Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Möglicher direkter Vorfahre des Menschen entdeckt

12.09.2011
1,98 Mio. Jahre alt: Einzigartig vollständiger Fund aus Südafrika

Zwei Skelette, die 2008 nördlich von Johannesburg in Malapa entdeckt wurden, weisen mehrere Merkmale auf, die darauf schließen lassen, dass es sich bei den Funden um direkte Vorfahren der Gattung Homo handelt. Die 1,98 Mio. Jahre alten Überreste werden derzeit noch von Forschern der University of the Witwatersrand und Peter Schmid von der Universität Zürich untersucht. "Die Vollständigkeit des Fundes ist für Skelette dieses Alters einzigartig", sagt Schmid gegenüber pressetext.


Australopithecus Sediba: Urahn des Menschen (Foto: Uni Zürich)

Widersprüchliche Merkmale
Bei den zwei Skeletten handelt es sich um die Überreste einer etwa 30-jährigen Frau und eines zehn bis 13-jährigen Jungen. Die neue Hominidenart wurde vorläufig der Gattung Australopithecus zugeordnet und firmiert derzeit unter dem Namen "Australopithecus Sediba", was in der seSotho-Sprache "Brunnen" oder Quelle bedeutet. Die Zuordnung könnte sich laut Schmid aber noch ändern. Der Fund besteht aus mehreren Fragmenten, deren Prunkstück ein außergewöhnlich gut erhaltener Schädelknochen ist. Unter anderem waren auch noch ein Sprunggelenk, Teile einer Hüfte und mehrere Handfragmente unter den Überresten.

"Die Knochen sind in extrem gutem Zustand. Es handelt sich hier nicht um Fraßreste. Wir vermuten, dass die Hominiden durch einen Unfall ums Leben kamen und in eine Wasserlache fielen. Unter Sauerstoffabschluss versteinern Knochen durch die Hitzeentwicklung bei den Verwesungsprozessen schneller", erklärt Schmid. Der Schädelknochen lässt durch Abdrücke sogar noch Rückschlüsse auf das Gehirn zu, das bei einem Volumen von 440 Kubikzentimeter recht klein war. Die Struktur des Hirns weist aber schon moderne Ansätze auf. Auch andere Merkmale geben Rätsel auf. "Das Sprunggelenk mit dem gerade aufgesetzten Unterschenkel entspricht dem eines Zweibeiners. Das Fersenbein und dessen Muskelansätze sprechen aber eher für eine kletternde Form", so Schmid.

Parallele Entwicklung
Das Frontgebiss von Australopithecus Sediba ist erstaunlich menschenähnlich. Die Hände weisen modernere Züge auf als jene von jüngeren Funden, die bislang für die ersten Werkzeughersteller gehalten wurden. Der Schultergürtel weist wieder eher auf eine kletternde Art hin. Das Becken von "Sediba" weist sowohl Merkmale von Australopithecus als auch modernere Einflüsse auf. "Der Fund ist zum Teil Australopithecus und zum Teil Homo erectus. Formmäßig wäre es ein idealer Übergang. Die Fortbewegung war sicher zweibeinig", sagt Schmid.

Die Forscher gehen davon aus, dass es möglicherweise mehrere zeitgleich existierende Entwicklungslinien in Richtung zweibeinigem Gang gab.

Australopithecus Sediba ist im Vergleich zu anderen Funden ein aussichtsreicher Kandidat für den Platz in unserer Liste direkter Vorfahren. "Mehrere Elemente weisen darauf hin, dass es sich um einen direkten Vorfahren des modernen Menschen handelt und zwar um einen der ältesten", erklärt Schmid. Derzeit arbeitet der Professor an der Rekonstruktion des kompletten Skelettes. Bis zum Jahresende sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann können auch genauere Rückschlüsse über das Aussehen und die Fortbewegung von Sediba gezogen werden. Die Funde werden die Forscher aber wohl noch weitaus länger beschäftigen.

Markus Keßler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.wits.ac.za
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie