Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Küstenforscher erarbeiten die Grundlage für den zukünftigen Schutz der Nord- und Ostsee

24.04.2013
Die Küstenforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht untersuchen in den nächsten drei Jahren den Einfluss des Menschen auf den Meeresboden in der Deutschen Bucht.

Ihre Arbeit ist Teil einer umfassenden wissenschaftlichen Zustandsbewertung der Küstengewässer in Nord- und Ostsee, die in fünf Verbundprojekten erarbeitet wird. Dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Vorhaben schafft wissenschaftliche Grundlagen zur Umsetzung der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie.


Das Wattenmeer in der Nordsee übernimmt viele Funktionen für das Meeresökosystem. Zum Beispiel filtern die Sedimente Schadstoffe aus dem Wasser.
Matthias Creydt, Fotolia

Am 29. April treffen sich Vertreter des BMBF und die Projektbeteiligten an der Universität Hamburg, KlimaCampus und geben gemeinsam den Startschuss für die zukünftige Forschungskooperation.

Der Meeresboden ist nicht nur Lebensraum, sondern übernimmt viele Ökosystemfunktionen - zum Beispiel filtern die Sedimente Schadstoffe aus dem Wasser. Um den Zustand des Meeresbodens zu erfassen, werden die Küstenforscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern die Prozesse, die im Boden und von dort im Austausch mit dem Wasser stattfinden, in den nächsten drei Jahren genau unter die Lupe nehmen.

Die Untersuchungen sind eingebettet in das Projekt „North Sea Observation and Assessment of Habitats“ (NOAH). NOAH ist eines der vom BMBF geförderten Verbundprojekte, die im Rahmen der „Küstenforschungsagenda für Nord- und Ostsee“ (KüNO) aufgestellt wurden und jetzt ihre Arbeit aufnehmen. Das Ziel der Projekte: Zusammenhänge in den Küstenregionen besser verstehen und zukünftige Veränderungen und Risiken abschätzen.

Den Zustand des Meeresbodens untersuchen

Ein Ziel der Küstenforscher ist, Indikatoren für den Zustand des Meeresbodens zu benennen, die sensibel auf menschliche Einflüsse reagieren. „Mithilfe von Indikatoren können wir Rückschlüsse auf den Zustand des Ökosystems ziehen“, sagt Prof. Dr. Kay Emeis, einer der Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und Koordinator des NOAH Verbundprojektes. „Zum Beispiel wandeln bestimmte Bakterien im Meeresboden das für eine erhöhte Algenproduktion verantwortliche Nitrat in Stickstoff um. Diese Dienstleistung des Ökosystems findet jedoch nur in natürlichen Sedimenten statt, die beispielsweise in der Tideelbe immer seltener sind.“

Aus den NOAH Ergebnissen wollen die Wissenschaftler einen Habitat-Atlas für die Deutsche Bucht erstellen. Schon innerhalb des ersten Projektjahres wird der Atlas die Belastung des Meeresbodens mit Schadstoffen abbilden. Langfristig soll der Atlas die Auswirkungen von menschlichen Einflüssen wie der Fischerei oder Offshore Windparks auf den Meeresboden aufzeigen.

Forschungsergebnisse für die Anwendung

Um sämtliche Ergebnisse für alle Beteiligten verfügbar zu machen, arbeiten die Wissenschaftler nicht nur besonders eng zusammen, sondern es wird auch für alle Verbundprojekte eine gemeinsame Infrastruktur zur Nutzung und Archivierung der Forschungsdaten eingerichtet.

Das Verbundprojekt „Modular System for Shelves and Coasts“ (MOSSCO) baut ein projektübergreifendes, modulartiges Computermodell auf. Wie in einem Baukasten können darin je nach Anforderung physikalische chemische, biologische und geologische Module für die Errechnung von Modelldaten genutzt werden. Das modulartige System ermöglicht, die Zusammenhänge in den Küstenregionen umfassender zu verstehen und den Transfer des Wissens in die Anwendung über eine geeignete Nutzeroberfläche zu fördern. Denn Politik, Wissenschaft, Unternehmen und Verbände wollen die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie gemeinsam umsetzen.

Einladung für Journalisten zum Tischgespräch

Am 29. April findet an der Universität Hamburg, KlimaCampus das Kickoff Meeting der fünf KüNO Verbundprojekte statt. Um 12:45 Uhr laden Prof. Dr. Kay Emeis (Helmholtz-Zentrum Geesthacht), Prof. Dr. Ulrich Bathmann (Leibnitz Institut für Ostseeforschung) und Dr. Gerd Kraus (Thünen-Institut für Seefischerei) Journalisten zu einem Tischgespräch ein. Bitte melden Sie sich dazu vorher in der Pressestelle des Helmholtz-Zentrums Geesthacht bei Julika Doerffer an.

Hintergrund
Die europäische Meeresstrategie Rahmenrichtlinie sieht vor, bis 2020 in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union einen guten Zustand der Meeresumwelt zu erreichen und dauerhaft zu erhalten. Im Rahmen einer „Küstenforschungsagenda für Nord- und Ostsee“ (KüNO) fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den nächsten drei Jahren die Grundlagenforschung in den Küstenregionen mit insgesamt 6 Millionen Euro. Dazu werden fünf Verbundprojekte eingerichtet, die den guten Zustand des Meeresbodens in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee definieren und Grundlagen schaffen, diesen zu erreichen und zu erhalten.
In dem am Helmholtz-Zentrum Geesthacht koordinierten Verbundprojekt NOAH sind das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, das Thünen-Institut für Seefischerei, das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Senckenberg am Meer sowie universitäre Gruppen des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, des Centrums für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg beteiligt.

Die Projekte sind eingebettet in das BMBF Rahmenprogramm „Forschung für nachhaltige Entwicklung“ (FONA). Die Vorhaben werden vom Projektträger Jülich (Meeresforschung, Geowissenschaften, Schiffs- und Meerestechnik) im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Küstenmeerforschung in Nord- und Ostsee“ betreut.

Weitere Informationen:

http://www.bfn.de/habitatmare/de/eu-meerespolitik-rahmenrichtlinie.php
http://www.planeterde.de/forschung/projekte/bmbf-projekte/
http://www.hzg.de/institute/coastal_research/index.html.de
http://www.klimacampus.de/
http://www.ptj.de/lw_resource/datapool/_items/item_3404/kstenforschung
02122011_internet.pdf

Dr. Torsten Fischer | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.hzg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise