Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leben in der antarktischen Tiefsee - Polarstern-Expedition zur Erforschung der Unterwasserwelt

06.01.2012
Frankfurt am Main / Hamburg / Kapstadt, den 06.01.2012. Morgen verlässt das Forschungsschiff Polarstern den Hafen in Kapstadt und begibt sich auf eine zweimonatige Reise in die Antarktis. Mit an Bord sind Wissenschaftlerinnen des Senckenberg Forschungsinstitutes, um die Lebewelt in den Tiefen des Weddellmeeres zu untersuchen.

Alle Vorbereitungen sind getroffen, die Taschen sind gepackt und nun geht es endlich los! Das deutsche Forschungsschiff Polarstern bricht zur seiner 28. Antarktisexpedition ins Weddellmeer auf. An Bord sind über 50 Wissenschaftler aus neun Nationen, darunter drei Vertreterinnen der Senckenberg-Standorte Frankfurt und Hamburg. Wichtiges Ziel der Expedition ist die Untersuchung der Vielfalt, Verteilung und Häufigkeit bodenlebender Tiefseeorganismen im ebenso entlegenen wie unerforschten Antarktischen Ozean.

Die Expedition soll Licht in die biologischen Abläufe in der Dunkelheit der antarktischen Tiefsee bringen. „Wir möchten herausfinden, in welcher Beziehung die Lebewesen am Boden der Tiefsee zur biologischen Produktivität im Wasser stehen“, erklärt Dr. Dorte Janussen vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt am Main.

Dabei baut das Forschungsprogramm „System-Kopplung“ (SYSTCO) auf eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, die während der Reise verschiedene Forschungsaspekte unter die Lupe nehmen. Hierzu gehören die physikalische Ozeanographie, Planktologie, Biogeochemie und Biodiversitätsforschung sowie Sedimentologie.

Das Wissenschaftsteam wird in den gut zwei Monaten auf See sowohl Organismen aus verschiedenen Meerestiefenbereichen sammeln, als auch Proben des Meeresbodens und -wassers nehmen. Zurück in Deutschland werden die Proben dann mit unterschiedlichen Ansätzen, wie herkömmlicher und molekularer Analyse sowie biogeochemische Methoden untersucht. Die Senckenbergerinnen Martina Vortkamp und Sarah Schnur, beide Technikerinnen am Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung in Hamburg, kümmern sich um die Datenverarbeitung, das Probenmanagement und um die Dokumentation von antarktischen Meerasseln.

„Mein Fokus im Projekt ANDEEP-SYSTCO II liegt auf der Erforschung von Tiefsee-Schwämmen, die in und rund um das Weddelmeer unterhalb von 800 Metern Wassertiefe auf dem Meeresboden leben“, sagt Dr. Dorte Janussen „Wir vermuten, dass diese durch die mit ihnen in Symbiose lebenden Bakterien zum Teil vom großen Nahrungsnetz „losgekoppelt“ existieren, aber dennoch als Bindeglied zwischen der freischwimmenden und bodenlebenden Lebewelt dienen.“

Die auf dem Antarktischen Meeresboden festsitzenden, zum Teil über 1 Meter großen Glasschwämme ernähren sich durch Filtration des Meerwassers. Und dabei sind sie echte Nährstoff-Pumpen! Ein einzelner Schwamm kann täglich mehrere 100 Liter Wasser filtern und speichert dabei 90 Prozent des im Wasser enthaltenen winzig kleinen Planktons sowie einen Großteil der gelösten Kieselsäure. In der Antarktis können Schwämme bis zu 90 % der am Meeresboden sitzenden Lebewesen ausmachen und sind daher ein bedeutender ökologischer Faktor. Auch im Nahrungskreislauf nehmen die organlosen Tiere eine wichtige Rolle zwischen der freischwimmenden und bodenlebenden Fauna ein. Durch ihr Filtrieren geben sie erhebliche Mengen von Nährstoffen aus der Wassersäule an die Biotope des Meeresbodens weiter.

„Wir erhoffen uns Aufschlüsse über die Ökologie der Tiefsee-Fauna im Hinblick auf die Kopplungsprozesse zwischen den verschiedenen Organismen zu bekommen“, meint Dr. Dorte Janussen, „Wir sind schon sehr gespannt, denn bislang haben Forscher, die an irgendeinem Ort in die Tiefsee vorgestoßen sind, immer etwas Neues und Verblüffendes gefunden.“

Die Fahrtroute des Forschungsschiffs führt zunächst südwärts bis ins antarktische Weddellmeer, dann geht es nach Westen bis nach Südamerika, wo die Expedition am 11. März 2012 im Hafen von Punta Arenas (Chile) endet. In dieser Zeit werden die Wissenschaftler auf der Polarstern wortwörtlich die unbekannte Tiefen des antarktischen Meeres erforschen.

Kontakt:

PD Dr. Dorte Janussen
Sektion Marine Evertebraten I
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum
djanussen.d@awi-polarstern.de
Telefonat an Bord der Polarstern nach vorheriger Anmeldung möglich! Bitte wenden Sie sich hierfür an:
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Judith Jördens
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de
Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben – dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

Judith Jördens | idw
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Meeresforschung in Echtzeit verfolgen
22.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie