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Lebensfreundliche Bedingungen: Mars-Rover Opportunity entdeckt Gipsadern am Einschlagskrater

04.05.2012
Tübinger Geowissenschaftler an internationaler Science-Publikation beteiligt.

Der NASA Mars-Rover Opportunity hat Ende 2011 am Rande des Meteoriten-Einschlagskraters Endeavour Gipsadern entdeckt. Gips wird in Wasser mit einer Temperatur unterhalb von 60°C abgeschieden. Der Fund belegt damit zumindest vorübergehend lebensfreundliche Bedingungen auf dem Mars.


Dieses mit Opportunitys Panoramakamera (Pancam) aufgenommene Farbbild zeigt 'Homestake', eine mit den wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers im Detail untersuchte Gipsader. Homestake ist etwa 1 - 1,5 cm breit und 50 cm lang
Bildquelle: NASA/JPL-Caltech/Cornell/ASU


Opportunity legte von der Landestelle im Eagle-Krater bis zum Rand von Endeavour mehr als 33 km zurück (blaue Linie). Ein Ausschnitt Endeavours ist rechts unten am Bildrand zu sehen. Die Gesteine des Kraterrandes sind im Cape York freigelegt. Das Bild ist ein Mosaik von Bildern aufgenommen mit der 'Context Camera' an Bord von NASAs Mars Reconnaissance Orbiter
Bildquelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS

Das Gestein des Kraterrandes ist Suevit sehr ähnlich, eine für Einschlagskrater typische Gesteinsart. Die Ergebnisse der von Steve Squyres an der Cornell Universität in Ithaca, New York geleiteten Studie werden am 4. Mai 2012 vom Wissenschaftsjournal Science veröffentlicht. An dieser Studie ist der Geowissenschaftler Dr. Christian Schröder von der Universität Tübingen beteiligt

Christian Schröder erforscht am Zentrum für Angewandte Geowissenschaften die Biogeochemie von Eisenmineralen. Seit dem Start der NASA Mars Exploration Rover im Jahr 2003 ist er als Mitglied des Wissenschaftlerteams u.a. für den Einsatz des Röntgenfluoreszenz-Spektrometers des Rovers, dem APXS (Alpha-Particle X-ray Spectrometer) zuständig. Es wurde am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz entwickelt und wird nun unter der Leitung von Ralf Gellert an der Unversität Guelph in Kanada weiter betrieben. Das APXS dient der Elementaranalyse und ermöglichte die entscheidenden Messungen zur Identifizierung der Gipsadern und Charakterisierung des Gesteins.

Opportunity ist seit nunmehr acht Jahren auf der Oberfläche des Mars unterwegs und hat dabei mehr als 33 km zurückgelegt. Endeavour hat einen Durchmesser von 22 Kilometern und ermöglicht den Zugang zu Gestein aus einer geologisch älteren Periode als der schwefelreiche Sandstein, der eine große Fläche um die Landestelle Opportunitys bedeckt. Der Krater war daher ein Fernziel des Rovers. Während der Fahrt zu Endeavour galt Schröders Interesse insbesondere den verstreut am Wegesrand liegenden losen Gesteinsbrocken. Einige dieser Gesteinsbrocken entpuppten sich als Meteorite, andere stammen von entfernten Einschlagskratern, jedoch nicht von Endeavour, wie die APXS-Analysen zeigen.

Gips mit der chemischen Formel CaSO4∙2H2O bildet sich nur im Beisein von Wasser. Es grenzt die Temperatur des Wassers auf maximal 60°C ein. Bei höherer Temperatur hätten sich andere Mine-rale wie z.B. Anhydrit, CaSO4, gebildet. Damit gab es am Rande des Endeavour-Kraters zumindest vorübergehend lebensfreundliche Bedingungen. Das Wasser zirkulierte durch Risse und Spalten im Gestein des Kraterrandes, nachdem dieser entstanden war. Die gleiche Quelle schwefelreichen Wassers hat wahrscheinlich auch zur Ablagerung des schwefelreichen Sandsteins an Opportunitys Landestelle beigetragen.

Endeavour ist sowohl von seiner Größe, als auch von der Gesteinszusammensetzung des Krater-randes dem Nördlinger Ries vergleichbar. Das Nördlinger Ries ist ein weltweit bekanntes Beispiel für einen Meteoriteneinschlagskrater auf der Erde. Suevit, ein sogenannter Impaktit, ist ein typisches Gestein am Rande eines Einschlagskraters. Es setzt sich zusammen aus zermahlenem Grundgestein, eingeschlossen Gesteinsbruchstücken, durch den Einschlag aufgeschmolzenes und zu Glas erstarrtes Material sowie durch Minerale, die nur bei extrem hohen Drucken und Tempera-turen entstehen. Suevit leitet sich vom lateinischen Suevia – Schwaben – ab und wurde am Nörd-linger Ries zum ersten Mal beschrieben. Das Nördlinger Ries entstand vor fast 15 Millionen Jahren durch den Einschlag eines etwa einen Kilometer durchmessenden Asteroiden. Endeavour entstand auf ähnliche Weise vor mehr als 3,7 Milliarden Jahren.

Nähere Informationen:
S.W. Squyres, R.E. Arvidson, J.F. Bell III, F. Calef, B.C. Clark, B.A. Cohen, L.A. Crumpler, P.A. de Souza Jr., W.H. Farrand, R. Gellert, J. Grant, K.E. Herkenhoff, J.A. Hurowitz, J.R. Johnson, B.L. Jolliff, A.H. Knoll, R. Li, S.M. McLennan, D.W. Ming, D.W. Mittlefehldt, T.J. Parker, G. Paulsen, M.S. Rice, S.W. Ruff, C. Schröder, A.S. Yen, and K. Zacny (2012), Ancient Impact and Aqueous Processes at Endeavour Crater, Mars. Science, in press.
DOI 10.1126/science.1220476

Kontakt:
Dr. Christian Schröder
Universität Tübingen und Universität Bayreuth
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich Geowissenschaften
Sigwartstr. 10
72076 Tübingen
Tel.: +49 7071 29-78924
E-Mail: christian.schroeder@ifg.uni-tuebingen.de
http://www.geo.uni-tuebingen.de/arbeitsgruppen/angewandte-geowissenschaften/umweltmineralogie.html

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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