Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Und den Klimawandel gibt es doch: Meteorologe der Universität Wien korrigiert weltweit Messdaten

03.11.2009
GegnerInnen der Treibhauseffekt-Theorie argumentieren häufig mit Diskrepanzen zwischen Klimamodellen und tatsächlichen Daten aus den Messungen der Radiosonden (Wetterballons).

Anzeige

Die Ursache für diese Unterschiede ist nicht bei den Modellen, sondern bei den gemessenen Daten zu suchen, ist sich Leopold Haimberger, Klimaforscher an der Universität Wien, sicher. In einem aktuellen FWF-Projekt korrigiert der Meteorologe die Fehler in den Radiosondenzeitreihen der letzten 50 Jahre und entzieht damit gleichzeitig der Klimawandel-Kritik ihre Grundlage.


In den Tropen wird es immer wärmer: In den letzten zehn Jahren sind dort die Bodentemperaturen um etwa 0,2 Grad Celsius gestiegen. Das entspricht einer Erwärmung von ungefähr zwei Grad pro Jahrhundert. Gängigen Klimasimulationen zufolge müsste der Temperaturanstieg in den höheren Atmosphärenschichten (acht bis zehn Kilometer Meereshöhe) das Doppelte bis Dreifache betragen.

Tut er aber nicht - jedenfalls nicht auf den ersten Blick: Schaut man sich nämlich die Daten aus den Wetterballonmessungen, sogenannte Radiosondenzeitreihen, der letzten 50 Jahre an, scheint die Luft seit den Aufzeichnungen Anfang der 1960er Jahre sogar merklich kühler geworden zu sein. Sind die Klimamodelle falsch? "Nein", sagt Leopold Haimberger vom Institut für Meteorologie und Geophysik: "Die Radiosonden haben vor allem in den ersten Jahren falsche Messwerte geliefert."

Systematische Fehler aufgrund veralteter Technik

Vor allem in der Anfangszeit des Einsatzes von Radiosonden in der Meteorologie sind Fehler passiert. Seit den 1960er Jahren werden Radiosonden mit Hilfe von Wetterballons bis hoch in die Stratosphäre transportiert; erstere messen beim Aufstieg Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit. Seit damals hat sich jedoch die Instrumentierung der Geräte wesentlich verbessert. "Die Messungen sind immer präziser geworden. Zum Beispiel haben sich die Sonden zu Beginn der Aufzeichnungen oft in der Sonne erhitzt und daher zu hohe Temperaturen angezeigt", so Meteorologe Haimberger und weiter: "Heute weiß man darum, und beugt solchen potenziellen Fehlerquellen bereits bei der Messung vor."

Wenn nun diese systematischen Fehler bei der Dateninterpretation berücksichtigt werden, dann verschwindet die beschriebene Diskrepanz zwischen Simulation und empirischer Beobachtung. Haimberger: "Damit könnte man jenen WissenschafterInnen, die noch immer am treibhausbedingten Klimawandel zweifeln und die politisch durchaus noch Gehör finden, endlich den Wind aus den Segeln nehmen."

Weltweite Korrektur von Messdaten

Ziel des seit Juli 2009 laufenden, von Leopold Haimberger geleiteten FWF-Projekts "Globale Radiosondendaten für die Klimaforschung", ist es, die Radiosondenzeitreihen der letzten 50 Jahre zu korrigieren. Kein einfaches Unterfangen - gibt es doch an die 1.000 Wetterstationen weltweit und geschätzte fünf- bis zehntausend Fehler im globalen Radiosondennetz. Um diese Diskrepanzen ausfindig zu machen, vergleicht der Klimaforscher die Daten einer Wetterstation mit jenen ihrer Nachbarstationen: "Die Differenz sollte eigentlich nicht mehr als ein 'statistisches Rauschen' betragen. Aber es gibt immer wieder abrupte Sprünge. Diese Sprünge sagen uns, wo eine Verfälschung der Werte z. B. den Austausch von Messinstrumenten stattgefunden hat", erklärt Haimberger. Die auf diese Weise ermittelten Fehler werden durch Durchschnittswerte aus den Messungen der benachbarten Stationen korrigiert. Dafür hat der Meteorologe ein Korrekturprogramm entwickelt, das weltweit großen Anklang findet und sich "RAOBCORE - Radiosonde Observation Correction using Reanalyses" nennt.

Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Leopold Haimberger
Institut für Meteorologie und Geophysik
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-537 12
leopold.haimberger@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: homepage.univie.ac.at/leopold.haimberger/
www.univie.ac.at/175 -

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht NASA's TRMM satellite sees heavy rainfall in Tropical Storm Bud
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

nachricht NASA sees Tropical Storm Sanvu continue to intensify
24.05.2012 | NASA/Goddard Space Flight Center

Alle Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp