Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Logbücher von Seefahrern als Klima-Lexikon

06.10.2009
Forscher erhoffen Informationen über Änderungen der vergangenen 200 Jahre

Aufzeichnungen in den Logbüchern der Seefahrer im 18. Jahrhundert können Wissenschaftlern Daten über die Klimaveränderungen in den vergangenen 200 Jahren liefern.

Unter den rund 300 Logbüchern von Schiffen der königlichen britischen Flotte befinden sich auch jene von Kapitän James Cook und jene der HMS Beagle, auf der Charles Darwin seine Weltreise unternommen hat.

Die Logbücher sollen im kommenden Jahr auf der Website des National Archives Online verfügbar sein. Bereits jetzt werden die Daten von Forschern der University of Sunderland evaluiert.

Zum Teil enthalten die Aufzeichnungen, die bis 1760 zurückreichen, genaue Angaben über die Temperaturen, den Luftdruck, die Windrichtung und -geschwindigkeit. Zum Teil wurden die Details sogar stündlich eingetragen, zumindest aber täglich auf den aktuellen Stand gebracht, hat das Forschungsprojekt CORRAL (UK Colonial Registers and Royal Navy Logbooks) gezeigt. Jüngere Aufzeichnungen waren aufgrund der verbesserten Messgeräte noch präziser.

Für die moderne Klimaforschung sind die Eintragungen in die Logbücher eine ideale Fundgrube um gewisse Wetterprofile bis zum Beginn des Industriezeitalters zu erhalten. "Solche Datensammlungen sind sehr wichtig", betont der Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur http://www.boku.ac.at im pressetext-Interview. In Mitteleuropa greife man beispielsweise auf Wetteraufzeichungen von Klöstern oder Weinbauern zurück. "Logbücher von Schiffen sind allerdings aufgrund der Reglementierung und des geordneten Ablaufs an Bord wesentlich genauer", so der Experte. Die Besatzung auf einem Schiff sei daran interessiert gewesen, allfällige Unwetter möglichst früh zu erkennen. "Aufpassen muss man lediglich bei der Interpretation der Daten." Es sei vorgekommen, dass aufgrund bestimmter Interessen Daten absichtlich fehlerhaft eingetragen wurden. "Es ist eine gewisse Kunst des Selektierens erforderlich", erklärt Formayer.

"Die Beobachtungen und die Einträge in den Logbüchern, besonders was Windgeschwindigkeiten und das Wetter anlangt, sind erstaunlich gut und zum Teil viel besser als in modernen Logbüchern", so Klimaforscher Dennis Wheeler von der University of Sunderland. "Natürlich mussten die Seeleute sehr gewissenhaft sein, denn die Gefahr irgendwo auf ein Riff zu laufen, war ein Ansporn dazu, sehr genau zu sein." Ein weiterer Vorteil der Schiffslogbücher ist, dass sie Messdaten weit über den Globus verstreut liefern. "Wir haben auch recht genaue Wetter-Informationen über die Karibik oder die atlantische Insel St. Helena", so die britischen Forscher.

"Was auch immer am Meer geschehen ist, läßt gute Rückschlüsse auf das Geschehen in der Atmosphäre zu", betont auch Formayer. Bis zu den Messdaten der Satelliten habe es darüber nämlich kaum Aufzeichnungen gegeben. "Die Marine war es übrigens auch, die die ganze Meteorologie gefördert hat und eine der treibenden Kräfte war", erklärt Formayer abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nationalarchives.gov.uk/documentsonline
http://www.sunderland.ac.uk
http://www.corral.org.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie