Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meeresspiegelanstieg: Neue Methode gibt realistischen Einblick

27.05.2014

Siegener Wissenschaftler sind an einer Veröffentlichung zum Meeresspiegelanstieg in der Fachzeitschrift "Nature Communications" beteiligt.

Ein internationales Forscherteam hat ein Verfahren entwickelt, dass eine Aussage darüber zulässt, wann eine signifikante Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs sicher nachgewiesen werden kann.


Ein internationales Forscherteam hat ein Verfahren entwickelt, dass eine Aussage darüber zulässt, wann eine signifikante Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs sicher nachgewiesen werden kann.

An dieser Studie waren auch Wissenschaftler der Universität Siegen beteiligt, u.a. Dr. Thomas Wahl vom Forschungskolleg Siegen (derzeit als Postdoc-Stipendiat an der University of South Florida tätig), der die Untersuchungen mit seinem Kollegen Dr. Ivan Haigh bereits im Jahr 2012 während eines Besuchs an der University of Western Australia begonnen hat, und Sönke Dangendorf von dem von Prof. Jürgen Jensen geleiteten Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu), Lehrstuhl Wasserbau und Hydromechanik. Die Ergebnisse sind nun in der Aprilausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht worden.

Die Untersuchungen haben international große mediale Aufmerksamkeit erlangt und werden intensiv diskutiert. Das Team analysierte Aufzeichnungen von 10 langzeitlichen Pegelmessstationen rund um den Globus, unter anderem auch Den Helder in der südöstlichen Nordsee. Die Forscher gingen der Frage nach, wann durch den anthropogenen Klimawandel verursachte Beschleunigungen im Meeresspiegelanstieg, die sich signifikant von den Entwicklungen in der Vergangenheit unterscheiden, frühestens zu erwarten bzw. zu detektieren sind.

„Es besteht ein wissenschaftlicher Konsens darüber, dass der Meeresspiegel im globalen mittel aktuell ansteigt“, so Hauptautor Dr. Ivan Haigh von der Universität Southampton. Offen dagegen ist die Frage, ob sich die Anstiegsraten in den vergangenen Jahren beschleunigt haben und falls ja, wie stark.

Einige Wissenschaftler vermuten, dass es aktuell eine Beschleunigung gibt, während andere wiederum die These unterstützen, dass sich die Anstiegsraten auf einem konstanten Niveau bewegen oder gar verlangsamen. In der nun durchgeführten Studie wurde eine neue Methode entwickelt, mit der geprüft werden kann, ob Beschleunigungen an einzelnen Lokationen weltweit aktuell detektierbar sind, und falls nicht, wann diese zukünftig zu erwarten sind.

„Die gemessenen Wasserstände sind das Produkt einer Reihe unterschiedlicher Prozesse im Ozean, welche auf unterschiedlichen Zeitskalen agieren“, so Mitautor Sönke Dangendorf vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt der Universität Siegen.“Diese reichen von Sekunden bis hin zu mehreren Dekaden. In der Deutschen Bucht beispielsweise interagieren die Wasserstände auf mehrdekadischen Skalen stark mit der Nordatlantischen Oszillation, einem Wetterphänomen über dem Nordatlantik.

Diese Prozesse sorgen für eine nicht zu vernachlässigende natürliche Variabilität in den Zeitreihen und überblenden damit mögliche Beschleunigungssignale. Unsere Studie zeigt, dass ein vertieftes Verständnis solcher Prozesse dabei helfen kann, Beschleunigungen viel früher als bisher zu detektieren.“

Koautor Dr. Thomas Wahl fügt hinzu:“ Durch die Entwicklung dieser neuen Methode, die einen realistischen Einblick in potentielle zukünftige Entwicklungen gibt, ist es uns nun möglich früher abzuschätzen welchem Entwicklungspfad der Meeresspiegelanstieg folgt.

Mit dieser Information können wir Langzeitprognosen, z.B. für Metropolregionen wie Hamburg, deutlich früher wagen und zeitnah optimierte Anpassungsstrategien für den Küstenschutz erarbeiten. Die Analysen sollten alle 5 bis 10 Jahre wiederholt werden, um noch mehr Sicherheit auf Basis der aktuellsten Daten zu erlangen“.

Details finden Sie in Ivan D. Haigh et al., “Timescales for detecting a significant acceleration in sea level rise,” Nature Communications 5 (14 April 2014), article number: 3635 (doi:10.1038/ncomms4635)

Katja Knoche | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-siegen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie