Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leben auf großem Fuß – Forscher entdecken weitverbreitete Fußkrankheiten bei Nashörnern

10.07.2013
Der Einsatz hochauflösender Computertomographie und digitaler Röntgentechnik bei Nashörnern zeigt, dass Dickhäuter in menschlicher Obhut oftmals diverse Fußknochenerkrankungen haben. Mit diesem Wissen können die Haltungsbedingungen in Zoos verbessert werden.

In Gefangenschaft lebende Panzernashörner leiden häufig unter chronischen Fußerkrankungen, im Sinne von schwerwiegenden Knochenveränderungen. Diese Art der Erkrankung stellt eine enorme klinische Herausforderung dar, sie mindert den allgemeinen Gesundheitszustand des Tieres und beeinflusst dessen Zuchtfähigkeit. Manchmal werden Tiere auch aufgrund von Fußproblemen euthanasiert.


Computertomographische Aufnahme eines Nashornfußes mit erkrankter Knochenstruktur (links) und gesunder Knochenstruktur (rechts).
Abb.: Galateanu G/IZW/TOSHIBA

„Das breite Spektrum an Knochenerkrankungen und deren Intensität waren für uns doch sehr überraschend. Nahezu 30 Prozent der 95 untersuchten Knochenstrukturen waren erkrankt“, sagt Gabriela Galateanu vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Leiterin der wissenschaftlichen Studie. Die Ergebnisse wurden in der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Um nähere Erkenntnisse über chronische Fußerkrankungen bei Nashörnern zu gewinnen, erforschte ein internationales Team von Wissenschaftlern aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und drei französischen Zoos mittels hochauflösender Computertomographie und digitalem Röntgen die zugrunde liegenden Ursachen.

Zoologische Institutionen unternehmen erhebliche Anstrengungen, um chronische Fußerkrankungen bei großen Säugetieren zu vermeiden. Dazu gehören eine kontinuierliche Verbesserung des Managements, der Haltungsbedingungen sowie der Behandlungsmethoden. Bisherige Diagnosen von Fußerkrankungen beschränkten sich größtenteils auf die Weichteile, dabei wurden Knochenerkrankungen oftmals übersehen. Für die Krankheitsdiagnose kam die digitale Röntgentechnik kaum zum Einsatz. Innerhalb der letzten 40 Jahre hatten Wissenschaftler nur zwei Arten von Knochenerkrankungen bei drei Nashörnern festgestellt (zwei Spitzmaulnashörner und ein Indisches Panzernashorn).

Bei Panzernashörnern, die in menschlicher Obhut leben, ist die Erkrankung der Weichteile der Füße mehrfach beschrieben worden. Bis vor kurzem waren alle männlichen, fortpflanzungsfähigen Panzernashörner in Europa von dieser Krankheit betroffen.

Auch in Gefangenschaft lebende Elefanten haben ähnliche Fußprobleme, bei ihnen ist die Erkrankung aber viel besser dokumentiert. Bis heute wurden bei Elefanten beispielsweise mehr als 20 Knochenerkrankungen diagnostiziert. Es ist bisher unklar, wie diese orthopädischen Knochenveränderungen bei großen Pflanzenfressern entstehen. Es ist auch unklar, warum die Knochen von Nashornfüßen bisher kaum untersucht wurden. Daher hat ein Wissenschaftlerteam vom IZW für die Krankheitsdiagnose modernste bildgebende Untersuchungsverfahren eingesetzt. Das Team führte eine Studie durch, bei der sowohl Computertomographie mit der höchsten Auflösung, die in der Veterinärmedizin zur Verfügung steht, als auch digitales Röntgen zum Einsatz kamen. Das Forscherteam konnte zeigen, dass diverse Knochenerkrankungen ein weit verbreitetes Phänomen bei in Gefangenschaft lebenden Nashörnern ist.

Von den heute noch lebenden fünf Nashornarten sind bereits vier vom Aussterben bedroht und eine Art, das Sumatra Nashorn, ist sehr hoch bedroht. Einige dieser Nashornarten leben in Gefangenschaft und sind vielleicht der Schlüssel für den Erhalt der Population oder gar der ganzen Art. Daher ist es wichtig, für entsprechende Nachzuchtprogramme gesunde Tiere in der Gefangenschaftshaltung zu haben.

„Bei der Studie stellte sich heraus, dass alle Tiere Knochenerkrankungen hatten. Das traf sowohl auf das Südliche Breitmausnashorn, als auch auf das Panzernashorn zu. Betroffen waren Tiere mit Tumoren in den Weichteilen der Füße und Tiere mit chronischen Fußerkrankungen. Erstaunlicher Weise gab es auch ein Südliches Breitmaulnashorn, das keine Erkrankungen in den Weichteilen des Fußes aufwies, aber trotzdem erkrankte Knochen hatte”, berichtet Robert Hermes, Nashornexperte am IZW.

Die neuen Erkenntnisse bedeuten, dass Knochenerkrankungen in den Füßen von Nashörnern weiter verbreitet sind als bisher angenommen. Daher empfiehlt das IZW, im zukünftigen Management von in Gefangenschaft lebenden Nashörnern und anderen großen Pflanzenfressern, das digitale Röntgen als Verfahren im Gesundheitsmanagement einzusetzen.

Das IZW unterstützt die enormen Anstrengungen von Mitarbeitern Zoologischer Gärten weltweit, um chronische Fußerkrankungen bei großen Pflanzenfressern zu vermeiden. „Derzeit arbeiten wir daran, Zootierärzte mit praktischen Werkzeugen für eine verbesserte bildgebende Diagnostik auszustatten“, berichtet Thomas Hildebrandt, Abteilungsleiter Reproduktionsmanagement am IZW.

Publikation:
Galateanu G, Hildebrandt TB, Maillot A, Etienne P, Potier R, Mulot B, Saragusty J, Hermes R (2013): One small step for rhinos, one giant leap for wildlife management - imaging diagnosis of bone pathology in distal limb. PLOS ONE
Kontakt:
Gabriela Galateanu: galateanu_gabriela@yahoo.com; galateanu@izw-berlin.de
Dr. Robert Hermes: 0049 (0)30 51 68 243; hermes@izw-berlin.de
Weitere Informationen:
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0068493 - Originalveröffentlichung

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften