Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meteoriten-Erdbeben und Riesen-Tsunami vor 200 Millionen Jahren

09.12.2010
Gigantisches Meteoriten-Erdbeben und Riesen-Tsunami erschütterten Westeuropa vor 200 Millionen Jahren

Neue Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass ein gewaltiger Meteoriteneinschlag vor ziemlich genau 200 Millionen Jahren Westeuropa erschüttert und dabei ein gigantisches Erdbeben und einen zerstörerischen Tsunami ausgelöst hat.

Dies legen Studien eines deutsch-französischen Teams von Erdwissenschaftlern, darunter Dr. Martin Schmieder und Dr. Elmar Buchner vom Institut für Planetologie der Universität Stuttgart, Dr. Mario Trieloff und Dr. Winfried Schwarz vom Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg sowie Dr. Philippe Lambert vom Institut Sciences & Applications in Bordeaux, nahe. Spuren des kosmischen Einschlags am Ende der Trias-Zeit (letztere währte von etwa 250 bis 200 Millionen Jahren vor heute) sind noch heute unweit der Stadt Limoges im Westen Frankreichs zu erkennen.

Dort liegt der weitgehend von der Erosion abgetragene und ursprünglich wahrscheinlich bis zu 50 Kilometer große Impaktkrater von Rochechouart, in dem – ähnlich wie im rund 25 Kilometer durchmessenden Meteoritenkrater Nördlinger Ries in Süddeutschland – spezielle Gesteine auftreten, die von der unvorstellbar hohen Druck- und Hitzewelle während des Einschlags erzählen. Unter anderem findet sich im Rochechouart-Krater auch ein leuchtend grüner Suevit (Einschlagsgestein) durchgesetzt.

Mittels der aufwändigen Argon-Argon-Datierungsmethode hat das deutsch-französische Forscherteam zuletzt ein genaues Alter von 200 Millionen Jahren für den Rochechouart-Einschlag ermittelt. Das im damaligen Europa herrschende Meer war die so genannte Tethys, ein Vorläufer des heutigen Mittelmeeres, der in Westeuropa mit dem gerade neu entstandenen Atlantik in Verbindung stand. Wo sich heute der mehrere tausend Kilometer breite Nordatlantik befindet, war der Ozean zur damaligen Zeit gerade erst dabei, in schmale Gräben des aufbrechenden Superkontinents Pangäa vorzudringen. Das Ende der Triaszeit war zudem durch intensiven Vulkanismus im zentralen, sich öffnenden Atlantik geprägt.

Rekonstruktionen der Kontinentalplattenverteilung zur Zeit des Rochechouart-Einschlags zeigen, dass das Impakt-Ereignis sehr küstennah oder gar im Meer selbst stattgefunden hat, und dass enge Meeresstrassen die Ausbreitung einer durch den Einschlag ausgelösten Tsunami-Welle in verschiedene Richtungen unterstützt haben könnten.

Das Erdbeben, das durch den Einschlag des rund einen Kilometer großen, mehrere Milliarden Tonnen schweren und sehr schnellen Rochechouart-Meteoriten ausgelöst wurde, dürfte mit einer Magnitude von 11 auf der Richter-Skala die vielfache Energie des stärksten jemals von Menschen registrierten Erdbebens (Valdivia/Chile, 22. Mai 1960) freigesetzt haben.

In einem solchen Katastrophen-Szenario könnten nun erstmals großflächig verbreitete, mehrere Meter mächtige und bisher zwar bekannte aber rätselhaft gebliebene „Seismit“-und Tsunami-Ablagerungen des Rät – also Gesteinsschichten, die in der ausgehenden Triaszeit durch Erdbebenwellen verformt und durch Flutwellen an Land gespült wurden – in weiten Teilen der Britischen Inseln und in Südfrankreich ihre Erklärung finden. Es darf spekuliert werden, ob das globale Massensterben, das am Ende der Trias stattfand und damit die Jurazeit einleitete, mit dem Rochechouart-Ereignis in Verbindung steht.

Wie im Nördlinger Ries sind auch in der Gegend des Rochechouart-Einschlags viele historische Gebäude und Stätten, so die Thermen von Chassenon (dem galloromanischen Cassinomagnus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus) oder aber Schloss und Kirche der Kleinstadt Rochechouart aus dem Mittelalter, aus den lokalen exotischen Kratergesteinen erbaut. Wie das Ries ist auch die Impaktstruktur von Rochechouart mittlerweile nationaler Geopark, in dem die gewaltigen kosmischen Kräfte, die unseren Planeten erschüttern und umformen, beispielhaft im Gelände studiert werden können zum Bespiel im Meteoritenkratermuseum «Espace Météorite» in Rochechouart.

Quellen:
Schmieder, M., Schwarz, W. H., Buchner, E., Trieloff, M. & Lambert, P. (2010): A Rhaetian 40Ar/39Ar age for the Rochechouart impact structure (France) and implications for the latest Triassic sedimentary record – Meteoritics and Planetary Science, Heft Nr. 45, S. 1225-1242. Wiley-Blackwell.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1945-5100.2010.01070.x/abstract
DOI: 10.1111/j.1945-5100.2010.01070.x
Schmieder, M., Lambert, P. & Buchner, E. (2009): Did the Rochechouart impact (France) trigger an end-Triassic tsunami? – Abstract zur 72. Tagung der Meteoritical Society (13.-18. Juli 2009), Nancy, Frankreich – Meteoritics and Planetary Science (Supplement), abstract Nr. 5140. Wiley-Blackwell.

http://www.lpi.usra.edu/meetings/metsoc2009/pdf/5140.pdf

Kontakt:
Dr. rer. nat. Martin Schmieder
Diplom-Geologe
Institut für Planetologie
Universität Stuttgart
Herdweg 51
D-70174 Stuttgart - Germany
Tel.: 0 (049) 711 - 685 - 81315
Fax: 0 (049) 711 - 685 - 81341
eMail: martin.schmieder@geologie.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.suevite.com
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise