Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mainzer Archäologen legen assyrischen Palast frei

22.10.2008
Ungewöhnliche Bestattungsform zeigt fremde Kultureinflüsse

Die Ausgrabung eines Assyrerpalastes in der Südosttürkei bringt interessante Erkenntnisse für die Archäologie zutage. Funde einer Brandbestattung, die bei den Assyrern nicht üblich war, lassen auf fremdländische Einflüsse schließen. Zudem wurde eine große Anzahl von Grabbeigaben gefunden.

Ein deutsches Team vom Institut für Ägyptologie und Altorientalistik der Universität Mainz führte die Grabung durch, in Kooperation mit Archäologen der Universitäten Akron (USA), Cambridge und Istanbul. Der ausgegrabene Palast eines assyrischen Statthalters wird auf die Zeit des neunten bis sechsten vorchristlichen Jahrhunderts datiert.

Die Grabung gab Einblick in ungewöhnliche Formen der Brandbestattung. Im Assyrerreich war aufgrund spezieller Jenseitsvorstellungen die Bestattung des gesamten Körpers im Bereich der Wohnhäuser üblich. Funde von Bronzeurnen in der Palastruine des Ziyaret Tepe und andere Hinweise zeigen aber, dass die Toten auf einem Scheiterhaufen im Hofbereich verbrannt und anschließend an Ort und Stelle bestattet wurden. Die fünf bisher gefundenen Brandgräber könne man auf zweierlei Weisen interpretieren, so der deutsche Forschungsleiter Dirk Wicke im pressetext-Interview. "Entweder sind in diesem Grenzgebiet der Assyrer andere lokale Bestattungsformen eingesickert oder es handelt sich um Einflüsse aus anderen Teilen des Reiches. Die Deportation von Bevölkerungsteilen eroberter Gebiete war gängige Praxis der Assyrer."

Die nun freigelegten, teils unberührten Brandgruben enthielten reiche Grabbeigaben. Bronzegefäße, Stein- und Elfenbeingefäße, gravierte Elfenbeineinlagen, Siegel und Perlen zeigen den hohen Status der hier bestatteten Personen an. In früheren Grabungen waren bereits Gefäße und Geschirr aus getriebener Bronze mit Verzierungen gefunden worden. Die Funde werden nach ihrer Restaurierung in einem gesonderten Raum des regionalen archäologischen Museums von Diyarbakir ausgestellt.

Der Obere Tigris geriet Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends unter assyrische Herrschaft. Der Grabungsort hieß früher Tuschan und war Hauptstadt der Provinz. Sein Verwaltungspalast wurde Inschriften gemäß im Jahr 882 v. Chr. unter dem Assyrerkönig Assurnasirpal errichtet. Farbige Wandmalereien, eine Herdwagen-Vorrichtung und geflieste Räume, allesamt Funde der Mainzer Archäologen, lassen auf hohen Wohnkomfort schließen. "Gerade im kalten anatolischen Winter sind Heizeinrichtungen in den Lehmziegelpalästen ein großer Komfort", meint Wicke. Auch damals prägte die Landwirtschaft den Alltag und das Klima habe sich seither kaum geändert. Botanische und zoologische Analysen von Bodenproben sollen zeigen, ob auch damals schon dieselben Tierarten gehalten wurden.

Viel Zeit bleibt nicht mehr, um der neuassyrischen Stätte die letzten Geheimnisse zu entlocken: 2012 geht der Ilisu-Staudamm in Betrieb, in dessen Überflutungsgebiet sich der Grabungshügel befindet. So lange soll das Grabungsprojekt noch fortgesetzt werden.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de

Weitere Berichte zu: Assyrer Bestattungsform Brandbestattung Grabbeigaben Palast

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics