Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit FS Poseidon zur Azorenfront: Komplexe Mess-Strategien für dreidimensionale Ergebnisse

13.06.2016

Vom 13. Juni bis 1. Juli 2016 wird das Forschungsschiff FS POSEIDON Kurs auf den Nordostatlantik nehmen. Das wissenschaftliche Team um Fahrtleiterin Joanna Waniek hat sich vorgenommen, auf einem engmaschigen Stationsnetz und unter Einsatz moderner Unterwassertechnologie die so genannte Azorenfront dreidimensional zu vermessen. Mit diesen genaueren Informationen wollen sie herausfinden, ob sich der Subtropenwirbel vergrößert oder verlagert hat, worauf ihre früheren Beobachtungen hinweisen. Die Azorenfront stellt die nördliche Flanke des Wirbels dar und trennt das relativ kalte und nährstoffreiche Wasser des temperierten Nordostatlantiks von warmem nährstoffarmem Wasser aus den Subtropen.

33°N/22°W – wer diese Koordinaten anpeilt, landet im Nordostatlantik, mitten zwischen den Azoren und den Kanarischen Inseln, im Madeira Becken. Für Joanna Waniek, wissenschaftliche Leiterin der Forschungsfahrt auf FS POSEIDON, ist diese Position wie eine kleine Außenstelle des IOW.


FS Poseidon

Ralf Prien, IOW

Sie betreibt hier eine so genannte Verankerung - über 5.000 Meter Stahldraht, der mit einem Gewicht am Meeresboden festgehalten wird und durch Auftriebskörper aufrecht in der Wassersäule hängt. An ihm sind unterschiedliche Instrumente in ausgewählten Tiefen befestigt, um Strömungen, Salzgehalt und Temperatur zu messen.

In einer Tiefe von 2.000 und 3.000 Metern sind Probenahmegeräte installiert, die herabsinkende Partikel auffangen und sammeln. Die so gewonnenen Proben und Messdaten werden in Intervallen von 2 Jahre geborgen und gesichert.

Aber was ist an diesem Punkt im Nordatlantik so interessant, dass Joanna Waniek nun seit bereits mehr als 20 Jahren die Verhältnisse beobachtet? Die Verankerung befindet sich mitten in dem Gebiet des „Nordatlantischen Subtropischen Wirbels“. Nach Norden hin wird der Wirbel durch die Azorenfront begrenzt. Hier strömt der Azorenstrom – ein Seitenarm des Golfstroms entlang und grenzt kälteres und nährstoffreiches Wasser des temperierten Nordostatlantiks von warmem nährstoffarmem Wasser aus den Subtropen ab.

„Wir haben bereits gezeigt, dass eine nördliche Lage der Azorenfront viel nährstoffarmes Wasser über der Messkette bedeutet, was zu geringen Partikelflüssen in die Tiefsee führt.“, berichtet Joanna Waniek. „Generell bedeutet dies, dass die Azorenfront den Kohlenstoffkreislauf in dieser Region weitgehend bestimmt. Unsere bisherigen Arbeiten deuten aber auch darauf hin, dass die Azorenfront sich sukzessiv nach Norden bewegt.“ Allerdings ist zurzeit noch unklar, ob der Subtropenwirbel sich als Ganzes nach Norden verlagert oder sich gar der Nährstoff-arme Bereich des Nordatlantiks infolge des Klimawandels vergrößert. Die Ursachen hierfür sind noch nicht ausreichend verstanden.

Zusammen mit den an der Verankerung gewonnenen Messwerten werden dann Interpretationen über die Auswirkungen dieser Veränderungen möglich.

Aus diesem Grund wird das wissenschaftliche Team um Joanna Waniek an Bord von FS POSEIDON ein detailliertes dreidimensionales Bild der Azorenfront gewinnen. Mit dieser aktuellen Information, ergänzt um Messungen früherer Expeditionen sowie Satellitenmessungen hoffen sie, die beobachteten Veränderungen in der Region zu verstehen und die Entwicklung in der Zukunft besser vorhersagen zu können.

Als Messgeräte stehen ihnen dabei ein so genannter Scanfish, der - vom Schiff geschleppt - die Wassersäule undulierend durchfährt sowie eine Turbulenzsonde, die kleinskalige und kurzlebige Wasserbewegungen erfasst, zur Verfügung. Beide Geräte messen auf ihren Einsatzstrecken kontinuierlich ozeanografische Basisparameter. Ergänzend werden auf einem engen Stationsnetz mithilfe der CTD-Sonde zusätzliche Messungen vorgenommen.

Die Fahrt wird größtenteils über das BMWi-Projekt SMIS – Subsea Monitoring via Intelligent Swarms gefördert.

Das Forschungsschiff POSEIDON ist in Kiel beheimatet und wird vom GEOMAR, Helm-holtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, betrieben.

Expertenkontakt:
Prof. Dr. Joanna Waniek, Tel.: 0381 5197 300 | joanna.waniek@io-warnemuende.de

Kontakt IOW-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Kristin Beck | Tel.: 0381 – 5197 135 | kristin.beck@io-warnemuende.de
Dr. Barbara Hentzsch | Tel.: 0381 – 5197 102 | barbara.hentzsch@io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 88 Forschungsinstitu-te und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwis-senschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insge-samt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 18.100 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 9.200 WissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,64 Mrd. Euro. ( www.leibniz-gemeinschaft.de

Dr. Barbara Hentzsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: IOW Leibniz-Institut Ostseeforschung Poseidon Tiefsee Wassersäule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise