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Marmorkarpfen: Von 5 auf 150 Zentimeter in 37 Millionen Jahren

12.03.2014

Bei Ausgrabungen im vietnamesischen Braunkohle-Tagebau Na Duong entdeckte ein Team der Universität Tübingen und des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment Tübingen den weltweit ältesten Marmorkarpfen. Planktophaga minuta ist gleichzeitig mit einer Länge von nur 5 Zentimetern der kleinste bekannte fossile Vertreter der ostasiatischen Tiergruppe. Heutige Marmorkarpfen zählen mit bis zu 1,5 Metern Länge und über 50 Kilogramm Gewicht zu den größten lebenden Karpfenfischen.

Seit 2008 erforscht ein internationales Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) der Universität Tübingen in Vietnam urzeitliche Ökosysteme und Fossilien.


37 Millionen Jahre alte Zähne eines Marmorkarpfens

Foto: Senckenberg

Dabei sind die Wissenschaftler auf ca. 37 Millionen Jahre alte Ablagerungen des RhinChua-Sees aus dem späten Eozän gestoßen. Die im Süßwasser abgelagerten Sedimente entpuppten sich als reich an fossilen Tieren und Pflanzen. Daher wird der RhinChua-See von den Forschern auch als „asiatisches Messel“ bezeichnet.

Bei den Untersuchungen entdeckte das Forscherteam Zähne einer völlig neuen Tiergattung und -art: Der bisher älteste bekannte Marmorkarpfen, Planktophaga minuta, ist ein Vertreter der „East Asian group of Leuciscinae“.

Mit einer Länge von ca. 5 Zentimetern ist er der kleinste fossile Vertreter der ostasiatischen Tiergruppe und ein Winzling im Vergleich zu den Marmorkarpfen der Gegenwart. Heutzutage zählen diese zu den größten lebenden Karpfenfischen: Sie werden bis zu 1,5 Meter lang und bis zu 50 Kilogramm schwer.

Planktophaga minuta und seine Verwandten

Neben Planktophaga minuta (zu deutsch: kleiner Planktonfresser) sind sechs weitere Karpfenarten im RhinChua-See entdeckt worden. Sie alle haben lebende Verwandte, die noch heute im Pearl- und Yangtse-Flusssystem Chinas heimisch sind. Das beweist, dass die Wurzeln der heutigen Süßwasserfisch-Fauna in Ostasien weit zurück reichen. 

Marmorkarpfen im Exil

Ursprünglich ist der Marmorkarpfen in größeren Flüssen und stehenden Gewässern Südchinas beheimatet. In den sechziger Jahren wurden Marmorkarpfen in Europa, darunter auch in Deutschland, zur Bekämpfung von Wasserpflanzen eingeführt. Später erst stellten Forscher fest, dass sie diesen „Auftrag“ nicht erfüllten, da sie sich hauptsächlich von tierischem Plankton ernähren. In Europa leben ausgesetzte Marmorkarpfen in Weihern, Seen und vereinzelt in Fließgewässern. 

Publikation

Böhme, M. et al.; Na Duong (northern Vietnam) – an exceptional window into Eocene ecosyxtems from Southeast Asia, ZittelianaA 53, 120 A 5 (2014).
Online: http://www.palmuc.de/bspg/images/pdf/10_boehme.pdf

Kontakt

Prof. Dr. Madeleine Böhme
Fachbereich Geowissenschaften
Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment
(Zurzeit auf Forschungsreise)
Madelaine.boehme@senckenberg.de

Pressestellen

Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Ilona Bröhl
Tel. 069- 7542 1444
pressestelle@senckenberg.de

Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Antje Karbe
Tel. 07071 – 29-76789
antje.karbe@uni-tuebingen.de

Weitere Informationen:

http://www.palmuc.de/bspg/images/pdf/10_boehme.pdf

Dr. Sören Dürr | Senckenberg

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