Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neandertaler: Neue Theorie über Ursache für Aussterben

28.11.2008
Zellen konnten sich den klimatischen Veränderungen nicht anpassen

Die Neandertaler könnten ausgestorben sein, weil ihre Zellen nicht mit den klimatischen Veränderungen der Eiszeit in Europa zu Recht gekommen sind. Der Molekularbiologe Patrick Chinnery von der Newcastle University hat gemeinsam mit seinem Kollegen Gavin Hudson potenziell schädliche Mutationen am neu sequenzierten mitochondrialen Genom festgestellt.

Vor allem wurden Gene gefunden, die mit neurodegenerativen Erkrankungen und Taubheit in Zusammenhang stehen. "Würde man diese Gene beim modernen Menschen finden, wären das wirklich schlechte Nachrichten," so Chinnery. Bis heute ist das Aussterben der Neandertaler vor rund 25.000 Jahren ein ungeklärtes Rätsel. Eine Theorie geht davon aus, dass sie dem modernen Menschen körperlich nicht gewachsen waren, eine andere, dass sie auch sonst nicht mithalten konnten. Eine weitere Theorie nimmt an, dass sie sich den klimatischen Veränderungen nicht anpassen konnten.

Die Entdeckung von schädlichen Mutationen unterstützt die Klima-Theorie, fügt ihr jedoch einen interessanten neuen Aspekt hinzu. Chinnery und Hudson gehen davon aus, dass die Mutationen den Neandertalern halfen mit dem kalten Wetter zurechtzukommen. Als das Klima begann zwischen kalten und warmen Perioden abzuwechseln, befanden sie sich im Nachteil. In allen Zellen produzieren die Mitochondrien mit der Chemikalie ATP die Energie für die Zellen. Das gelingt ihnen unter idealen Bedingungen ziemlich gut. 36 ATP-Moleküle voll Energie werden in einem einzigen Glukose-Molekül gespeichert. Mutationen, die diese Effektivität verringern, würden zu Bildung von Hitze führen. Ein potenziell nützlicher Trick für Neandertaler, die bekanntlich über Anpassungen an das kalte Wetter verfügten.

Passte die mitochondriale DANN die Neandertaler an die Kälte an, konnten sie mit den Veränderungen des Klimas nicht zu Rande kommen. Da bisher nur eine einzige Neandertaler-DNA sequenziert ist, bleibt diese Theorie laut New Scientist ein Provisorium. Laut Chinnery wird trotzdem eine Frage aufgeworfen, die genauer untersucht werden sollte.

Vielleicht müssen die Wissenschaftler auch gar nicht mehr lange warten. Edward Green vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie zuversichtlich, dass bald entsprechendes Forschungsmaterial zur Verfügung stehen wird. Gemeinsam mit seinem Kollegen Svante Pääbo publizierte er vor kurzem das erste komplette mitochondriale Genom eines Neandertalers.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ncl.ac.uk
http://www.eva.mpg.de/german/index.htmist

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics