Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Königreich von Diamat neu durchleuchtet

23.05.2011
Deutsche Forscher entdecken antike Siedlung mit geophysikalischen Untersuchungsmethoden im äthiopischen Hochland

Anfang Mai "durchleuchteten" der Geophysiker Jörg Fassbinder vom Institut für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München und seine Mitarbeiterin Margarete Schlosser in einer gemeinsamen Kampagne mit dem Deutschen Archäologischen Institut den Boden im äthiopischen Hochland.

Mit einem seltsam anmutenden Gestell in der Hand zogen sie in Sonne und Staub Bahn für Bahn über ein vermutetes Siedlungsareal in Tigray. Bei dem zunächst abenteuerlich aussehenden Gerät handelt es sich um ein hochempfindliches Totalfeld-Magnetometer, d.h. eine tragbare Messstation, die lokale Anomalien des Erdmagnetfeldes detektiert.

Damit wird die Magnetometer-Prospektion als zerstörungsfreie Methode zur Erforschung archäologischer Fundplätze erstmals mit großem Erfolg im äthiopischen Hochland angewandt: Auf einer Fläche von 4 Hektar erfasste Fassbinder in Ziban Adi, so der Name des Fundortes, magnetische Anomalien, um im Untergrund verborgene Strukturen wie Mauerzüge, Gräber, Feuerstellen und Abfallgruben aufzuspüren. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die geographische Lage des Ortes nahe dem geomagnetischen Äquator dar, da die magnetischen Feldlinien hier parallel zur Erdoberfläche verlaufen und die komplexen Anomalien archäologischer Strukturen nur schwer nachweisbar sind. Deshalb kam diese seit Jahren weltweit angewandte Prospektionstechnik in Ländern nahe dem Äquator nur selten zum Einsatz.

"Die neuen, von der Arbeitsgruppe Fassbinders entwickelten Auswertungsmethoden griffen mit vollem Erfolg", berichtet Pawel Wolf, Grabungsleiter vor Ort: "Schon bei den ersten Testgrabungen wurden zerstörte Feldsteinmauern, Begräbnisse, Brandschichten und Siedlungsabfälle wie Tierknochen und Keramikscherben aus unterschiedlichen Zeitepochen gefunden. Darunter befinden sich auch Scherben mit charakteristischen Merkmalen der Keramik der sogenannten äthio-sabäischen Periode aus dem letzten Jahrtausend vor der Zeitenwende."

Im Jahre 2008 hatten äthiopische Archäologen den aufsehenerregenden Fund eines perfekt erhaltenen Libationsaltars (Altar für Wasseropfer) mit einer altsüdarabischen Königsinschrift im benachbarten Meqaber Ga'ewa, einem zuvor ebenfalls unbekannten Fundort nahe der Stadt Wuqro getätigt. Nach Einschätzung von Kebede Amare, dem Leiter der Kulturbehörde in Tigray, handelt es sich dabei um den südlichsten Fundplatz des Königreiches von Diamat aus dem letzten Jahrtausend v. Chr. Die Königsinschrift ist laut Norbert Nebes von der Universität Jena der erste bekannte Beleg des antiken Namens des 80 km entfernten Ortes Yeha, der vermutlichen Hauptstadt dieses noch kaum erforschten äthio-sabäischen Reiches.

Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts ergraben seit 2008 nicht nur einen Tempel des sabäischen Mondgottes Almaqah in Meqaber Ga'ewa. Sie entdeckten auch weitere Fundorte einer bisher unbekannten Siedlungskammer jener kulturgeschichtlich bedeutenden Epoche. In Ziban Adi, einem der vielversprechendsten, legten sie 2010 die Grundmauern eines weiteren Heiligtums auf einem drei Meter hohen Ruinenhügel frei. Unzählige Keramikscherben auf den umliegenden Getreidefeldern hatten auf eine intensive Besiedlung um den antiken Sakralbau schließen lassen. Bei den Archäologen, denen es hier nicht nur um die Untersuchung des kulturellen Einflusses des altsüdarabischen Königreiches von Saba auf das nördliche Horn von Afrika geht, sondern vor allem um die Erforschung der einheimisch-afrikanischen Kulturkomponenten, erweckt der Siedlungsfund große Hoffnungen, auch Überreste einer gewöhnlichen Ortschaft dieser Zeitperiode untersuchen zu können, aus der bislang nur wenige Fundplätze bekannt sind.

Die Feldarbeiten bei Wuqro finden im Rahmen einer von Ricardo Eichmann geleiteten deutschen-äthiopischen Wissenschaftskooperation zwischen der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, der Tigray Cultural Agency und der Friedrich-Schiller- Universität Jena statt. Die geophysikalischen Messungen beruhen auf einer Kooperation des Deutschen Archäologischen Instituts mit dem Institut für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwigs-Maximilians-Universität München.

Als Ansprechpartner stehen Ihnen Dr. Pawel Wolf pwolf@skydsl.de und Dr. Jörg Fassbinder fassbinder@geophysik.uni-muenchen.de gerne zur Verfügung.
Weitere Informationen:
http://www.geophysik.uni-muenchen.de/ - Institut für Geophysik
http://www.dainst.org - Homepage des DAI

Nicole Kehrer | idw
Weitere Informationen:
http://www.dainst.org
http://www.geophysik.uni-muenchen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland
26.06.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie