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Die Neandertaler könnten ausgestorben sein, weil ihre Zellen nicht mit den klimatischen Veränderungen der Eiszeit in Europa zu Recht gekommen sind. Der Molekularbiologe Patrick Chinnery von der Newcastle University hat gemeinsam mit seinem Kollegen Gavin Hudson potenziell schädliche Mutationen am neu sequenzierten mitochondrialen Genom festgestellt.
Vor allem wurden Gene gefunden, die mit neurodegenerativen Erkrankungen und Taubheit in Zusammenhang stehen. "Würde man diese Gene beim modernen Menschen finden, wären das wirklich schlechte Nachrichten," so Chinnery. Bis heute ist das Aussterben der Neandertaler vor rund 25.000 Jahren ein ungeklärtes Rätsel. Eine Theorie geht davon aus, dass sie dem modernen Menschen körperlich nicht gewachsen waren, eine andere, dass sie auch sonst nicht mithalten konnten. Eine weitere Theorie nimmt an, dass sie sich den klimatischen Veränderungen nicht anpassen konnten.
Die Entdeckung von schädlichen Mutationen unterstützt die Klima-Theorie, fügt ihr jedoch einen interessanten neuen Aspekt hinzu. Chinnery und Hudson gehen davon aus, dass die Mutationen den Neandertalern halfen mit dem kalten Wetter zurechtzukommen. Als das Klima begann zwischen kalten und warmen Perioden abzuwechseln, befanden sie sich im Nachteil. In allen Zellen produzieren die Mitochondrien mit der Chemikalie ATP die Energie für die Zellen. Das gelingt ihnen unter idealen Bedingungen ziemlich gut. 36 ATP-Moleküle voll Energie werden in einem einzigen Glukose-Molekül gespeichert. Mutationen, die diese Effektivität verringern, würden zu Bildung von Hitze führen. Ein potenziell nützlicher Trick für Neandertaler, die bekanntlich über Anpassungen an das kalte Wetter verfügten.
Passte die mitochondriale DANN die Neandertaler an die Kälte an, konnten sie mit den Veränderungen des Klimas nicht zu Rande kommen. Da bisher nur eine einzige Neandertaler-DNA sequenziert ist, bleibt diese Theorie laut New Scientist ein Provisorium. Laut Chinnery wird trotzdem eine Frage aufgeworfen, die genauer untersucht werden sollte.
Vielleicht müssen die Wissenschaftler auch gar nicht mehr lange warten. Edward Green vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie zuversichtlich, dass bald entsprechendes Forschungsmaterial zur Verfügung stehen wird. Gemeinsam mit seinem Kollegen Svante Pääbo publizierte er vor kurzem das erste komplette mitochondriale Genom eines Neandertalers.
Michaela Monschein | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.ncl.ac.uk
www.eva.mpg.de/german/index.htmist
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