Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als 500 Millionen Menschen könnten von zunehmender Wasserknappheit betroffen sein

08.10.2013
Sowohl die Wasserverfügbarkeit für Millionen von Menschen als auch die Stabilität von Ökosystemen wie der sibirischen Tundra oder der indischen Grasländer sind durch den Klimawandel gefährdet.

Selbst wenn die globale Erwärmung auf 2°C über dem vorindustriellen Level begrenzt würde, könnten 500 Millionen Menschen zunehmender Wasserknappheit ausgesetzt sein – diese Zahl würde noch um weitere 50 Prozent steigen, wenn die Treibhausgasemissionen nicht bald verringert werden. Bei einer globalen Erwärmung von 5°C wären nahezu alle eisfreien Gebiete von Ökosystemänderungen betroffen.

Das zeigen sich ergänzende Studien, die von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) veröffentlicht wurden.

„Wir konnten eine Reihe wesentlicher Klimafolgen für die globalen Landflächen quantifizieren“, sagt Dieter Gerten, Leitautor einer der Studien. Bei einer durchschnittlichen Erwärmung von 2°C, der von der internationalen Gemeinschaft vereinbarten Grenze, wären 8 Prozent der Menschheit zusätzlich neuer oder erhöhter Wasserknappheit ausgesetzt. Eine Erwärmung um 3,5°C – die erreicht werden könnte, wenn die nationalen Emissionsreduktionen auf dem gegenwärtig zugesagten Stand bleiben – wären bereits 11 Prozent der Weltbevölkerung betroffen. Bei 5°C könnte der Anteil sogar auf 13 Prozent ansteigen.

„Hält das Bevölkerungswachstum weiter an, wäre das gegen Ende des Jahrhunderts und bei einem business-as-usual Klimaszenario mit weit mehr als einer Milliarde betroffener Menschen gleichzusetzen“, erklärt Gerten. „Und das zusätzlich zu den mehr als einer Milliarde Menschen, die bereits heute in wasserarmen Gebieten leben.“ Besonders verwundbar sind Teile Asiens und Nord-Afrikas, des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens.

Den Ökosystemen unseres Planeten stehen noch umfangreichere Änderungen bevor. "Das von Ökosystem-Veränderungen betroffene Gebiet würde sich bei einer globalen Erwärmung zwischen etwa 3 und 4°C verdoppeln", sagt Lila Warszawski, Leitautorin einer anderen Studie, die verschiedene Klimafolgenmodelle und die damit verbundenen Unsicherheiten systematisch miteinander vergleicht, um ein vollständigeres Bild der möglichen Auswirkungen des Klimawandels für natürliche Ökosysteme zu erlangen. Die Studie ist Teil des internationalen Inter-Sectoral Impact Model Intercomparison Project (ISI-MIP).

Eine Erwärmung von 5°C, wie sie bis zum Ende des Jahrhunderts bei unvermindertem Klimawandel eintreten könnte, würde schwerwiegende Veränderungen für fast alle terrestrischen natürlichen Ökosysteme bedeuten. „Trotz Unsicherheiten zeigen die Ergebnisse sehr klar, dass es für die globalen Ökosysteme einen gewaltigen Unterschied macht, ob man von einem Szenario ohne Klimaschutzmaßnahmen oder einem Szenario mit ehrgeizigem Klimaschutz ausgeht“, sagt Sebastian Ostberg, Leitautor der dritten Studie.

Zu den durch ungebremste globale Erwärmung besonders gefährdeten Regionen zählen die Grasländer im östlichen Indien, die Steppen des Hochlands von Tibet, die Wälder Nord-Kanadas, die Savannen Äthiopiens und Somalias sowie der Amazonas-Regenwald. Viele dieser Regionen verfügen über eine reiche und einzigartige Biodiversität.

Zusammengenommen erweisen sich die Veränderungen sowohl der Wasserverfügbarkeit als auch der Ökosysteme als nicht linear. „Unsere Ergebnisse stützen die Annahme, dass wir unsere natürlichen Systeme grundlegend destabilisieren – wir lassen damit die Welt, wie wir sie kennen, hinter uns“, sagt Wolfgang Lucht, einer der Autoren und Leiter des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse am PIK.

Beide Studien verwenden einen neuartigen methodologischen Ansatz, der neue Risiko-Messgrößen nutzt, die auf Veränderungen der Vegetationsstruktur und Änderungen in den Kohlenstoff- und Wasserflüssen basieren. Mit Simulationsmodellen der Biosphäre wurden hunderte von Szenarien des Klimawandels miteinander verglichen, um aufzuzeigen, welche Regionen als erste von kritischen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein könnten.

„Der Anstieg der Wasserknappheit wird sich unserer Studie zufolge auf die Lebensgrundlage vieler Menschen auswirken, wobei die Armen am stärksten betroffen sein werden“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, einer der Ko-Autoren und Direktor des PIK. Zum Teil könnten diese Klimafolgen durch Anpassungsmaßnahmen abgefangen werden, etwa die Ausweitung bewässerter Anbauflächen. Dies würde allerdings den Druck auf die Ökosysteme der Erde und die Wasserressourcen weiter erhöhen. „Hier geht es nicht um Gänseblümchen, sondern unser einzigartiges natürliches Erbe und unsere Lebensgrundlage. Deshalb müssen die Treibhausgasemissionen drastisch reduziert werden, und das bald.“

Artikel: Gerten, D., Lucht, W., Ostberg, S., Heinke, J., Kowarsch, M., Kreft, H., Kundzewicz, Z.W., Rastgooy, J., Warren, R., Schellnhuber, H.J. (2013): Asynchronous exposure to global warming: freshwater resources and terrestrial ecosystems. Environmental Research Letters, 8 [doi:10.1088/1748-9326/8/3/034032]

Artikel: Ostberg, S., Lucht, W., Schaphoff, S., Gerten, D. (2013): Critical impacts of global warming on land ecosystems. Earth System Dynamics, 4, 541-565, [doi:10.5194/esdd-4-541-2013]

Artikel: Warszawski, L., Friend, A., Ostberg, S., Frieler, K., Lucht, W., Schaphoff, S., Beerling, D., Cadule, P., Ciais, P., Clark, D.B., Kahana, R., Ito, A., Keribin, R., Kleidon, A., Lomas, M., Nishina, K., Pavlick, R., Rademacher, T.T., Piontek, F., Schewe, J., Serdeczny, O., Buechner, M., Schellnhuber, H.J. (2013): A multi-model analysis of risk of ecosystem shifts under climate change. In: Environmental Research Letters (accepted)

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
Weitere Informationen:
http://iopscience.iop.org/1748-9326/8/3/034032/article
(Link zum Artikel von Gerten et al)
http://www.earth-syst-dynam.net/recent_papers.html
(Link zum Artikel von Ostberg et al, sobald er am Dienstagnachmittag veröffentlicht wurde)

Jonas Viering | PIK Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Riesenfaultier war Vegetarier - Ernährung des fossilen Megatheriums entschlüsselt
18.04.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Drohneneinsatz in der Meeresforschung
13.04.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten