Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Luftqualität in der Euregio könnte besser sein

01.02.2010
Das Geographische Institut der RWTH Aachen hat gemeinsam mit in- und ausländischen Partnern mit dem Aufbau eines Informationssystems für Feinstaub begonnen.

Dieses auf drei Jahre angesetzte INTERREG-IV-Projekt der EUREGIO Maas-Rhein konzentriert sich darauf, eine einheitliche Verfahrensweise für die grenzüberschreitende Feinstaubproblematik zu schaffen, und Verbesserungen bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, wie dem Austausch von Messdaten und -verfahren zwischen den beteiligten Instanzen und der Information der Öffentlichkeit, zu erzielen. Letztendlich sollen dadurch die Luftqualitätspläne und Verwaltungsmaßnahmen besser aufeinander abgestimmt werden.

Feinstaub in unserer Umgebung ist eine der wichtigsten Ursachen für die Entstehung oder Verschlechterung zahlreicher Erkrankungen der Atemwege und des Herz- und Gefäßsystems. Die Reduzierung der statistischen Lebenserwartung durch Feinstaub um derzeit ca. 10 Monate wird in der Euregio mit einer Bevölkerung von 3 Millionen Einwohnern für das Jahr 2010 schätzungsweise einen Verlust von 30.000 gesunden Lebensjahren zur Folge haben.

Wichtige Verursacher von Feinstaub sind Verkehr, Heizungsanlagen und Industrie. Die Europäische Union hat Grenzwerte festgelegt, die in der Euregio jedoch häufig überschritten werden. Vor allem der Grenzwert für die Anzahl von Tagen über dem maximal zulässigen Tagesdurchschnittswert kann an vielen Orten nicht eingehalten werden. Dies hat nicht nur Folgen für die Gesundheit, sondern auch für die Entwicklung neuer Infrastrukturprojekte, da zusätzliche Feinstaubquellen bei Grenzwertüberschreitungen kritisch sind.

Ein früheres Untersuchungsprojekt zur Wirksamkeit der verfügbaren industriellen Filter für Feinstaub hat ergeben, dass die Messmethoden in den drei Ländern unterschiedlich sind. Es bestehen nicht nur Unterschiede in der Art und Weise, wie der Feinstaub von den unterschiedlichen Instanzen gemessen wird, auch die Interpretation der Messergebnisse und die Verarbeitung dieser Messungen in unterstützenden Modellen sowie die Bilanzierung der räumlichen Verteilung der Belastung sind unterschiedlich. Diese Daten sind aber notwendig für die Erstellung und Evaluierung von Verwaltungsmaßnahmen und Luftqualitätsplänen. Es besteht also ein Bedarf an Abstimmung.

Genau diese Abstimmung soll durch das Untersuchungsprojekt ermöglicht werden. Angefangen wird bei Messmethoden und der Messapparatur: es wird ein mobiles Referenzlabor eingerichtet, das in den drei Ländern an ausgewählten Standorten zum Vergleich mit der jeweils vorhandenen Apparatur eingesetzt werden soll. Dadurch erhält man gleichwertige Messergebnisse. Die so gewonnenen gleichwertigen Daten werden im nächsten Schritt auf einheitlich erzeugte Karten übertragen, um die grenzüberschreitende Feinstaubbelastung und die Standorte der Feinstaubquellen aufzuzeigen.

Die Analyse der Ergebnisse, denen auch Daten anderer Untersuchungen hinzugefügt werden, ermöglicht die Formulierung von Empfehlungen, mit deren Hilfe dann gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um die jeweiligen Quellen in der Euregio gezielter angehen zu können. Dabei soll auch eine enge Zusammenarbeit mit externen Partnern im In- und Ausland praktiziert werden. Auf diese Art soll ein Beitrag zu einer gesünderen und nachhaltigen Umwelt in der Euregio realisiert werden.

Die Partner dieses Projektes sind die Provinz Limburg in den Niederlanden (für das Centre for Sustainable Environment), das ISSeP in Lüttich, das Geographische Institut der RWTH Aachen (Lehr- und Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie) und das Centrum voor Milieukunde (Forschungsgruppen "Angewandte und Analytische Chemie" und "Umweltbiologie") an der Universität Hasselt.

Darüber hinaus werden einige Einrichtungen mit großem Fachwissen im Bereich der Feinstaubmessungen in das Projekt einbezogen. Dies betrifft die Flämische Umweltagentur (Vlaamse Milieu maatschappij, VVM), die Wallonische Umweltagentur (Agence Wallone de L'Air et du Climat. AWAC), das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), die Niederländische Gesundheitsbehörde (GGD Amsterdam) und das Niederländische 'Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu' (RIVM).

Das Projekt steht im Rahmen des operationellen Programms INTERREG IV-A Euregio Maas-Rhein, das unter anderem durch den EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) finanziert wird, wobei die regionalen Behörden der unterschiedlichen Länder als Co-Finanzierer auftreten (z.B. das Land Nordrhein-Westfalen).

Weitere Information:

Dr. Ir. C.J.A.L. Mentink
Tel: 0031-6-34381257
E-mail: c.mentink@hszuyd.nl
Dr. Gunnar Ketzler
Lehr- und Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie der RWTH Aachen
Tel: 0241/80-96058
E-mail: gunnar.ketzler@geo.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen