Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meteorologen der Universität Wien untersuchten Erwärmung der Arktis

11.09.2008
In "Nature" veröffentlichte Klimathese widerlegt

Die Arktis ist für die Klimaforschung besonders interessant, da sich diese Region in den letzten zwei Jahrzehnten weltweit am stärksten erwärmte.

Leopold Haimberger vom Institut für Meteorologie und Geophysik konnte gemeinsam mit WissenschafterInnen der ETH Zürich beweisen, dass die Erwärmung in der Arktis tatsächlich in Bodennähe maximal ist - und nicht, wie schwedische ForscherInnen zu Beginn des Jahres publizierten, in rund drei Kilometer Höhe.

Die neuen Forschungsergebnisse erscheinen in der September-Ausgabe von "Nature".

Haimberger verglich die damals ebenfalls in "Nature" veröffentlichten Ergebnisse des schwedischen Forscherteams mit seinen eigenen Daten zum Temperaturanstieg in der Arktis, die einen gänzlich anderen Trend zeigen: Das Temperaturmaximum wird nicht, wie die im Jänner in "Nature" publizierte Studie behauptet, in mehr als drei Kilometer über der Erdoberfläche erreicht, sondern in Bodennähe.

"Für die Klimaforschung machen diese drei Kilometer einen großen Unterschied, da mit solchen Daten Klimamodelle verifiziert werden, nach denen Strategien gegen die Erderwärmung entwickelt werden können", so Haimberger, der die Daten gemeinsam mit KollegInnen der ETH Zürich, Andrea N. Grant und Stefan Brönnimann, für die aktuelle Ausgabe von "Nature" (11. September 2008) erhob.

Ungenaue Datensätze
Wie es überhaupt zu solch einer falsch berechneten Temperaturkurve kommen konnte, liegt an einer, wie der Meteorologe sagt, "unvorsichtigen Verwendung" von bestehenden Datensätzen. Als Basis dienten der Gruppe um Rune G. Graversen (Universität Stockholm) die sogenannten ERA-40-Daten (European reanalysis/40 Jahre). Dabei handelt es sich um globale, für eine einfache Verarbeitung am Computer aufbereitete meteorologische Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Windstärke, Druck auf einem regelmäßigen Raster. Diese liegen von 1958 bis 2001 alle sechs Stunden vor. "Das ist ein toller Datensatz, der MeteorologInnen weltweit zur Verfügung steht. Aber diese Daten dürfen nicht unhinterfragt übernommen werden, da sie systematische Abweichungen und Fehler enthalten", erklärt Leopold Haimberger.

"Will man mit diesen Daten arbeiten, ist es notwendig, die systematischen Fehler zuvor zu korrigieren", erläutert der Meteorologe Haimberger, dessen Forschungsschwerpunkt auf dem beobachteten Klimawandel in der Arktis und den Tropen liegt. "Durch Fehler in den Daten wurde Graversen zu einer Fehlinterpretation verleitet."

"Unsere Erkenntnisse, dass das auftretende Temperaturmaximum in Bodennähe zu finden ist, basiert ausschließlich auf den Messungen der Radiosonden", so Haimberger: "Diese haben keine Schwierigkeiten mit Satellitendaten und die Qualität dieser Daten lässt sich auch sehr gut kontrollieren."

Das bodennahe Temperaturmaximum steht zudem auch im Einklang mit anderen durch den Klimawandel bedingten und bewiesenen Faktoren, wie der Abnahme des Eises, die zunehmende Luftverschmutzung oder der veränderte Strahlungshaushalt in der Arktis. Sie haben ihre stärksten Auswirkungen auf die Temperatur in Bodennähe und weniger auf höher gelegene Atmosphärenschichten.

Kommentar:
"Vertical structure of recent Arctic warming contested": http://www.nature.com/nature/journal/v455/n7210/full/nature07257.html von Andrea N. Grant, Stefan Brönnimann (Institute for Atmospheric and Climate Science, ETH Zürich) und Leopold Haimberger (Institut für Meteorologie und Geophysik, Universität Wien) zum "Nature"-Artikel "Vertical structure of recent Arctic warming" http://www.nature.com/nature/journal/v451/n7174/full/nature06502.html von Rune G. Graversen et al. (Department of Meteorology, Stockholm University), veröffentlicht in: "Nature" am 11. September 2008.
Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Leopold Haimberger
Institut für Meteorologie und Geophysik
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-537 12
Leopold.haimberger@univie.ac.at
http://homepage.univie.ac.at/leopold.haimberger/
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/
http://www.univie.ac.at/175
http://www.nature.com/nature/journal/v455/n7210/full/nature07257.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Metalle verbinden ohne Schweißen

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf

23.04.2018 | Medizin Gesundheit

Wie zerfallen kleinste Bleiteilchen?

23.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics