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Korallenriffe als Evolutionsmotor

08.01.2010
Tropische Korallenriffe sind der Entstehungsort überdurchschnittlich vieler neuer Tierarten und somit ein maßgeblicher Faktor für die Artenvielfalt der Ozeane.

Ein internationales Team um Lichtenberg-Professor Wolfgang Kießling vom Museum für Naturkunde Berlin konnte zeigen, dass neue Tiergattungen besonders in Riffen entstehen und dann in andere Ökosysteme exportiert werden. Damit wird die bisherige Theorie widerlegt, dass Riffe deshalb so artenreich sind, weil sie Anziehungspunkte für Arten sind, die an anderen Orten entstehen.

Neue Tierarten entstehen überall und ständig. Trotzdem gibt es räumliche Muster der Biodiversität: Die Artenvielfalt ist am höchsten in den Tropen und am niedrigsten an den Polen, höher im Flachwasser als in der Tiefsee, größer im Flachland als auf den Bergen und höher in Korallenriffen als außerhalb.

Schon länger vermuten Wissenschaftler, dass hinter diesen Mustern nicht nur ökologische Faktoren stecken: die höhere Artenvielfalt der Tropen geht größtenteils darauf zurück, dass dort neue Arten leichter entstehen als

in höheren Breiten.

Die jetzt von Wolfgang Kießling und seine Kollegen Carl Simpson und Michael Foote im Journal Science publizierten Ergebnisse zeigen, dass innerhalb der Tropen besonders die dort beheimateten Korallenriffe als Zentren der Evolution fungieren. Die Forscher untersuchten anhand einer Zusammenstellung aller bekannten fossilen Funde der letzten Millionen Jahre, in welchen Lebensräumen sich das älteste Auftreten von Tiergattungen konzentrierte.

Fazit: Die Neuentstehungsraten von Gattungen sind in Riffen mithin 45% höher als in anderen tropischen Lebensräumen. Die Autoren vermuten, dass den Riffen dabei zugute kommt, dass sie sehr zerklüftet sind und deshalb zahlreiche Lebensräume und Verstecke bieten, in denen neue Tierarten geschützt entstehen können.

Die in Riffen neu entstandene Vielfalt ist auch eine Diversitäts-Quelle für andere Lebensräume. Über 65% der Gattungen werden exportiert; deutlich mehr als importiert werden. Verantwortlich für diesen Exportüberschuss ist vermutlich die Diversität selbst. Sie wirkt als Barriere gegen invasive Arten. Die neue Studie zeigt abermals, wie wichtig Korallenriffe für die Erhaltung der Artenvielfalt in den Meeren sind.

Originalveröffentlichung: Wolfgang Kiessling, Carl Simpson, Michael Foote: Reefs as Cradles of Evolution

and Sources of Biodiversity in the Phanerozoic. Science (8. Januar 2010).

Fotos erhalten Sie unter: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Riffevolution

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Kießling, Museum für Naturkunde Berlin, wolfgang.kiessling@mfn-berlin.de, Tel. +49(0)30 2093 8576
Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail

gesine.steiner@mfn-berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.naturkundemuseum-berlin.de

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