Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel trifft niedriggelegene Küstenregionen in Asien und Afrika besonders hart

13.03.2015

Neue Studie der Kieler Universität zeigt die weltweit am stärksten gefährdeten Ballungsgebiete an den Küsten: In Asien und Afrika könnten bis zum Jahre 2060 bis zu 359 Milliarden Menschen von den Auswirkungen des Klimawandels in Form von Meeresspiegelanstieg und damit häufiger einhergehenden extremen Überflutungsereignissen bedroht sein. Zu diesem Ergebnis kommen Küstenforscherinnen und -forscher vom Geographischen Institut an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gemeinsam mit Kollegen der Universität Southampton in Großbritannien in einer aktuellen Studie.

Die Küsten hatten schon immer eine besondere Anziehungskraft auf den Menschen. Reich an fruchtbaren Flächen, sind sie der Ausgangspunkt für weltweiten Handel und Fischerei, für Tourismus und dienen als Raum für Erholung. Die Küsten gehören weltweit zu den am dichtesten besiedelten Regionen.


Die Mehrzahl der Groß- und Megastädte wie hier Singapur liegen nah am Wasser und in niedriggelegenen Küstenbereichen. Foto: Barbara Neumann

Milliarden Menschen leben dort auf engstem Raum, insbesondere in Asien und Nordafrika. Die Mehrzahl der Groß- und Megastädte liegen nah am Wasser, und die Besiedelung und Industrialisierung der Küstenregionen hält unvermindert an.

Heute lebt schon über zehn Prozent der gesamten Weltbevölkerung, rund 625 Millionen Menschen, in niedriggelegenen Gebieten, 30 Prozent davon im direkten Überflutungsbereich von extremen Sturmflutereignissen. Die dort lebende Bevölkerung ist besonders gefährdet, wenn der Meeresspiegel steigt oder Sturmfluten auf Städte und Siedlungen treffen.

In Asien und Afrika, und damit in den überwiegend weniger entwickelten Regionen der Welt, könnten bis zum Jahre 2060 bis zu 359 Milliarden Menschen von den Auswirkungen des Klimawandels in Form von Meeresspiegelanstieg und damit häufiger einhergehenden extremen Überflutungsereignissen bedroht sein.

Zu diesem Ergebnis kommen Küstenforscherinnen und -forscher vom Geographischen Institut an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gemeinsam mit Kollegen der Universität Southampton in Großbritannien in einer aktuellen Studie, die im online-Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlicht wurde. Die auf verschiedenen Wachstumsszenarien basierenden Prognosen weisen dabei auf eine mögliche Verdoppelung der Bevölkerung in den untersuchten Küstenregionen von weltweit 189 Millionen im Jahr 2000 auf 316 bis 411 Millionen im Jahr 2060 hin.

Doch wie viele Menschen in welchen Regionen auf der Welt sind genau von den Folgen des Klimawandels betroffen? Und welche Folgen ergeben sich daraus für politische Planungen und Anpassungsstrategien? In ihrer Studie haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst auf die Küstenregionen in der Welt konzentriert, die maximal zehn Meter über dem Meeresspiegel liegen - sogenannte Low-elevation Coastal Zones (LECZ).

Zusätzlich zu dieser weithin anerkannten Metrik, die häufig zur Abgrenzung von küstennahen Gebieten verwendet wird, wurde ermittelt, wie viele Menschen durch Wasserstände 100-jährlicher Sturmflutereignisse gefährdet sein könnten. In vier unterschiedlichen Szenarien haben die Forscherinnen und Forscher Bevölkerungswachstum, fortschreitende Besiedelung und Meeresspiegelanstieg für die Jahre 2030 und 2060 für diese beiden Größen – niedriggelegene Küstenzonen und 100-jährliche Sturmflutereignisse - berücksichtigt und die jeweils betroffenen Bevölkerungsanteile analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass selbst bei moderatem weltweiten Bevölkerungswachstum die meisten Küstenbewohnerinnen und -bewohner in Asien leben werden – vor allem in China, Bangladesch, Indonesien, Vietnam und Indien - und die Zahl der von Meeresspiegelanstieg und damit einhergehenden Überflutungen betroffenen Menschen von bereits 137 Millionen im Jahr 2000 auf 232 bis 310 Millionen im Jahr 2060 ansteigen könnte. Der afrikanische Kontinent, insbesondere Staaten in West- und Ostafrika, wird demgegenüber die höchste Rate an Verstädterung und Urbanisierung erleben und damit den höchsten Bevölkerungszuwachs an den Küsten.

„Die Ergebnisse zeigen uns, welche Regionen und Länder das höchste Gefährdungspotenzial in Bezug auf Meeresspiegelanstieg und damit auch auf Überflutungsrisiken haben“, sagt Erstautorin Dr. Barbara Neumann vom Geographischen Institut an der CAU und Postdoktorandin im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“. Gleichzeitig sind diese Regionen auch die Gebiete, für die belastbare Planungen unmittelbar notwendig werden, um Anpassungsstrategien an den Klimawandel zu entwickeln.

„Unglücklicherweise gehört ein Großteil der Küstenregionen, die zukünftig am stärksten wachsen werden, zu den ärmsten der Welt“, so Neumann weiter. „Katastrophen an den Küsten, bedingt durch den Klimawandel, werden daher auch viele Menschen treffen, die sich weniger gegen die Auswirkungen schützen und darauf vorbereiten können.“

Die Studie ist im Rahmen der Forschung in der Arbeitsgruppe „Meeresspiegelanstieg und Küstengefährdung“ am Geographischen Institut an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entstanden. Forschungsgebiete sind die Folgen des Meeresspiegelanstiegs für Küstenräume, die Erstellung von Schadenspotenzialanalysen, Küstenanpassung und nachhaltige Entwicklung von Küstenräumen. Die Themen sind darüber hinaus auch Teil der Forschung im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“.

Originalpublikation
Neumann B, Vafeidis AT, Zimmermann J, Nicholls RJ (2015): Future Coastal Population Growth and Exposure to Sea-Level Rise and Coastal Flooding - A Global Assessment. PLoS ONE 10(3): e0118571. doi:10.1371/journal.pone.0118571, http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0118571


Links
http://www.crslr.uni-kiel.de/de/ (Arbeitsgruppe Küstenrisiken und Meeresspiegelanstieg, Institut für Geowissenschaften an der CAU)
http://www.futureocean.org (Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“)

Kontakt
Dr. Barbara Neumann, Geographisches Institut, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Telefon 0431 880-5319, neumann@geographie.uni-kiel.de

Friederike Balzereit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“, Telefon 0431 880-3032, fbalzereit@uv.uni-kiel.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2015-085-klimawandel

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise