Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Massensterben: Erholung dauert zehn Mio. Jahre

30.05.2012
Schlechte Vorzeichen für Ausgleich des heutigen Artenverlustes

Etwa zehn Mio. Jahre hat es gedauert, bis sich der Planet Erde von seinem bisher größten Massenaussterben erholt hat.


Vulkan: Heutiger Artenverlust drastischer als früherer (Foto: Flickr/Jurvetson)

Das behaupten Geowissenschaftler um Zhong-Qiang Chen von der China University of Geosciences in Wuhan http://en.cug.edu.cn in der Zeitschrift "Nature Geoscience". Am Ende des Perm-Zeitalters vor 250 Mio. Jahren wäre das Leben um ein Haar völlig ausgelöscht worden, überlebte doch nur knapp jede zehnte Art den tödlichen Mix aus Klimawandel, sauren Regen sowie in den Meeren Versauerung und Sauerstoffmangel. Über die Frage, wie es nach dieser Krise weiterging, ist die Wissenschaft bisher noch immer uneins.

Selbst für Schnellversion 500 Jahrtausende nötig

Das Team um Chen sieht Hinweise dafür, dass die Erholung mindestens fünf Mio. Jahre dauerte: Nach der ersten Auslöschungswelle sei es wiederholt zu kritischen Kohlendioxid- (CO2) und Sauerstoffwerten und Klimaerwärmungen gekommen. Durch das fehlende gesamte Gleichgewicht gab es für Organismen, die sich anpassten, immer wieder Rückschläge. "Erst im Laufe von Millionen Jahren hat sich das Leben wieder erholt, so als ob jemand den Reset-Knopf gedrückt hätte", sagt Studien-Coautor Michael Benton von der Universität Bristol http://bris.ac.uk .

Vertreter der schnellen Erholung ist hingegen Michael Hautmann vom Paläontologischen Institut und Museum der Uni Zürich http://pim.uzh.ch . "Unsere Untersuchungen der Fauna dieser Zeit zeigen, dass die Erholung schon eine halbe Mio. Jahre nach der Auslöschung einsetzte. Zwar dürfte diese Entwicklung später tatsächlich durch spätere Aussterbe-Ereignisse wieder unterbrochen worden sein, besonders infolge von Vulkanen, die CO2 und Schwefeldioxid (SO2) in die Atmosphäre pumpten und dabei langfristig die Meere versauern ließen. Überraschenderweise scheinen sich aber viele Ökosysteme bei nachlassendem Umweltstress sehr schnell wieder erholt zu haben", so der Forscher im pressetext-Interview.

Lage kritischer denn je

Worin sich beide Forschergruppen einig sind: Frühere Massenaussterben liefern Anhaltspunkte für die Frage, wie sich das Leben auf unserem Planet nach der aktuellen Krise verhalten könnte. Schon früher wurden die derzeitigen Folgen von Abholzung, Ausbeutung der Erde und Klimawandel als "sechstes Massenaussterben" bezeichnet (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20101027033 ).

"Die heutige Lage ist in manchen Aspekten sogar kritischer als am Ende des Pern: Die heutigen Rate an CO2- und SO2-Ausstößen liegt deutlich über jener des einstigen Vulkanismus, zudem erfolgt der Wandel weitaus schneller, sodass Puffermechanismen in den geochemischen Kreisläufen nicht greifen können", sagt Hautmann.

Ob und wie die Erholung gelingt, hängt stark vom jeweiligen Organismus ab, betont der Züricher Paläontologe. "Krustentiere im Meer konnten sich nach manchen Massenausstebe-Ereignissen in der erdgeschichtlichen Vergangenheit in weniger als 100.000 Jahren wieder erholen. Die ökologisch weitaus sensibleren Korallenriffe fehlten in diesen Fällen hingegen über Millionen von Jahren in den Fossilberichten."

Abstract der Studie unter http://www.nature.com/ngeo/journal/vaop/ncurrent/full/ngeo1475.html

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://en.cug.edu.cn

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Winzige Eisverluste an den Rändern der Antarktis können Eisverluste in weiter Ferne beschleunigen
11.12.2017 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz