Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit GLORIA das Klima besser verstehen

11.01.2016

Das globale Klimageschehen ist komplex und viele Fragen sind noch offen. Klimaforscher des Forschungszentrums Jülich wollen nun zwei davon beantworten: Welche Prozesse beeinflussen den Ozonabbau in der untersten Stratosphäre? Und welche Rolle spielen die schwer aufzuspürenden Schwerewellen für das Klima? Dazu starten Jülicher Wissenschaftler zusammen mit Kollegen mehrerer deutscher Forschungseinrichtungen an Bord des Forschungsflugzeugs HALO vom schwedischen Kiruna aus zu Messflügen nach Norden. In bis zu 14 Kilometer Höhe wird auch der am Forschungszentrum Jülich entwickelte Detektor GLORIA zum Einsatz kommen.

Über der Antarktis bildet sich jedes Jahr ein Ozonloch, das mehr UV-Strahlung zum Erdboden durchlässt als die intakte Ozonschicht. Auch über der Arktis wird im Winter Ozon abgebaut, doch in welchem Umfang und wie dies genau abläuft, ist noch unklar.


HALO in der LuftForschungsflugzeug HALO im Einsatz

Copyright: DLR

Im Verbundprojekt POLSTRACC (Polar Stratosphere in a Changing Climate) starten Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich zusammen mit mehreren Partnern von Januar bis März 2016 vom schwedischen Kiruna aus mit dem Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) zu mehreren Messflügen in die Tropopausenregion, eine Schicht der Erdatmosphäre zwischen Troposphäre und Stratosphäre in etwa sieben bis 14 Kilometern Höhe. Dort sollen die Ozonkonzentration und die chemische Spurengaszusammensetzung über die Monate hinweg bestimmt werden.

"Wir wollen uns die polare Ozonchemie in der Tropopausenregion anschauen, denn dort sind noch viele Fragen offen", sagt Dr. Jens-Uwe Grooß vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung. "Aber es soll nicht nur Ozon gemessen werden, sondern zum Beispiel auch die Konzentration von Salpetersäure, denn sie beeinflusst, wie viel Ozon zersetzt wird. Außerdem wollen wir klären, in welchem Maß flüssige Salpetersäure-Aerosole daran beteiligt sind und wie weit nach unten der Ozonabbau in der Stratosphäre reicht."

GLORIA liefert mehr Daten als bisherige Geräte

Das für diese Messungen wichtigste Gerät an Bord wurde am Forschungszentrum Jülich und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt und gebaut: GLORIA (Gimballed Limb Observer for Radiance Imaging of the Atmosphere) ist ein Infrarotspektrometer, mit dem ein zweidimensionales Bild der Atmosphäre erstellt werden kann, sozusagen ein "Foto", etwa der Ozonverteilung.

"Mit GLORIA erhalten wir alle paar Sekunden während des Fluges ein Bild der gesamten Spurengasverteilung der Atmosphäre vom Boden bis zur jeweiligen Flughöhe", erläutert Jens-Uwe Grooß. "Das heißt, GLORIA liefert uns eine ungeheuer große Datenmenge." Diese Daten sollen im Projekt POLSTRACC ausgewertet werden, um die Prozesse in der Atmosphäre besser zu verstehen, damit zukünftige Klimamodelle genauere Prognosen liefern können.

Den Schwerewellen auf der Spur

Die Rolle der Schwerewellen am Klimageschehen ist bislang noch nicht völlig verstanden. Schwerewellen sind periodische Bewegungen der Luft, in denen diese auf- und absteigt und die dadurch mit Temperaturschwankungen von bis zu zehn Grad Celsius verbunden sind.

Die dreidimensionalen Wellenstrukturen haben häufig horizontale Wellenlängen von mehreren hundert Kilometern. Sie bilden sich in der Troposphäre und breiten sich nach oben in die Stratosphäre aus. Bekannt ist, dass Schwerewellen an der Atmosphärendynamik beteiligt sind, indem sie Energie in die obere Stratosphäre transportieren und dadurch die globale Luftmassen-Zirkulation beeinflussen.

Bislang waren Schwerewellen nur schwer zu beobachten. Ein Laser des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das dieses Projekt koordiniert, soll vom Flugzeug aus nach oben bis in die obere Stratosphäre Laserstrahlen aussenden und so helfen, Schwerewellen aufzuspüren. Und auch hier ist GLORIA beteiligt: Das Infrarotspektrometer soll über Temperaturmessungen die dreidimensionale Struktur der Schwerewellen sichtbar machen.

Über POLSTRACC

Etwa 70 Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker, Piloten und Logistiker werden im Hangar "Arena Arctica" im schwedischen Kiruna am Polarkreis vor Ort sein. Partner im Projekt POLSTRACC (Polar Stratosphere in a Changing Climate) sind neben dem Forschungszentrum Jülich das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sowie die Universitäten Heidelberg, Frankfurt, Mainz und Wuppertal. Zwischen Januar und März 2016 dient die "Arena Arctica" als Basis für zehn bis 15 Forschungsflüge über das Eismeer in Richtung Grönland und Nordpol.

Über HALO

Das Forschungsflugzeug HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen. Gefördert wird HALO durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Leibniz-Gemeinschaft, des Freistaates Bayern, des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ, des Forschungszentrums Jülich und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Weitere Informationen:

Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre (IEK-7)


Ansprechpartner:

Dr. Jens-Uwe Grooß
Institut für Energie- und Klimaforschung, Bereich Stratosphäre (IEK-7)
Tel.: 02461 61-9184
E-Mail: j.-u.grooss@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Erhard Zeiss, Pressereferent
Tel.: 02461 61-1841
E-Mail: e.zeiss@fz-juelich.de

Dr. Barbara Schunk, Pressereferentin
Tel.: 02461 61-8031
E-Mail: b.schunk@fz-juelich.de

Erhard Zeiss | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics