase werden über den Austausch zwischen Atmosphäre und Ozean in den Ozean eingebracht und gelangen mit dem neugebildeten Tiefenwasser in große Tiefen. Ihre gemessene Konzentration gibt Aufschluss über die Herkunft und das Alter von Tiefenwasser-Komponenten sowie über Änderungen in der Speicherfähigkeit des Ozeans hinsichtlich des Treibhausgases CO2. Das FCKW-12 steigt in der Atmosphäre nicht mehr an und liefert damit keine eindeutigen Aussagen hinsichtlich Zunahme der Konzentration. Der erfolgreiche Übergang von FCKW-12- zu SF6-Messungen setzt die bisherigen Messungen des Bremer Arbeitsgruppe auf hohem Niveau fort, denn die Bremer Maschine lieferte von Anfang an exzellente Daten, aus denen sich nun die Änderung der Tiefenwasserbildungsrate in den letzten zwei Jahren berechnen lässt.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Physik Elektrotechnik
Prof. Monika Rhein
Tel.: 0421 218 2408
E-Mail mrhein@physik.uni-bremen.de
Dr. Dagmar Kieke
Tel.: 0421 2184562
E-Mail dkieke@physik.uni-bremen.de

Angelika Rockel | idw
Weitere Informationen:
http://www.ocean.uni-bremen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Bisher unbekanntes Aussterben grosser Meerestiere entdeckt
27.06.2017 | Universität Zürich

nachricht Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland
26.06.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie