Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Dem Klimawandel in Patagonien auf der Spur

20.08.2008
Geographie-Professor der Universität Bremen leitet das internationale Tiefbohrprogramm PASADO, das im Herbst 2008 in einem Kratersee in Südpatagonien (Argentinien) durchgeführt wird. Dabei wollen die Wissenschaftler Informationen über weltweite Klimaänderungen und ein besseres Verständnis zur vulkanischen Entstehung des Kraters erlangen.

Anzeige

Ende August 2008 brechen Wissenschaftler des Instituts für Geographie der Universität Bremen zur größten Expedition ihrer bisherigen Laufbahn auf.


Wenn Professor Bernd Zolitschka (Professor für Geomorphologie und Polarforschung) und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Christian Ohlendorf zusammen mit drei Doktoranden aus Bremen abreisen, warten auf sie bereits 21 Seecontainer mit einer kompletten Bohrplattform sowie umfangreicher wissenschaftlicher Ausrüstung am Ufer des vulkanischen Kratersees "Laguna Potrok Aike" in Südpatagonien (Argentinien).

Im Rahmen des "Internationalen kontinentalen Tiefbohrprogramms" (ICDP) ist dieser See weltweit erst der achte, dessen Sedimentfüllung mit dieser Technik erbohrt wird. Das international und interdisziplinär ausgerichtete Projekt PASADO (Potrok Aike Maar Lake Sediment Archive Drilling Project) ist zugleich das erste ICDP-Bohrprojekt in einem See unter deutscher Koordination.

Beteiligt ist ein Team aus deutschen, argentinischen, kanadischen, schwedischen, schweizer und US-amerikanischen Geographen und Geowissenschaftlern. Die Bohrkosten (1,5 Mio. €) sowie die Finanzierung der wissenschaftlichen Bearbeitung (1,7 Mio. €) werden in Deutschland anteilig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Universität Bremen übernommen. Internationale Geldgeber sind das ICDP mit Sitz am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam sowie nationale Fördereinrichtungen in Kanada, Schweden und der Schweiz.

Ein Sedimentarchiv in der argentinischen Trockensteppe

Mit der eingesetzten schwimmenden Bohrplattform sollen Sedimentkerne bis zu einer Tiefe von 800 m unter dem Seespiegel und mit einer Gesamtlänge von 1,8 km geborgen werden. Der Maarsee Laguna Potrok Aike ist aufgrund seiner Wassertiefe von 100 m das einzige kontinuierliche Sedimentarchiv in der argentinischen Trockensteppe.

Er ist daher ein besonders gut geeignetes Archiv, das präzise Informationen über die Entwicklung von Umwelt und Klima während der letzten Jahrtausende sowie vulkanologische Daten bereitstellt. Denn erstmals in der Geschichte der Vulkanforschung wird in den Schlot eines jungen wasserbedeckten Maares gebohrt. Übrigens: Maare sind vulkanische Krater die entstehen, wenn glutflüssiges Gestein (Magma) beim Aufstieg zur Erdoberfläche in Kontakt mit Grundwasser gerät. Dabei erfolgen Wasserdampfexplosionen. Sie führen zu Kratern, die nicht nur in Patagonien sondern auch in der Vulkaneifel verbreitet vorkommen.

Klimainformationen von der Südhalbkugel sind für Deutschland von Bedeutung, denn das Klima als globale Erscheinung beeinflusst unser Leben. In Patagonien ist der Klimawandel schon seit Jahrzehnten ein Thema. Während die ersten europäischen Siedler im 19. Jahrhundert in Argentinien auf saftige Wiesen und Hunderte von Seen gestoßen sind, die eine hervorragende Grundlage für die Schafzucht darstellten, änderte sich diese Situation ab Mitte des 20. Jahrhunderts dramatisch: Seen verlandeten und die Trockensteppe dehnte sich aus.

Wie wird sich die Situation in Folge des durch den Menschen beschleunigten Klimawandels verändern? Diese und weitere Fragen werden durch die Sedimentkernanalyse beantwortet. "Für derartig komplexe wissenschaftliche Projekte brauchen wir motivierte und engagierte Nachwuchswissenschaftler, die bereit sind, an vorderster Forschungsfront mitzuarbeiten. Dies ist immer auch mit hohem persönlichem Einsatz verbunden" erklärt der Quartärforscher Bernd Zolitschka und versteht darunter monatelange Forschungsexpeditionen im Ausland aber auch langwierige Laboranalysen.

Logistischer Kraftakt

Bevor dieses international vernetzte Projekt starten kann, ist zunächst ein logistischer Kraftakt zu meistern. Da es im patagonischen Einsatzgebiet keinerlei Infrastruktur gibt, müssen Übernachtungsmöglichkeiten (Wohncontainer) mit sanitären Einrichtungen sowie eine Küche zur Versorgung von bis zu 34 Wissenschaftlern ebenso wie die Labore aufgebaut werden. Der benötigte Strom wird mit einem Dieselaggregat bzw. einem Windrad vor Ort produziert.

Wasser wird über einen eigens gebohrten 76 m tiefen Brunnen gefördert und die Verbindung zur Außenwelt über eine satellitengestützte Internetverbindung gewährleistet. Insgesamt handelt es sich bei diesem Projekt um eine große wissenschaftliche Herausforderung mit umfassender logistischer Koordination, deren wahre Dimension erst in wenigen Tagen vor Ort sichtbar wird.

Ein Faltblatt mit allgemeinen Informationen zum Projekt ist von der Website http://www.pasado.uni-bremen.de/Files/Flyer(german).pdf herunterladbar. Darüber hinausgehende Informationen können von der Website http://www.pasado.uni-bremen.de abgerufen werden.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Institut für Geographie
Prof. Dr. Bernd Zolitschka
Tel.: 0421-218-2158 (direkt) bzw. 0421-218-2165 (Sekretariat)
Fax: 0421-218-9658
E-Mail: zoli@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-bremen.de
www.pasado.uni-bremen.de
www.pasado.uni-bremen.de/Files/Flyer(german).pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

nachricht NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp