Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magmakammer des Laacher-See-Vulkans ist Jahrtausende vor Ausbruch entstanden

17.08.2010
Göttinger Geochemiker untersuchen junge Vulkangesteine – Magmasystem vermutlich noch aktiv

Unmittelbar bevorstehende Vulkanausbrüche kündigen sich meist über Wochen und Monate an. Weitgehend unerforscht ist bislang die Frage, über welche Zeiträume sich die Magma genannte Gesteinsschmelze im Erdinnern vor einer solchen Eruption ansammelt.

Geochemiker der Universität Göttingen haben nun gemeinsam mit Wissenschaftlern der University of California in Los Angeles die Kristallisationsgeschichte des Magmas des Laacher-See-Vulkans in der Eifel vor dessen Ausbruch untersucht. Die isotopengeochemische Analyse zeigt, dass die Eruption vor 13.000 Jahren eine lange Vorgeschichte hatte: Bereits 17.000 Jahre zuvor gibt es erste Anzeichen für eine Magma-Ansammlung; 4.000 Jahre zuvor vergrößerte sich dann die unterirdische Magmakammer erneut. Das Wissenschaftlerteam vermutet, dass das langlebige Magmensystem noch immer aktiv ist. Die Untersuchungsergebnisse sind in den internationalen Wissenschaftszeitschriften Journal of Petrology und American Mineralogist erschienen.

Die Eifel zählt zu den jüngsten Vulkangebieten Mitteleuropas. Bei Vulkanforschern gilt sie als eines der am besten untersuchten Vulkangebiete weltweit. Die wichtigsten Daten zur Entstehung der Magmen, zur Eruptionsabfolge und zum dabei ausgeworfenen Magmavolumen sind recht gut bekannt.

„Um rechtzeitig vor Vulkanausbrüchen warnen zu können und um die Wirksamkeit geophysikalischer Methoden zur Tiefensondierung von Magma in der Erdkruste abzuschätzen, ist es wichtig, die Verweildauer des Magmas im Untergrund des Vulkans zu kennen. Zur Geschichte der teilweisen Erstarrung der Gesteinsschmelze durch Kristallisation vor der Eruption lagen aber bisher wenig Informationen vor“, so Prof. Dr. Gerhard Wörner vom Geowissenschaftlichen Zentrum, Abteilung Geochemie, der Universität Göttingen.

Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts hat das deutsch-amerikanische Wissenschaftlerteam die Vorgeschichte des Magmas aus dem Laacher See rekonstruiert. Für die Datierung von Kristallen, die sich bereits vor der Eruption gebildet haben, wählten sie einen neuen Ansatz: In bestimmten Typen von ausgeworfenen Bruchstücken des Randes der Magmakammer des Laacher Sees suchten sie nach den darin enthaltenen Mineralen Zirkon und Pyrochlor. Wegen ihres hohen Gehalts an Uran und Thorium lässt sich das Kristallisationsalter dieser Minerale besonders gut bestimmen.

Damit können die Wissenschaftler die lange Vorgeschichte der Magmakammer des Laacher Sees belegen. „Bereits vor 30.000 Jahren haben sich Schmelzen in geringer Tiefe angesammelt. Besonders viele der analysierten Minerale haben ein Alter von 17.000 Jahren“, fasst Prof. Wörner zusammen. Für die Wissenschaftler sind dies Indizien, dass der Ursprung der Magmakammer in seinen Anfängen schon 30.000 Jahre alt ist und diese sich rund 4.000 Jahre vor dem Vulkanausbruch noch einmal deutlich vergrößerte.

Warum das Magma nach tausenden von Jahren der Kristallisation in geringer Tiefe dann gerade vor 12.900 Jahren eruptierte, darüber lässt sich bislang nur spekulieren. Tektonische Spannungen in der Erdkruste, Überdruck in der Kammer durch eine Anreicherung vulkanischer Gase oder ein erneuter Magmaschub aus dem Erdmantel sind mögliche Erklärungen. „Unsere Analysen haben aber gezeigt, dass die Entwicklung der Magmakammer des Laacher Sees mindestens doppelt so lange gedauert hat wie der Zeitraum, der seit dem ersten Ausbruch vergangen ist. Dies belegt, dass das untersuchte Magmensystem sehr langlebig und vermutlich noch immer aktiv ist. Eine erneute Aktivität des Laacher-See-Vulkans innerhalb der nächsten Jahrtausende ist keineswegs auszuschließen, sondern sogar sehr wahrscheinlich“, so Prof. Wörner.

Originalveröffentlichungen:
Axel K. Schmitt, Florian Wetzel, Kari M. Cooper, Haibo Zou und Gerhard Wörner: Magmatic Longevity of Laacher See Volcano (Eifel, Germany) Indicated by U–Th Dating of Intrusive Carbonatites, 2010, Journal of Petrology, 51, 1053-1085, doi: 10.1093/petrology/egq011

Florian Wetzel, Axel K. Schmitt, Andreas Kronz und Gerhard Wörner: In situ 238U-230Th disequilibrium dating of pyrochlore at sub-millennial precision, 2010, American Mineralogist, volume 95, pages 1353-1356

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Gerhard Wörner
Georg-August-Universität Göttingen
Geowissenschaftliches Zentrum – Abteilung Geochemie
Goldschmidtstraße 1, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-3971, Fax (0551) 39-3982
E-Mail: gwoerner@gwdg.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-geochem.gwdg.de
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3628
http://www.uni-geochem.gwdg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics