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Korallenkern im Krankenhaus

02.11.2010
Ungewöhnliche Kooperation zwischen Meeresforschung und Medizin

Kürzlich suchten Bremer Geowissenschaftler den Direktor der Klinik für Neuroradiologie am Klinikum Bremen-Mitte, Prof. Bernd Tomandl, auf. Dabei ging es um die Untersuchung eines ungewöhnlichen „Patienten“.

Ein vier Meter langer Sedimentkern wurde in einem hochmodernen Computer-Tomographen des Klinikums geröngt. Die Meeresablagerungen stammen aus einem Kaltwasser-Korallenriff, das sich in 400 Meter Wassertiefe vor der Küste des US-Bundesstaats North Carolina erstreckt. Die Untersuchungen tragen dazu bei, die Wechselwirkungen zwischen solchen Korallenriffen und dem Klimageschehen zu erforschen.

Der Kern wurde im Sommer dieses Jahres auf einer Expedition des niederländischen Meeresforschungsinstituts NIOZ gewonnen. „MARUM und NIOZ arbeiten traditionell eng zusammen“, sagt Expeditionsleiterin Dr. Furu Mienis, die erst kürzlich vom NIOZ nach Bremen wechselte. „Mit unseren Untersuchungen am Klinikum Bremen-Mitte wollen wir mehr über das Wechselspiel zwischen Klima und Korallen herausfinden“, ergänzt ihr Kollege Dr. Jürgen Titschack vom Forschungsinstitut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven.

Kaltwasser-Korallen sind reich an Karbonaten. In dieser Verbindung zwischen Kohlenstoff und Sauerstoff wird auch das Treibhausgas Kohlendioxid gebunden. Wie viel Karbonat in den Ablagerungen am Korallenriff vor North Carolina enthalten ist, war bislang nur schwer zu bestimmen, denn das Sediment ist sehr heterogen aufgebaut: größere und kleinere Korallenreste sind in feinkörnigerem und karbonathaltigem Sediment eingebettet. „Indem wir jetzt die Messungen am Computer-Tomografen mit weiteren Untersuchungen des feinkörnigen Sediments kombinieren, können wir den Karbonatgehalt genauer bestimmen“, sagt Dr. Jürgen Titschack.

Daneben interessiert die Bremer Forscher, wie sich das Korallenriff im Lauf der Jahrtausende entwickelt hat: „Wenn wir verstehen, wie diese Riffe auf vergangene klimatische Veränderungen reagiert haben, können wir besser abschätzen, wie sich diese wertvollen Tiefsee-Ökosysteme in Zeiten globaler Klimaerwärmung entwickeln“, ist Furu Mienis überzeugt. Deshalb soll auch die Zusammenarbeit mit den Radiologen am Klinikum Mitte fortgesetzt werden.

Kaltwasser-Korallen sind erst in den letzten Jahren in den Fokus der Forschung gerückt. Große europäische Projekte wie HERMES (http://www.eu-hermes.net) und HERMIONE(http://www.eu-hermione.net) führten zu vielen neuen Erkenntnissen über die Ökosysteme, die sich entlang der Nordatlantikküste in 40 bis 1.500 Meter Wassertiefe erstrecken. Die Tiefseekorallen sind in ihrer Schönheit und Artenvielfalt durchaus mit den tropisch-subtropischen Flachwasserkorallen vergleichbar. Wie diese sind aber auch jene durch menschliche Aktivitäten wie Tiefseefischerei, Verlegung von Tiefseekabeln oder der Erdölexploration bedroht.

Weitere Informationen/Interviewanfragen/Bildmaterial:
Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0421 – 218-65540
Email: agerdes@marum.de
MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde – insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de/02.11._Korallenkern_im_Krankenhaus.html
http://www.marum.de

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