Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Kohlendioxid ist nicht alleine schuld

20.12.2011
Kieler Meeresforscher koordinieren europäische Treibhausgas-Messungen im Ozean

Anzeige


Das Containerschiff Atlantic Companion der Reederei ACL. Das IFM-GEOMAR nutzt seit 2002 Handelsschiffe für regemäßige CO2-Messungen im Ozean. Jetzt werden diese Messungen auch auf andere Treibhausgase ausgedehnt.
Foto: Reederei ACL

Europaweit haben sich 34 Forschungsinstitute zusammengeschlossen, um zu überprüfen, welchen Einfluss welche Treibhausgase abgesehen von CO2 auf das Klima haben und wo sie genau produziert werden. Das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) koordiniert seit Dezember 2011 den ozeanischen Teil der umfangreichen Messkampagne.

Dass Kohlendioxid in der Atmosphäre als Treibhausgas wirkt, ist allgemein bekannt. Doch daneben gibt es zahlreiche weitere Gase, die den gleichen Effekt haben. Dazu gehören unter anderem Methan und Distickstoffmonoxid, besser bekannt als Lachgas, die ebenfalls in großen Mengen bei menschlichen Aktivitäten freigesetzt werden.

„Man geht davon aus, dass von Menschen verursachte Emissionen von Nicht-CO2-Treibhausgasen mittlerweile einen bedeutenden Anteil an den zu beobachtenden klimatischen Veränderungen haben“, sagt der Meereschemiker Dr. Hermann Bange vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOAR). Seit Dezember 2011 koordiniert er ein europaweites Messprogramm, dass die Emissionen dieser bisher wenig beachteten Treibhausgase im Ozean beziehungsweise an der Grenze zwischen Ozean und Atmosphäre untersuchen soll.

Neben dem IFM-GEOMAR sind der Nationale Spanische Wissenschaftsrat (CSIC), die Universität Bergen (Norwegen) sowie die Universität East Anglia (UK) beteiligt. Das Programm ist Teil des von der EU finanzierten Forschungsvorhaben InGOS (Integrated Non-CO2 Greenhouse Gas Observing System). An dem insgesamt 34 Forschungseinrichtungen in 15 europäischen Staaten unter Führung des Energy Research Centre of the Netherlands (ECN) beteiligt sind. „Um die Entwicklung des Klimas oder die Effektivität von Klimaschutzmaßnahmen besser abschätzen zu können, ist es notwendig, möglichst viele Einflüsse zu kennen. Dazu unser soll unser Ozeanmessprogramm im Rahmen von InGOS in Zukunft beitragen“, erklärt Dr. Bange.

Bei der Überwachung von Treibhausgasen im oder über dem Ozean setzen die Projektpartner auf zwei Strategien: Messungen von regelmäßig verkehrenden Handelsschiffen aus und Messreihen an bestehenden Ozeanobservatorien. „Für die Datenerhebung auf den Schiffen nutzen wir die neueste Generation von sogenannten ‚Cavity Ringdown‘ Spektrometern, die hochpräzise einmal pro Sekunde oder schneller die Konzentrationen von Methan und Lachgas im Wasser ermitteln“, erklärt Dr. Bange. Parallel messen sie die Konzentrationen auch in der Luft über dem Wasser. Erste Tests mit einem Lachgas-Messgerät auf dem deutschen Forschungsschiff MARIA S. MERIAN im Juni und Juli 2011 im Rahmen der BMBF Verbundprojektes SOPRAN verliefen sehr erfolgreich. „Das IFM-GEOMAR nutzt schon seit 2002 Handelsschiffe, um regelmäßig und automatisiert Kohlendioxid-Messungen im Atlantik durchzuführen. Auf diesen Schiffen werden wir auch die neuen Geräte installieren“, sagt der Kieler Meeresforscher.

Darüber hinaus erheben die Wissenschaftler regelmäßig Daten über Treibhausgas-Konzentrationen am Cape Verde Ocean Observatory (CVOO, früher TENATSO, Kapverdische Inseln), an der European Station for Time Series in the Ocean (ESTOC) auf den Kanarischen Inseln, an der Gibraltar Fixed Times Series Station (GIFT) und an der Boknis Eck Zeitserienstation am Ausgang der Eckernförder Bucht in der südwestlichen Ostsee.

Doch zunächst müssen die Wissenschaftler noch viel vorbereiten. „Jetzt sind wir erst einmal dabei, alle Geräte und Messsysteme zu kalibrieren, damit wir die gewonnenen Daten später überhaupt miteinander vergleichen können“, erklärt Dr. Bange. Die aktiven Messungen werden im Sommer 2012 beginnen. „Dann können wir hoffentlich endlich genauer sagen, wie stark der Einfluss der anderen Treibhausgase wirklich ist und woher sie genau kommen“, sagt Dr. Bange.

Andreas Villwock | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.ifm-geomar.de/
www.ingos-infrastructure.eu/
www.sopran.pangaea.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

nachricht NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp